Befüllung eines Windkraftgetriebes mit Bioschmierstoff (Bild: FNR/Hardy Müller).

Befüllung eines Windkraftgetriebes mit Bioschmierstoff (Bild: FNR/Hardy Müller).

Mit dem am 1. September gestarteten Forschungsverbund WinLub II sollen Bioschmierstoffe für den Einsatz in Offshore-Windenergieanlagen weiterentwickelt werden.

Landsberg (gk). Mehr als 6 % des jährlichen Strombedarfs werden über Windenergieanlagen gewonnen, von denen rund 22 000 in den deutschen Himmel ragen. Im Rahmen der Energiewende soll dieser Anteil weiter ausgebaut werden. Daher hat die Branche begonnen, die großen Windpotenziale im Offshore-Bereich zu erschließen.
Für die Schmierstoffe, die auch in Windenergieanlagen (WEA) für einen reibungslosen Betrieb zwingend benötigt werden, bedeutet Offshore eine nochmalige Steigerung an die technischen Anforderungen und an die Handhabbarkeit. Diesen Herausforderungen stellt sich der Forschungsverbund WinLub II, der seine Arbeit im September vergangenen Jahres aufgenommen hat. Acht Partner aus Forschung und Industrie wollen biogene Schmierstoffe für den Einsatzbereich Offshore weiter entwickeln.
WinLub II baut auf den Ergebnissen und Erfahrungen einer ersten Förderphase aus dem Zeitraum 2004 bis 2008 auf. Damals konnte laut der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. gezeigt werden, dass sich biobasierte Schmierstoffe durch ihre besonderen technischen Eigenschaften „sehr gut für den Einsatz in WEA eignen“. So besäßen Bioschmierstoffe von Natur aus ein höheres Schmiervermögen als vergleichbare mineralölbasierte Produkte. Sie beeinflussten den Anlagenbetrieb in vielerlei Hinsicht positiv und zeichneten sich durch eine gute Handhabbarkeit und eine bessere Filtrierbarkeit aus.
Koordiniert wird der WinLub-II-Verbund durch die Fuchs Europe Schmierstoffe GmbH. Bei dem Unternehmen und seiner Schwesterfirma Fuchs Lubritech findet auch die Schmierstoffentwicklung statt. Erste Tests der Bioschmierstoffe auf Laborprüfständen sowie Untersuchungen zu ihrer Additivierung führt das Institut für Maschinenelemente (IME) der RWTH Aachen durch.
Mit der Wälzlager- und Zentralschmierung sowie der Verträglichkeit der verschiedenen Lagerkomponenten mit den biobasierten Schmierfetten beschäftigen sich die SKF GmbH und die Rothe Erde GmbH, beides Hersteller von Lagern aller Größenordnungen und Variationen für WEA. Beim Großgetriebehersteller Bosch-Rexroth AG stehen dagegen die biobasierten Getriebeöle, deren Analyse und ihr spezielles Tieftemperatur-Verhalten in den WEA-Getrieben im Vordergrund.
Ein Ansatz, der in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen hat, ist das Condition-Monitoring, also die Online-Überwachung aller wesentlichen Parameter während des laufenden Betriebs. Auf die Überwachung von Schmierstoffen hat sich beispielsweise die Firma Hydac International GmbH spezialisiert. Sie wird im Rahmen des Verbunds die entsprechenden Condition-Monitoring-Systeme für den Einsatz in WEA weiterentwickeln.
Die Praxisnähe des Forschungsverbunds wird durch die Einbindung der Firma Nordex Energy GmbH gewährleistet. Nordex Energy wird groß angelegte Feldversuche auf ihren WEA mit den entwickelten und auf den Laborprüfständen getesteten Bioschmierstoffen durchführen.
Laut FNR sind Bioschmierstoffe unter Umweltschutz-Gesichtspunkten nicht zuletzt aufgrund ihrer schnellen biologischen Abbaubarkeit und ihrer geringeren Toxizität gerade im Offshore-Bereich potenziell sehr interessant. Um dieses Potenzial in Zahlen zu fassen, führt das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) begleitende Untersuchungen durch und berät die Verbundpartner bei der Produktentwicklung.
Der Forschungsverbund WinLub II will dazu beitragen, die Vorbehalte gegenüber dem Einsatz von Bioschmierstoffen gerade auch für Offshore-WEA abzubauen und Anlagenherstellern überprüfbare Daten an die Hand zu geben, so dass diese Nutzungsfreigaben für Bioschmierstoffe erteilen können.
Ansprechpartner und Vorhabensbeschreibungen der acht Teilvorhaben stehen auf www.fnr.de im Menü Projekte & Förderung – Projekte bereit.