Während in Deutschland die Budgets der Unternehmen für Forschung & Entwicklung erstmals seit 1997 zurückgingen, steigerten China und Indien diese Ausgaben zusammen um 41,8 %.

Gunnar Knüpffer

MÜNCHEN. Die Budgets deutscher Unternehmen für Forschung und Entwicklung  sind im vergangenen  Jahr erstmals um 3,1 % gesunken. Die globale Automobilwirtschaft, die 2009 rund 15 % der Ausgaben für F&E tätigte, trat im Branchenvergleich am heftigsten auf die Innovationsbremse, ergab eine Studie von Booz & Company. Trotz notwendiger Investitionen senkten sowohl Hersteller als auch Zulieferer ihre F&E-Ausgaben um 14,3 %. Eine der wenigen Ausnahmen war Volkswagen. Die Wolfsburger gaben gegen den Branchentrend mit 133 Mio Euro rund 3,6 % mehr als im Vorjahr für neue Konzepte aus.
Weltweit sanken die F&E-Ausgaben gegenüber 2008 um 3,5 % auf 363 Mrd Euro, wobei die US-Konzerne 3,8 % weniger und die europäischen 0,2 % weniger investierten. Eine umgekehrte Entwicklung zeichnete sich auf zwei wichtigen Wachstumsmärkten Asiens ab: China und Indien erhöhten ihre Forschungsausgaben zusammen um 41,8 %. Zurückzuführen sei dieser Wert auf eine weitgehende Resistenz dieser beiden Länder gegen eine globale Rezession sowie auf eine niedrige Ausgangsbasis, teilte Booz & Company mit. Denn das F&E-Investitionsvolumen der chinesischen und indischen Unternehmen macht lediglich 1 % des globalen Innovationsbudgets aus.
Da neben den Forschungsausgaben auch die Umsätze der deutschen Konzerne zurückgingen, ist das Verhältnis von Innovationsetat zu Umsatz, die Innovationsintensität, leicht gestiegen. So verteidigten laut Booz & Company deutsche Konzerne auch 2009 vor Frankreich und der Schweiz den Titel als „Innovations-Europameister“. Mit 27,7 Mrd Euro wendeten sie 7,6 % der weltweiten F&E-Ausgaben auf. Die enormen Steigerungsraten in China und Indien verdeutlichten aber, welche strategische Bedeutung dem Thema dort beigemessen wird. „Das Label ‚Engineered in Germany, produced in China‘ substituiert in den letzten Jahren zunehmend ‚Made in Germany‘ “, sagte der Geschäftsführungssprecher vom Booz & Company, Stefan Eikelmann. „Wenn deutsche Unternehmen ihre F&E-Investitionen  auch am Standort ihrer Zentrale nicht wieder deutlich erhöhen, steht mittelfristig auf immer mehr Erfolgsprodukten ‚Engineered & produced in China‘.“