Martin Rademacher (links) und seine Kollegen aus der Audi-Planung testen das Virtual Reality Holodeck, um das Design eines neuen Automodell zu beurteilen

Martin Rademacher (links) und seine Kollegen aus der Audi-Planung testen das Virtual Reality Holodeck, um das Design eines neuen Automodell zu beurteilen. - Bild: Audi

Audi setzt künftig noch stärker auf Virtual Reality (VR)-Technologien. Bereits seit 2003 nutzt der Automobilhersteller virtuell erzeugte 3D Modelle als festen Bestandteil seines Entwicklungsprozesses. Nun testet das Unternehmen zudem ein sogenanntes Virtual Reality Holodeck, um das Design neuer Automodelle frühzeitig virtuell zu beurteilen.

Der Begriff „Holodeck“ stammt aus der Science‑Fiction‑Serie „Star Trek“ und bezeichnet einen speziellen Raum, der virtuelle Welten simuliert. Im neuen Virtual Reality Holodeck bei Audi wird diese Vision zur Realität. In dem etwa 15 mal 15 Meter großen Raum lassen sich Auto-Prototypen realistisch und proportionsgetreu darstellen. Die Experten aus der Audi-Planung haben dafür den Raum, in dem die Designbeurteilung stattfindet, in der virtuellen Welt 1 zu 1 nachgebaut.

Dort platzieren sie mit Hilfe aktueller Konstruktionsdaten die virtuellen Modelle. Diese können sie sowohl von innen als auch von außen intuitiv erfahren. Im Gegensatz zu bisherigen VR-Umgebungen können nun bis zu sechs Personen gleichzeitig um das Auto herumgehen.

  • Microsoft HoloLens

    Der Automobilhersteller Volvo nutzt bereits die VR-Brille HoloLens von Microsoft. Die Brillen werden derzeit hauptsächlich in der Fahrzeugentwicklung eingesetzt, später sollen sie auch zur Fahrzeugkonfiguration und in der Produktion eingesetzt werden. - Bild: Microsoft

  • ODG

    Dieses Modell wurde laut Hersteller ODG für die Schwerindustrie entwickelt. Auf dem Display können Arbeitsanweisungen, Checklisten, Lieferketten, Alarme und ähnliche Informationen dargestellt werden. Damit eignet sich die Brille von ODG zum Beispiel für den Einsatz am Flughafen, in der chemischen oder in der Ölindustrie. - Bild: ODG

  • Oculus

    Oculus konzentriert sich derzeit vor allem auf die Unterhaltungsindustrie. Doch die Brillen eignen sich zum Beispiel für Schulungs- und Übungszwecke. Die Technologie von Oculus Rift kommt auch im Modell Samsung Gear VR zum Einsatz, in die ein Samsung-Smartphone mit 3D-App gesteckt werden kann. Die Welten, die sich User mit der Brille ansehen können, werden teilweise mit Drohnen und 360-Grad-Kameras aufgenommen. Damit der Nutzen in der Industrie klarer wird, müssen Hersteller wie Oculus jedoch deutlich mehr tun. Ein Problem ist derzeit noch die lange Ladezeit von über 30 Sekunden beim Starten eines Programms, an deren Verringerung die Branche mit Hochdruck arbeitet. - Bild: Oculus

  • Epson

    Das Modell Moverio von Epson wird in der Industrie hauptsächlich bei Wartungen eingesetzt. Die Brille kann beispielsweise stark vergrößern, sodass auch kleine Kabelbeschriftungen zu lesen sind. Techniker an anderen Standorten können mit schauen, Anweisungen geben und diese auf die Brille schicken. Hierdurch lassen sich laut Hersteller die Zeiten für einen Wartungsauftrag optimieren. - Bild: Epson

  • Daqri

    Dieses Modell von Daqri ist bei Unternehmen wie Siemens oder Emerson im Einsatz. Der Helm stellt Temperaturmessungen, Arbeitsanweisungen, Fernwartungen durch Experten und Übersichten im Arbeitsalltag zur Verfügung. - Bild: Daqri

  • Magic Leap

    Das große Fragezeichen auf dem VR-Brillen-Markt: Das Start-up Magic Leap aus Florida, USA, macht es besonders spannend und hält seine Entwicklung streng geheim. Bekannt ist lediglich, dass das Startup rund 1,4 Milliarden US-Dollar Venture-Kapital eingesammelt haben und 1.200 Mitarbeiter beschäftigen soll. Zu den größten Kapitalgebern gehören Alibaba und Google. Kürzlich kaufte Magic Leap die auf das Inside-Out-Tracking für VR-Brillen spezialisierte 3D-Sparte des Schweizer Startups Dacuda. Selbstgestecktes Ziel der Newcomer: Die innovativste VR/AR-Brille auf den Markt zu bringen. - Bild: Pixabay

  • Virtuelle Show Rooms

    Virtuelle Show Rooms: Veränderung gibt es künftig auch auf Kundenseite. Experten rechnen damit, dass Kunden sich Produkte sowohl virtuell konfigurieren, als auch virtuell begutachten wollen. Mit dem Windows 10 Creators Update vom ersten Halbjahr 2017 können User mittels einer VR-Brille Produkte aus Webshops im virtuellen Raum unter die Lupe nehmen. Gefragt werden künftig vor allem virtuelle Show Rooms sein, in denen sich Kunden bewegen und das Angebot „wie im echten Leben“ anschauen können. - Bild: Microsoft

  • Software für VR-Brillen

    Wer VR-Brillen in Prozesse einbinden oder für die Schulung nutzen will, der braucht auch entsprechende Software. Bisher gibt es erst wenige Dienstleister, die Unternehmen bei der Entwicklung von Individualsoftware für die virtuelle Realität unterstützen. Einer davon ist Salt and Pepper Software Solutions, der Anbieter hat eine App für die Bauraumuntersuchung im Programm, mit der sich die Bewegung eines Users in Echtzeit erfassen und virtuell abbilden lässt. Auch VR-Nerds und der auf Industrie 4.0 spezialisierte Dienstleister Datenflug bieten Softwareentwicklung für den virtuellen Raum an. - Bild: Pixabay

Audi testet das Holodeck an der Schnittstelle zwischen Entwicklung und Produktion. Dort bewerten Experten aus beiden Bereichen gemeinsam den visuellen Gesamteindruck sowie die Oberflächen des neuen Autos und passen die Lage einzelner Linien und Fugen an. Diese Beurteilung stellt den letzten Schritt dar, bevor die für das Auto notwendigen Werkzeuge in die Produktion gehen. Bisher wurden hierfür fotorealistische 2D-Computergrafiken eingesetzt sowie handgefertigte physische Modelle, deren Aufbau kostspielig ist und zudem bis zu sechs Wochen dauert.

„Mit dem VR Holodeck erhalten wir einen realitätsnahen Eindruck der Proportionen unserer künftigen Modelle. So können wir wichtige Entscheidungen schneller treffen“, sagt Martin Rademacher, Leiter des Projekts VR Holodeck bei Audi. Um einzelne Aspekte im Detail zu analysieren, kommt weiterhin die zweidimensionale Darstellung zum Einsatz: „Diese bietet aktuell noch eine höhere Auflösung und eine bessere Qualität als die begehbare VR-Installation“, so Rademacher.

PC auf dem Rücken

Um im Holodeck arbeiten zu können, trägt jeder Nutzer eine VR-Brille und zwei Hand-Controller zur Interaktion. Auf dem Rücken hat er einen Rucksack mit einem leistungsfähigen, nur drei Kilogramm schweren PC. Dieser berechnet die Szene. Die mobilen PCs der Nutzer sind über WLAN mit einer zentralen Workstation verbunden, die den Datenaustausch steuert. Das dreidimensionale Modell kann in verschiedene Umgebungssettings überführt werden. In einer weiteren Ausbaustufe ermöglicht das Holodeck, Teilnehmer anderer Audi-Standorte hinzuzuschalten, was die Arbeitsorganisation deutlich erleichtert. Nach Produktionsstart dient das System dazu, die Qualität eines Modells zu sichern.

Das Gesamtkonzept hat Audi gemeinsam mit der Stuttgarter Medien­agentur Lightshape entwickelt. Noch im Laufe dieses Jahres will das Unternehmen das Virtual Reality Holodeck in die Arbeitsprozesse einführen. Ziel der aktuellen Testphase ist auch, Möglichkeiten des Einsatzes in anderen Unternehmensbereichen auszuloten: Die Produktionsplaner bei Audi haben bereits ganze Bandabschnitte im System virtuell dargestellt, um künftige Abläufe zu visualisieren. Auch mit anderen Marken des Volkswagen-Konzerns steht die Abteilung im Austausch.

Weitere, bereits bestehende Anwendungsgebiete von Virtual Reality-Technologien bei Audi sind beispielsweise ein virtuelles Training für Mitarbeiter in der Verpackungslogistik und die Audi VR experience für die Kundenberatung. Mit dieser können Interessierte ihren Traumwagen virtuell konfigurieren und alle Ausstattungsoptionen realitätsgetreu erleben. 

Audi

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