Kann das wasserstoffgetriebene Fahrzeug dem Elektrofahrzeug doch noch den Rang ablaufen? (Bild:

Kann das wasserstoffgetriebene Fahrzeug dem Elektrofahrzeug doch noch den Rang ablaufen? (Bild: Beboy - Fotolia.com).

von Dietmar Poll
LANDSBERG (ks). Ob Elektroautos je eine Zukunft hätten, galt lange als fraglich. Zumal enorme Kosten und kurze Reichweite der Fahrzeuge, immense Investitionen in Infrastruktur oder ob seltene Erden in den notwendigen Mengen verfügbar werden könnten – all das stand dem gegenüber.
Mit dem vermeintlich technischen Durchbruch beim Handling von Wasserstoff ist ein weiterer ‚Gegner‘ der Elektromobilität in den Ring gestiegen. Denn mit der von der Oxford University kommenden Technologie könne man mit Wasserstoff so umgehen wie mit Benzin – und zwar mit lediglich minimalen Umrüstungen. Tiefe Temperaturen seien nicht nötig, Transportprobleme ausgeräumt.
Bei dem neuen Verfahren könne Wasserstoff ohne Druck bei normaler Umgebungstemperatur gespeichert werden. Die derzeitige Speicherung von Wasserstoff hingegen erfordert entweder Hochdruckzylinder auf bis zu 700 mal Atmosphärendruck oder Super-Kühlung zu einer Flüssigkeit bei -253 °C. Um diesen hohen Aufwand zu umgehen, haben Wissenschaftler vom Rutherford Appleton Laboratory, dem University College London und der Oxford University einen Weg gefunden, Wasserstoff dicht in kleine Perlen zu packen. Diese wiederum sollen wie normale Flüssigkeiten getankt werden können.
Professor Stephen Bennington vom Rutherford Appleton Laboratory in Oxford und London Centre for Nanotechnology am University College in London und sein Team entwickelten eine Art Befestigung des Wasserstoffs zu nanoskaligen Polymerfasern. In dieser Form sind die Hybride sicherer, haben eine längere Lebensdauer und der Wasserstoff wird fast augenblicklich beim Erhitzen freigesetzt. „Wasserstoff ist der perfekte Kraftstoff. Er hat drei mal so viel Energie wie Benzin pro Gewichtseinheit und wenn er verbrennt, produziert er ausschließlich Wasser“, weiß Bennington.
Zur Betankung sieht er folgende Möglichkeit: „Die Idee ist, dass der Tankstutzen zwei Düsen hat. Beim Betanken saugt eine Düse die frischen Polymerkügelchen mit Wasserstoff. Die andere Düse saugt die gebrauchten Stoffe zum Recycling. Das ist unsere Vision.“
Dies bedeutet, dass es primär gar nicht um die Speicherung des Wasserstoffs im Tank geht, sondern dass der Wasserstoff verdichtet in Mikrostrukturen gespeichert wird und solcherart einen künstlichen Treibstoff ergibt, der ähnlich wie Benzin getankt werden kann.
So ließe sich Energie in der Wüste produzieren, wie auch (schon raffiniertes) Benzin durch die Welt verteilen und problemlos in Ottomotoren als Benzinersatz einsetzen. Es geht so weit, dass man sogar bestehende Autos umrüsten könnte, gäbe es jetzt schon die Wasserstoff-Zapfsäulen – die genau so funktionieren werden wie mit Benzin – an den Tankstellen.
Stephen Volker von Cellar Energy, der die Technologie mitentwickelt: „Wir haben die Mikroperlen entwickelt, die in einem bestehenden Gas- oder Benzinfahrzeug genutzt werden können, um somit die ölbasierten Kraftstoffe zu ersetzen.“ Ersten Erkenntnissen zufolge könnten die Mikro-Perlen in bestehenden Fahrzeugen ohne Modifikationen eingesetzt werden. Die Materialien aus Wasserstoffbasis produzieren beim Gebrauch kein CO2 – ähnlich wie bei Elektrofahrzeugen.
Und das Ziel, eine Million Elektroautos bis 2020 in Deutschland zu haben? Einfach umschreiben. Wie bei Autogas und Benzin können die Autobauer als Übergangslösung in den nächsten Jahren Bi-Fuel-Autos herstellen. Die Serienfertigung solcher dürfte schon 2014 möglich sein. Das neue Ziel könnte zehn Millionen Bi-Fuel-Autos bis 2020 in Deutschland lauten. Solche wären auch vom Normalverbraucher zu bezahlen, was so schnell von Batteriefahrzeugen nicht zu behaupten ist.
Letztlich geht es um Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit. Zudem gibt es kein Problem mit der Internationalisierung. Der neue Kraftstoff könnte nahtlos und überall eingeführt werden.

Produktion Nr. 31-32, 2011