Dr.-Ing. Wolfgang Boos, Geschäftsführer der Ende Oktober 2011 offiziell eröffneten Werkzeugbau

Dr.-Ing. Wolfgang Boos, Geschäftsführer der Ende Oktober 2011 offiziell eröffneten Werkzeugbau Akademie Aachen.

Aachen (sm). „Die Werkzeugbaubranche nimmt eine kleine, aber sehr bedeutsame Position in der industriellen Wertschöpfungskette ein. Deren Relevanz ist der Öffentlichkeit kaum bekannt“, berichtet Dr. Wolfgang Boos, Geschäftsführer der Werkzeugbau Akademie Aachen anlässlich deren offizieller Eröffnung. In der jüngsten Vergangenheit habe die Branche größere Herausforderungen verkraften müssen, wie zunehmende Konkurrenz aus Osteuropa und Asien, die Wirtschaftskrise und fallende Marktpreise. Zusätzlich stehe der Werkzeugbau vor einem Paradigmenwechsel: Der Wandel vom handwerklichen zum industriellen Werkzeugbau sei die Herausforderung der nächsten Jahre. „Führende Werkzeugbauunternehmen haben uns motiviert, die Werkzeugbau Akademie zu gründen. Damit soll die Forschung forciert werden und eine gezielte Weiterbildung für Werkzeugmacher möglich werden“, so Boos.

In der Industrie stößt dieser Ansatz der RWTH Aachen auf große Zustimmung: „Wir werden mit Anfragen zu möglichen Partnerschaften fast überrannt“, so Boos. Warum das so ist, berichtet Dr. Kai Stoffel, Geschäftsführer der Rathgeber-Gruppe in Österreich: „Es gab bis jetzt keine Hochschulausbildung für den Werkzeug- und Formenbau. Praxisgerecht ist dabei auch der berufsbegleitende Ausbildungsansatz der Werkzeugbau Akademie“. Wichtig gewesen sei ihm zudem die hohe Kompetenz des Werkzeugmaschinenlabors WZL der RWTH Aachen und dessen Vernetzung mit der Industrie: „Als kleineres mittelständisches Unternehmen stehen uns selbst nur begrenzte Mittel für Forschung und Entwicklung zur Verfügung“, so Stoffel.

Über wachsende Herausforderungen an den Werkzeugbau in der Automobilindustrie berichtete Michael Breme, Leiter des Werkzeugbaus bei der Audi AG in Ingolstadt: „Die zunehmende Variantenvielfalt unserer Modellpalette verlangt von uns höchste Flexibilität. Gleichzeitig werden die Karosserieformen aufgrund des gestiegenen Designanspruchs immer anspruchsvoller.“ Der Experte wies auch auf den demografisch bedingten Abfluss von Branchenwissen in den nächsten Jahren hin: „In den nächsten Jahren gehen in meiner Abteilung rund 9 000 Jahre an Expertenwissen verloren, weil viele erfahrene Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Dieses Problem hat die gesamte deutsche Industrie. Vor diesem Hintergrund ist der Ansatz der Werkzeugbau Akademie das richtige Signal zur richtigen Zeit“. Breme warnte auch davor, in Deutschland die Kompetenz bei der Herstellung von Standard-Werkzeugen an andere Länder abzugeben: „Der Kunde verlangt immer häufiger alle Lösungen aus einer Hand“. Die Notwendigkeit der Aachener Werkzeugbau Akademie sieht auch Herbert Johann, Leiter des Werkzeug- und Prüfmittelbaus bei ZF Sachs in Schweinfurt: „Die Halbwertszeit von Berufswissen wird immer kürzer. Deshalb sind regelmäßige Fortbildungen, wie sie die Werkzeugbau Akademie anbietet, genau der richtige Ansatz“