Wer liefert die Ideen für Innovationen? Nicht immer kommen diese aus dem eigenen Unternehmen.  -

Wer liefert die Ideen für Innovationen? Nicht immer kommen diese aus dem eigenen Unternehmen. - Bild: Produktion/DLR

Die deutsche Industrie schaut neidisch ins Silicon Valley: Google, Apple, Facebook, Amazon, Tesla und Co. stehen für Innovation schlechthin. Nicht selten begeben sich CEOs neugierig auf Bildungsreise in die Hochtechnologieregion, um die Mechanismen hinter dem Innovations-Output zu entdecken. Unternehmen wie Daimler, Deutsche Telekom, IBM und Siemens und andere haben Niederlassungen an dem bedeutendsten Standort der High-Tech-Industrie weltweit gegründet – nicht nur um den neuesten technologischen Entwicklungen ganz nah zu sein, sondern um Großunternehmen und Start-ups auf die Finger zu schauen, um das Geheimnis der betrieblichen Kulturen aufzuspüren, die den Erfolg ermöglichen. Und wahrscheinlich auch, um den ein oder anderen Mitarbeiter für das eigene Unternehmen zu gewinnen.

Denn Innovationsstrategien und -prozesse aufzusetzen, ist eines. Das andere erfordert Antworten auf die Fragen: Wie sollte eine Unternehmenskultur aussehen, in der Mitarbeiter erfolgreich „innovieren“ können? Woher kommen die Impulse? Ist Innovationskompetenz lernbar? Führen arbeitsorganisatorische und -zeitliche Regelungen, die Freiräume schaffen, automatisch zu Innovationen? Wie weit kommt die Industrie mit den traditionellen KVP-Methoden?

Fast 50 % der Firmen geben Veranstaltungen und Publikationen als Impulsgeber für Innovationen an

Dass Impulse für Innovationen nur aus den Köpfen von F&E entspringen, gehört ins Reich der Märchen. Danach dürfte der industrielle Mittelstand, der häufig keine F&E-Abteilung betreibt, gänzlich innovationsfrei sein. Doch nur mit Fachwissen und Marktbeobachtung gelingt es den wenigsten Unternehmen, neue Produkte oder Prozesse einzuführen.

Um die Frage zu beantworten, wie Innovationen ins Unternehmen kommen, ist es hilfreich, auf die Innovationsquellen zu schauen. Den wichtigsten Anstoß für Innovationen geben die externen Kunden mit rund 82 % und danach erst folgen die internen Quellen. Bei den internen Impulsgebern rangiert das Management ganz vorne (77 %), danach folgen nahezu gleichauf F&E sowie Marketing & Vertrieb. In fast 50 % kommt der Anstoß zu Innovationen von Fachkonferenzen, Messen, Ausstellungen und Fachpublikationen. Investoren und Wirtschaftsverbände haben die geringste Bedeutung als Anstifter von Neuem.

Firmen öffnen durch Open Innovation den Prozess der Ideen-Generierung

Die Vergrößerung des eigenen Innovationspotenzials durch Anregungen von Kunden ist in der Industrie schon lange gang und gäbe. Dieser Ansatz wird Open Innovation genannt, wobei seine Definition noch mehr umfasst. Das Grundprinzip von Open Innovation besteht darin, dass Unternehmen das Wissen und die Expertise von außen zur Lösung eigener konkreten Fragen nutzen. Dafür müssen sie den Innovationsprozess öffnen und aktiv betreiben, was dank Internet möglich ist – sei es in Fachforen oder in Social Media-Netzwerken.

Open Innovation-Plattformen unterstützen die gemeinsame Ideenentwicklung. Ein Beispiel: Der Mainzer Spezialglashersteller Schott fragte auf einer Plattform „Was mache ich aus einem eckigen Glasrohr?“ Die Ergebnisse übertrafen alle Erwartungen. Knapp 800 Teilnehmer aus 68 Ländern reichten mehr als 500 innovative Ideen für Einsatzmöglichkeiten des eckigen Glasrohrs ein. Die besten sieben Ideen des Schott-Rohrglas Ideenwettbewerbs wurden mit Preisen belohnt.

Ob dies langfristig als Innovationsquelle in der Industrie taugen sollte, bleibt abzuwarten. Zum einen tragen Unternehmen ein gewisses Risiko, indem sie Daten und Informationen an die Öffentlichkeit herausgeben. Zum anderen werden die freiwilligen Ideengeber irgendwann ihren Preis verlangen. Möglichweise wollen Unternehmen auch gar nicht die sogenannte Schwarmintelligenz nutzen, sondern nur ihre beschränkten Ressourcen erweitern. Denn nach der Studie des DLR fehlt es ihnen für Innovationen an F&E-Mitarbeitern, an Zeit für die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen sowie an Budget für Markforschungsaktivitäten.

Christiane Siemann

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