Robert Hartinger, Geschäftsführer Sandvik Coromant Deutschland

Robert Hartinger, Geschäftsführer Sandvik Coromant Deutschland

von Klaus Hiemer

Wie bewertet Sandvik Coromant die aktuelle Situation in der Branche – ist die Krise überwunden?

Nach dem schwierigen Jahr 2009 hat das Geschäftsjahr 2010 unsere Erwartungen bislang nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen. Aus heutiger Sicht können wir davon ausgehen, dass sich die Situation bis zum Jahresende nicht mehr verschlechtern wird. Das heißt: Wir haben den Turnaround geschafft und blicken wieder optimistisch in die Zukunft. Unsere Zuversicht ist nicht zuletzt darin begründet, dass sich sowohl die Automobilindustrie als auch andere Industriesegmente, etwa der Energiesektor oder die Luftfahrtindustrie, sehr positiv entwickeln. Zum Jahresende erwarten wir auch wieder verstärkte Impulse von den Maschinenherstellern.

In welchen Regionen und Märkten sehen Sie Wachstumschancen?

Der asiatische Raum – und hier insbesondere China – zeigt weiterhin sehr hohe Zuwachsraten, aber auch Russland sowie die übrigen ost- und südosteuropäischen Länder verzeichnen überproportionales Wachstum.

Welche Herausforderungen stellen neue Werkstoffe wie Titan oder spezielle Legierungen an die Werkzeughersteller?

Werkstoffe wie Titan oder hochwarmfeste Legierungen stellen besondere Anforderungen an die Verschleißfestigkeit und die Zähigkeit von Schneidstoffen. Speziell bei diesen anspruchsvollen Materialien ist eine ausgewogene Balance der Härte und Festigkeitswerte von entscheidender Bedeutung. Eine große Rolle spielt darüber hinaus die Abstimmung von Substrat, Beschichtung und Geometrie. Durch die Optimierung des Zusammenspiels dieser Komponenten lässt sich das Leistungspotenzial der Werkzeuge noch erheblich steigern. Anspruchsvolle Werkstoffe erfordern darüber hinaus eine genaue Vorgabe der anzuwendenden Schnittdaten. Das Fenster für optimale Einsatzdaten ist deutlich kleiner als bei leicht zu zerspanenden Materialien. Fundiertes Anwendungs-Know-how wird deshalb immer wichtiger. Und wir bieten unseren Kunden neben den passenden Werkzeugen die passenden Dienstleistungen und das anwendungsspezifische Fachwissen.

Wie wichtig ist es für Sandvik Coromant, als Komplettanbieter aufzutreten?

Die Industrie legt immer größeren Wert auf Komplettangebote. Der heutige Kunde möchte eben auch die passenden Dienstleistungen zu seinem Werkzeug, damit steht und fällt zunehmend die Kaufentscheidung. Dass es sich nicht lohnt, den Blick auf den Preis zu fokussieren, um erfolgreich zu sein, haben heute die meisten Anwender erkannt. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss man als Lieferant über eine möglichst breit gefächerte Werkzeugpalette verfügen und darüber hinaus in der Lage sein, ein umfangreiches Paket an Dienstleistungen wie beispielsweise Engineering, Logistik-Konzepte und auch Schulungskonzepte für die Mitarbeiter unserer Kunden anbieten zu können. Ein wichtiger Bestandteil unseres Erfolgs, insbesondere in Zusammenarbeit mit weltweit vertretenen deutschen Unternehmen, ist das globale Auftreten als Geschäftspartner und damit verbunden die Sicherstellung professioneller Unterstützung vor Ort, wo immer diese verlangt wird.

Mit welchen Kundenanforderungen sieht sich Sandvik Coromant heutzutage konfrontiert?

Die Erwartungshaltung unserer Kunden geht mehr und mehr in die Richtung einer umfassenden geschäftlichen Partnerschaft; damit ist auch eine enge Kooperation bei der Entwicklung gemeinsamer Technologien verbunden. Und damit sich unsere Kunden auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können, müssen wir sie mit Outsourcing-Lösungen unterstützen und in der Lage sein, diese ausgelagerten Prozesse zu übernehmen.

Sucht Sandvik Coromant nach weiteren Kooperationspartnern?

Als führendes Unternehmen in der Zerspanungstechnik sind wir immer auf der Suche nach neuen globalen Kooperationsmöglichkeiten.