Für die 11. Studie der Initiative ‚UnternehmerPerspektiven‘ – „Rohstoffe und Energie:

Für die 11. Studie der Initiative ‚UnternehmerPerspektiven‘ – „Rohstoffe und Energie: Risiken umkämpfter Ressourcen“ – standen 4 000 Inhaber und Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen Rede und Antwort (Bild: Blackosaka -Fotolia.com).

von Michaela Neuner

LANDSBERG (ks). Steigende Rohstoffpreise belasten den deutschen Mittelstand deutlich stärker als die aktuelle Situation im Energie-Sektor ergab eine aktuelle Studie der Commerzbank AG. Befragt wurden 4 000 mittelständische Unternehmen zu ihren Problemen und Lösungsansätzen bei der Beschaffung und Absicherung von Rohstoffen und Energie. „Energie- und Rohstoffeffizienz wird angesichts endlicher fossiler und biologischer Ressourcen zum Erfolgsfaktor, besonders für das verarbeitende Gewerbe, die Bauindustrie sowie Logistik und Verkehr“, stellt Commerzbank-Vorstand Markus Beumer fest.

Mehr als 60 % des verarbeitenden Gewerbes ist auf fossile Rohstoffe und Industriemetalle angewiesen. Der Anteil von Unternehmen, bei denen der Posten Rohstoffe mehr als ein Zehntel der Gesamtkosten ausmacht, liegt im verarbeitenden Gewerbe bei 79 %. Hier gaben auch 86 % der Unternehmen an, dass sich steigende Rohstoffpreise derzeit negativ auf ihr Geschäft auswirken – in der Gesamtwirtschaft waren es 67 %. „Problematisch sind neben Preissteigerungen insbesondere starke Preisschwankungen, die unternehmerische Planung erschweren. 50 Prozent der befragten Unternehmen haben diesen Faktor als Belastung für ihr Geschäft benannt“, erklärt Beumer.
„Während mehr als zwei Drittel der Unternehmer über Belastungen durch steigende Rohstoffpreise klagen, wirken sich die derzeit vieldiskutierten höheren Preise für Energie nur bei einem Drittel der Unternehmen schädlich auf die Bilanz aus“, berichtet er. Steigen die Energiepreise weiter, dürfte dieser Wert zunehmen, befürchten die Autoren der Studie. Knapp 50 % der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie der chemischen und pharmazeutischen Industrie reagieren besonders sensibel auf Energiepreise, im Maschinenbau wirken sich diese bislang nur bei 22 % aller Unternehmen auf die Geschäfte aus.
Zwar sehen 52 % der Befragten knapper werdende Ressourcen als Innovationstreiber, zur Tat schreiten wesentlich weniger: So suchen 47 % der Unternehmen lieber neue Lieferanten bzw. verhandeln über längere Laufzeiten ihrer Lieferverträge. Ein Viertel denkt darüber nach, Preissteigerungen an die Kunden weiter zugeben, 42 % tun dies bereits. Um mehr Effizienz beim Rohstoffverbrauch bemühen sich dagegen nur 35 % und lediglich 23 % verbessern ihre Energie-Effizienz.
Dadurch verschenken sie handfeste Vorteile: „Energie-Effizienz ist ein echter Wettbewerbsfaktor und ein sehr wachstumsstarker Markt mit Steigerungsraten von durchschnittlich fast 13 %, wie unsere Analysen gezeigt haben“, erklärt Dr. Jürgen Meffert von McKinsey. Sie sei zu einem entscheidenden Wachstumsfeld für viele unterschiedliche Branchen geworden, von der Entwicklung neuer Antriebstechnologien in der Automobilindustrie über energieeffiziente Heizsysteme im Gebäudesektor bis zu Smart-Grid-Lösungen im Maschinen- und Anlagenbau. Die Investition in größere Energie-Effizienz rechne sich doppelt, betont auch Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen. „Was heute in erneuerbare Energien und in eine höhere Energie-Effizienz investiert wird, zahlt sich morgen aus, wenn andere auf diesen Technologievorsprung zurückgreifen möchten“, ist er sicher.
Auch ein intelligenter Einsatz von Rohstoffen bringe Wettbewerbsvorteile: „Den Technologievorsprung in Bezug auf die Wiederverwertung und effiziente Nutzung von Ressourcen kann man als Rohstoffquelle unseres Landes bezeichnen“, betont Röttgen. Bei der Erschließung dieser Rohstoffquelle verspricht er Unterstützung durch das neue nationale Ressourcen-Effizienz-Programm. Es soll die deutsche Wirtschaft unabhängiger machen und die Umweltbelastungen senken.

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aus Produktion Nr. 44, 2011