Bei SMA ist eine dezentrale und modulare Lagerung der empfindlichen Elektronikbauteile mit schnellen

Bei SMA ist eine dezentrale und modulare Lagerung der empfindlichen Elektronikbauteile mit schnellen Zugriffszeiten realisiert. (Bild: Hänel Büro- und Lagersysteme)

Bei der Produktion ihrer Wechselrichter im Kanban-System setzt die SMA Solar Technology AG im Bauteilelager auf effiziente Lagertechnik von Hänel.
Von Gerd Knehr

BAD FRIEDRICHSHALL (rm). SMA entwickelt, produziert und vertreibt Solar-Wechselrichter für Photovoltaikanlagen, die den von Solarzellen erzeugten Gleichstrom in netzüblichen Wechselstrom umwandeln. Im vergangenen Jahr nahm SMA in Niesetal die weltweit größte und CO2-neutrale Wechselrichter-Fabrik in Betrieb.

Dort ist eine hohe Fertigungsflexibilität realisiert: Lean Production heißt hier SMArt flow. Die  verschwendungsfreie und lagerlose Fertigung basiert auf dem Materialflusskonzept Kanban. Kleine dezentrale Regelkreise ersetzen eine zentrale Disposition.

Es wird nur soviel Material zum Montageplatz transportiert wie auch gebraucht wird. Auf diese Weise können sich die Mitarbeiter voll auf die Montage konzentrieren. Erst wenn ein Materialbehälter leer ist, entnehmen sie Material aus einem weiteren Behälter. Der leere Behälter wird dann unmittelbar wieder mit dem entsprechenden Material aufgefüllt und der Montage erneut zur Verfügung gestellt.

Auf der eigentlichen Produktionsfläche gibt es keine festen Wände, Einbauten  oder Transportbänder. Auf diese Weise lassen sich Fertigungslinien und Arbeitsplätze jederzeit der jeweiligen Auftragslage anpassen.
Dementsprechend muss auch die Intralogistik funktionieren. Für das SMA-Materialflusssystem ist eine modulare und dezentrale Lagertechnik am nützlichsten. Da man auf den zuverlässigen Kettenantrieb der Hänel-Lagersysteme nicht verzichten wollte, hat man sich schon früher für die flexiblen und modularen Lean-Lift Lagersysteme und Rotomat-Umlauflager des Lagersystemspezialisten entschieden. Mit ihrer Vertikallifttechnik stellen die kompakten zwölf Lean-Lifte eine Lagerfläche von etwa 1 200 m² auf einer Stellfläche von lediglich etwa 100 m² bereit.

Die höhenoptimierte Einlagerung spart bis zu 60 % Lagerplatzvolumen ein. Es sind gleichzeitige Ware-zum-Mann-Kommissionierungen mit kurzen Zugriffszeiten durch paralleles Arbeiten mehrerer Personen an unterschiedlichen Liften und Umlauflagern machbar. Durch die ergonomische Entnahmehöhe entfällt das unfallträchtige Leitersteigen. Und durch die modulare Bauweise bestehen einfache Erweiterungsmöglichkeiten.

Es ist durch höhenoptimierte Einlagerung eine flexible Wahl der modularen Lagerfachgröße innerhalb der gewählten Tablare realisierbar. Die  geschlossene Bauweise schützt gegen Staub und Licht. Eine ESD-gerechte Ausstattung mit spezieller, elektrostatisch ableitender Lackierung ist ebenfalls verwirklicht. Durch das günstige Kosten-Nutzen-Verhältnis im Vergleich mit einem Automatischen Kleinteilelager (AKL) ist bei den Lagerliften und Umlauflagern ein schneller Return on Investment möglich.
Bei SMA werden derzeit mit den Lean-Liften und Rotomaten etwa 12 000 Elektronikbauteile nach dem FiFo-Prinzip ein- und ausgelagert. Ein entsprechender Service, effiziente Überwachungs- und Diagnosesysteme sowie die kurzfristige Verfügbarkeit von Servicetechnikern innerhalb von 4 h waren für SMA wichtige Kriterien bei der Auswahl des Systemlieferanten.

Im Rotomat-Umlaufregal stellen die Multifunktions-Tragsätze eine individuelle und variable Inneneinrichtung für die unterschiedlichen Bauteile der Wechselrichter bereit. Die Tragsätze können nach Bedarf einfach angepasst werden. Beispiele hierfür sind Tragsätze mit in Rasterstanzungen eingehängten Zwischenböden und verstellbaren Trennteilern oder Schubladen mit unterschiedlichen Höhen.

Im Lean-Lift werden die einzulagernden Artikel sechs unterschiedlich großen Behältertypen zugewiesen. Über die vordefinierte Zuordnung zwischen Lifttablar und Behälter erfolgt eine grobe Aufgliederung des Lagergutes nach den technologischen Bearbeitungsstufen, während die direkte Lagerplatzvergabe automatisch erfolgt. Damit werden bei der Auslagerung kontinuierliche Abläufe erzielt und somit häufige Liftwechsel vermieden.

Um ESD-Schäden an der Elektronik der Wechselrichter zu verhindern, sind die Lean-Lifte und Rotomat-Umlaufregale ESD-gerecht ausgeführt. Eventuell bestehende, elektrostatische Ladungen werden kontrolliert abgeleitet und neue Aufladungen verhindert.
Die bei SMA eingesetzte standardisierte ERP-Software von SAP mit einem Modul zur Lagerverwaltung reicht in der Regel dort nicht, wo besondere Anforderungen an die Automatisierung bestehen und spezielle Techniken wie Barcode oder elektronische Versandvorrichtungen integriert werden müssen. Auch bei speziellen Ansprüchen wie der Steuerung von Umlauflagern ist in der Regel zumindest ein Add-on zur ERP-Software erforderlich. Deshalb sind sowohl die Fertigungs- als auch die Transportaufträge für Ein- und Auslagerungen im SAP-Auftragspool per Barcode hinterlegt.

Die Einzellift- und Rotomatsteuerung sind mit umfangreicher Lagerverwaltungs-Funktionalität ausgestattet und können somit einfach in die EDV-Umgebung von SMA eingebunden werden. Basis aller Materialbewegungen ist die Kennzeichnung sämtlicher Artikel mit einem Barcode.

Scanner an allen Lift-Arbeitsplätzen ersparen zeitaufwendige Zahleneingaben und verhindern Fehleingaben. Einlagerungen und Kommissionieraufträge für Fertigungsmaterial werden vom Disponenten am Zentralrechner erstellt und online automatisiert ins Lagerverwaltungs-System HänelSoft übergeben, das die Lean-Lifte und Rotomat-Umlauflager verwaltet. Diese einfache und anwenderfreundliche Lagerverwaltungs-Software ist im übergeordneten EDV-System von SAP integriert.

Damit besteht eine durchgängig transparente Softwarelandschaft und SMA kann bis zu 5 000 Transportaufträge sowie Ein- und Auslagerungen in bis zu 18 Schichten pro Woche abarbeiten sowie mit Track and Trace transparent verfolgen.
Die Optimierung im Materialfluss vom Wareneingang über das Lager bis hin zur Bereitstellung an der Montagelinie bei SMA wurde mit der flexiblen und modularen Lagertechnik von Hänel effizient erreicht. Flexibilität und Zuverlässigkeit der Lagersysteme haben SMA überzeugt, ebenso die Transparenz der Abläufe als Grundlage für die automatische Lagerverwaltung. Mit den Lean-Liften und Rotomaten von Hänel konnte SMA seine Lagerbestände sowie den damit verbundenen Planungs- und Steuerungsaufwand deutlich reduzieren.