Dr. Sohaib Elgimiabi

Dr. Sohaib Elgimiabi mit einer Wabenkonstruktion, wie sie im Innern von Flugzeugen zum Einsatz kommt (Bild: 3M)

NEUSS (gk). Die Wabenkonstruktionen erinnern ein wenig an einen Bienenstock. Aber wer den Blick schweifen lässt im Labor von Dr. Sohaib Elgimiabi im fünften Stock des Technologiezentrums von 3M in Neuss, dem wird schnell klar, dass es hier hoch wissenschaftlich zugeht und dabei sehr viel Chemie im Spiel ist. Vor sechs Jahren kam der aus dem Sudan stammende Chemiker zu 3M. Er wurde einer von rund 300 Wissenschaftlern und Techniker aus 14 Nationen, die in Neuss für deutsche und europäische Märkte forschen und entwickeln. Gleich an seinem ersten Arbeitstag erfuhr er vom Gewichtsproblem beim neuen Airbus A380 und der Frage des Kunden, ob das Problem nicht mit einer leichteren Kern- und Randfüllmasse für die Wabenkonstruktionen im Innern des Flugzeugs gelöst werden könne. „Mir war sofort klar, dass wir mit unseren vorhandenen Produkten da nicht weiterkommen würden“, erinnert sich Elgimiabi.
So konzentrierte sich der Chemiker auf die chemische Zusammensetzung eines ganz neuen Produkts, das gleich mehrere Anforderungen erfüllen sollte. Eine geringere Dichte und damit ein absolutes Leichtgewicht waren gefragt. Darüber hinaus sollte es flammhemmend sein, zugleich aber alle toxikologischen Anforderungen erfüllen und zudem auch noch maschinell verarbeitet werden können. Etwa 100 Kilogramm konnten mithilfe des ersten neuen Produkts in einem Airbus A380 eingespart werden.
Der Forscher setzte seine Entwicklungsarbeit fort und  erfüllte auch den Wunsch des Kunden nach einer einfachen Verarbeitung. Eine weiter entwickelte Kern- und Randfüllmasse von 3M besteht nun aus zwei Komponenten, die sich mittels Kartusche auch in kleinen Mengen in konstanter Qualität einfach verarbeiten lassen und schon bei Raumtemperatur aushärten. Diese Entwicklung gelte in der Fachwelt als „kleine Sensation“,  meinte der Chemiker. Doch damit gab er sich nicht zufrieden. Sein Know-how in der Entwicklung flammhemmender Kern- und Randfüllmassen hat er in den neuen 3M Scotch-Weld Zweikomponenten-Konstruktionsklebstoff  9300 B/A FST eingebracht. Für die Innenausstattung von Flugzeugen steht damit auch ein Klebstoff zur Verfügung, der den strengen Brandschutzrichtlinien dieser Industrie in vollem Umfang gerecht wird.
Elgimiabi ist ein Bespiel für die Innovationskultur im Technologieunternehmen 3M. Das Rezept dafür lautet: Wissen, Können und Wollen. Wissen hieß dabei am Anfang seiner Entwicklungsarbeit für die Luftfahrtindustrie auch für ihn, die Bedürfnisse dieses Kunden zu genau zu kennen. Im „Elfenbeinturm“ seines Labors verharren will er damit jedoch keineswegs. Er will sein Know-how nutzen für die Entwicklung weiterer Produkte, die auch in ganz anderen Märkten innovativ wirken könnten.
3M will eine „Open Innovation“ fördern. Dabei hilft Elgimiabi  nicht nur der Austausch mit Tausenden Besuchern, die jedes Jahr im Technologiezentrum des Unternehmens zu Gast sind. Mithilfe der neuen Internetplattform „die-erfinder.com“ lädt 3M zum Beispiel zu einem unternehmensübergreifenden Dialog zum Thema Innovation ein, um neue Potenziale zu erschließen und Innovationsprozesse effizienter für sich und für andere Unternehmen zu gestalten. Den internen Wissenstransfer sollen so genannte Open Lab Days im Technologiezentrum sichern.
Können heißt für 3M laut Stephan Rahn, Manager Corporate Innovation Marketing bei 3M Deutschland, auch, alle Forschungs- und Entwicklungsarbeiten gemäß der Qualitätsmanagement-Methode Six Sigma zu strukturieren. „Wollen“ steht für Engagement und Motivation. „Ein ganz entscheidender Innovationstreiber“, so Rahn. „Allein die Mitarbeiter machen aus unserem Unternehmen erst eine Ideenfabrik.“ So können seine Kollegen in Forschung und Entwicklung beispielsweise 15 % ihrer Arbeitszeit für eigene Ideen nutzen. In der Personalpolitik konzentriere sich das Unternehmen auf die Stärken seiner Mitarbeiter. „Wissen, Können und Wollen zusammen machen unsere Innovationskultur gestaltbar und natürlich auch messbar“, so Rahn. In diesem Jahr hat sich das Unternehmen im Wettbewerb „Deutschlands Beste Arbeitgeber 2010“ in seiner Größenklasse Platz eins gesichert.