Sascha Wenzler

Sascha Wenzler, Vice President Formnext weiss, daß das Konzept einer Präsenzmesse sich nicht 1:1 auf ein digitales Event übertragen lässt und wartet mit einer ausgefeilten Lösung auf. - Bild: mesago

| von Ragna Sonderleittner

Produktion: Herr Wenzler, aufgrund der steigenden Infektionszahlen wird es keine Präsenzmesse Formnext geben. Überall wird der Ausfall der persönlichen Begegnung beklagt. Digitale Formate seien da nur ein kläglicher Ersatz. Aber hat eine Online-Messe wirklich nur Nachteile? Welche Vorteile bietet Ihr digitales Format gegenüber einer Präsenzmesse?

Sascha Wenzler: Als Messemensch durch und durch tut die Absage einer Präsenzmesse natürlich weh und es fehlt das Flair von vollen Gängen, attraktiven Messeständen und einem bunten Rahmenprogramm, wie es auf einer "regulären" Formnext im November der Fall wäre. Jedoch ist die Formnext leider nicht immun gegen die globalen Herausforderungen, mit denen wir uns konfrontiert sehen.

Trotz eines mit den Behörden abgestimmten Hygiene- und Sicherheitskonzeptes, angepassten Beteiligungsformaten für Aussteller und einer Infrastruktur, die besser nicht sein könnte, haben die Unsicherheit in Bezug auf Reiserestriktionen seitens der Ausstellerfirmen und vor allem der Besucherfirmen schlussendlich und in Absprache mit dem Ausstellerbeirat der Formnext unmittelbar nach dem Sommer zu einer rein virtuellen Formnext geführt.

Zu den Vorteilen der Formnext Connect 2020 zählt vor allem, dass sie ungeachtet weiterer Einschränkungen stattfinden kann. Somit kann sich jeder AM-Interessierte schon einmal den Kalender vom 10.-12.11.2020 blocken. Darüber hinaus ist es natürlich richtig, dass keine Reisekosten entstehen, die virtuelle Teilnahme sehr gut mit anderen Terminen im Büro in Einklang gebracht werden kann und Inhalte auch im Nachgang on-demand zur Verfügung stehen. Auch das Konzept der Formnext Connect ist nicht der Versuch, eine physische Messe zu kopieren. Wir haben uns bei der Konzeption bewusst auf drei Kernelemente fokussiert.

Zum einen setzen wir auf Übersichtlichkeit und Effizienz: Die Teilnahme soll durch eine klar strukturierte Oberfläche der Plattform möglichst intuitiv und vor allem effizient gestaltet sein. Da eine inspirierende Runde durch die Messehalle nicht richtig abbildbar ist, muss der Besucher gezielt zu seiner Lösung, sprich einem Ansprechpartner, finden. Durch gute und gängige Filtermöglichkeiten im Produkt- und Ausstellerverzeichnis, werden Teilnehmer schnell fündig und können einen Termin mit dem Anbieter ausmachen oder direkt mit ihm chatten.

Zusätzlich leben Veranstaltungen wie die Formnext von zufälligen Begegnungen, die wir durch einen KI-basierten Matchmaking-Algorithmus fördern.

Als dritte Komponente sehen wir den Inhalt. Präsentationen, Expertengespräche, Roundtables, Sonderschauen und zusätzliche Formate wie Formnext.TV, die alle Aspekte der additiven Fertigungsprozesse sowie der sie anwendenden Industrien abdecken. Content ist ein integraler Bestandteil der Formnext und wird selbstverständlich auch auf der Formnext Connect durch Live- und On-Demand-Streams eingebunden. Die TCT Konferenz findet 2020 ebenfalls rein digital während zwei Tagen auf der Formnext Connect statt.

Messeimpression formnext 2019
Das Konzept der Formnext Connect ist nicht der Versuch, eine physische Messe zu kopieren. - Bild: mesago

Produktion: Wie kann die Formnext Connect individuelle Produktpräsentationen einzelner Hersteller darstellen?

Wenzler: Aussteller präsentieren ihre Firma und Produkte in einem aussagefähigen Ausstellerprofil. Diese Darstellung kann recht simpel sein, etwa durch eine Beschreibung, ein Imagevideo, Produktinformationen und den zuständigen Ansprechpartnern im Unternehmen. Potentielle Kunden treten dann bei Interesse per Chat oder integrierter Videokonferenztechnik in Kontakt.

Darüber hinaus können Aussteller ihr Profil aufwerten und durch weitere Aspekte wie voraufgezeichnete oder live gestreamte Videos anreichern. Was dann beim Aussteller vor der Kamera passiert, ist je nach Budget und Aufwand durch den Aussteller zu gestalten.

Des Weiteren können Aussteller durch gezieltes Sponsoring höhere Aufmerksamkeit für ihre Auftritte erzeugen. So sind Sessions, Formnext.TV-Beiträge oder Bannerplatzierungen möglich.

Produktion: Sie haben mit Formnext Fusion ein Speed-Networking Event am 03.11.2020 geplant. Warum sollte man daran teilnehmen? Ersetzt es den Besuch auf der virtuellen Messe?

Wenzler: Nein, Formnext Fusion ersetzt nicht die Teilnahme an der Formnext Connect. Dieses Vorab-Event stellt den persönlichen Kontakt in den Fokus. Anhand der Angaben beim ersten Login kann die Software passende und interessante Matches für dieses spezielle Speednetworking Event vorschlagen und erstellt daraus eine Agenda. In einem relativ kurzen Zeitraum finden dann hintereinander kurze Meetings statt und die Teilnehmer bauen schnell ein eigenes Netzwerk mit Gleichgesinnten auf.

Nebenbei machen sich die Nutzer auch gleich mit der Plattform vertraut und können ab dem 10.11.2020 gleich richtig loslegen und alle Inhalte der Formnext Connect erleben.

Produktion: Wie sieht es mit Eintrittspreisen und Ticketerwerb aus?

Wenzler: Unser Ticketshop wird demnächst online gehen und die gesamte Plattform geht am 28.10.2020 live. Formnext Connect bietet, genau wie die physische Formnext, hochwertige Vorträge, die Infrastruktur für B2B-Austausch und exzellenten Kundenservice. In diesem für alle sehr herausfordernden Jahr fördern wir den wichtigen Austausch der AM-Community und stellen 100% Rabattcodes zur Verfügung, um eine kostenfreie Teilnahme zu ermöglichen. Ihre Leser können sich somit unter Angabe des Codes FN20RE4 ein kostenfreies Ticket sichern.

Produktion: Sie nutzen KI als Matchmaker, um Aussteller und Besucher gezielt zueinander zu führen. Wie muss man sich das vorstellen?

Wenzler: Der Algorithmus der Formnext Connect betrachtet sowohl die persönlichen Angaben der Teilnehmer, wie auch das Nutzerverhalten und erzeugt hieraus Vorschläge, die in einem eigenen Bereich angezeigt werden. Hier kann man sehr schnell markieren, an welcher Person oder welchem Produkt man Interesse hat und trifft im Idealfall auf der Gegenseite ebenfalls auf Interesse. Ein bisschen wie Business-Dating.

Produktion: Durch das Matchmaking ermöglichen Sie einerseits den virtuellen Besuchern eine besonders gute "Ausbeute" an Informationen - andererseits erhält der Aussteller von Ihnen Leads, also Kontaktdaten potentieller Kunden. Wie gestalten Sie in dem Zusammenhang den Datenschutz?

Wenzler: Das Matchmaking ermöglicht in der Tat die Erweiterung des eigenen Netzwerks und auch das in Kontakttreten mit neuen Branchenkennern. Dies geschieht jedoch ausschließlich im Austausch 1 zu 1 und auch dann nur bei beidseitigem Interesse.

Auch bei der Generierung von Leads für die Aussteller gilt natürlich europäisches und nationales Recht und Aussteller erhalten ausschließlich Daten von Besuchern, die Interesse an ihrem Produkt/Firma bekundet haben und mehr Informationen erhalten möchten. Dem Datenschutz wird vollständig Genüge getan.

Produktion: Auf ihrer Homepage weisen Sie darauf hin, dass die Additive Manufacturing-Branche bei der Gestaltung resilienter Lieferketten eine große Rolle spielen wird. Können Sie das näher erläutern?

Wenzler: Dass die additive Produktion von Konsumgütern in millionenfacher Auflage hiermit nicht gemeint ist, ist hoffentlich verständlich. Hierfür ist AM (noch) nicht geeignet weil es die Kosten sprengen würde.

Was ist aber mit kritischen Komponenten, die unerlässlich für die Produktion sind? Die Digitalisierung und Qualifizierung dieser Komponenten mag initial ebenfalls Kosten verursachen. Wenn diese Komponenten aber aufgrund eines Engpasses nicht lieferbar sind und dann trotzdem im Haus produziert werden können, um die Nachfrage Ihrer Kunden zu bedienen, rechnet sich dieser Aufwand schon wieder. Beispielsweise können 3D-gedruckte Formen die Kleinserien-Produktion im Spritzguss am Laufen halten. AM wird daher in künftigen ausfallsicheren Lieferketten zunehmend eine Rolle spielen.

Der Eintrag "freemium_overlay_form_pro" existiert leider nicht.