Collage mit Lkw, Bagger, Hubschrauber und Panzer

Sensorik, Kameras, Software werden zum Gamechanger in der Mobilitybranche. - Bild: Getty Images

Herr Baumann, wie schätzen Sie die Mobility-Branche – speziell bei den optischen Sensoren – grundsätzlich ein?

Grundsätzlich? Hervorragend! (lacht). Während z. B. Kameras in Fahrzeugen früher dem Premium-Segment vorbehalten waren, sind heute bereits 1-3 Kameras in einem gewöhnlichen KFZ verbaut. Die Prognosen für das Jahr 2025 liegen bei ca. 7-10 Kameras pro Fahrzeug im Automobilbereich! Ich sehe aber auch, dass die spezialisierteren Entwickler und Anbieter – z. B. im Bereich Transport, Spezialfahrzeuge, aber auch Aerospace – dadurch in eine schwierige Situation geraten.

"Schwierige Situation", wie genau meinen Sie das?

Schauen Sie, die großen Anbieter im Massenmarkt Automobil haben die Kapazität und die Ressourcen, um sich mit individuellen Ideen im Wettbewerb zu positionieren und auch mögliche Fehlinvestitionen zu riskieren. Ingenieure und Konstrukteure aus Segmenten mit geringeren Volumina können da oft nur schwer mithalten und müssen kreativer sein. Die Herausforderungen treffen sie gleich dreifach: Zum einen sind da die deutlich extremeren Anforderungen an die Komponenten – nehmen Sie alleine das Belastungs- und Temperaturprofil – und zum anderen ist da der Innovationsdruck bei gleichzeitiger Explosion der Entwicklungskosten. Und drittens sind die künftigen Detailanforderungen der Gesetzgeber häufig nur vage absehbar, müssen aber konzeptionell bereits in die Entwicklung einfließen. Keine leichte Aufgabe.

Ist die digitale Mobilität also eine Bedrohung für spezialisiertere Hersteller?

Nein, es besteht kein Grund zu Pessimismus. Natürlich wird es Marktbereinigungen geben, doch für wendige Hersteller ergibt sich eine ganze Reihe großartiger Möglichkeiten. Auch der Sensorik-Markt – besonders im Bereich Kamerasysteme – reagiert natürlich auf diese Herausforderungen. Einige Sensorik-Anbieter haben verstanden und entwickeln digitale Komponenten und Systeme, die in Sachen Robustheit, Zukunftsfähigkeit, aber auch Flexibilität deutlich mehr Möglichkeiten für jene Branchen eröffnen. Aber eines ist auch ganz klar: Um sich auf die steigende Komplexität einzulassen, bedarf es heute einer ganzheitlichen Denke. Software, Sensor Fusion, Kollaboration – um nur einige Stichworte zu nennen. Mehr denn je bewahrheitet sich in der Praxis: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile. Oder, wie man in diesem Fall auch sagen könnte, "seiner Komponenten" (schmunzelt).

Zur Person

Rainer Baumann ist Produktmanager bei der First Sensor AG und verantwortlich für den Bereich Kameras und Kamerasysteme. Er hat einen Abschluss in Luft- und Raumfahrttechnik der Universität Stuttgart und sammelte vielfältige Berufserfahrung in den Bereichen Sensor- und Systementwicklung an der TU Dresden und bei Startup-Unternehmen. - Bild: First Sensor

Stichwort "Komponenten". Das "Next-Big-Thing" aus Ihrem Hause ist ja eine neue CMOS-Kamerageneration...

Unsere Blue Next, ja. Die große "dritte Generation".

Ist das genauso eine Reaktion auf die beschriebenen Anforderungen und Möglichkeiten des Marktes?

Zu 100 Prozent. Auf die Blue Next bin ich als Ingenieur auch persönlich sehr stolz, da steckt sehr, sehr viel Erfahrung und Herzblut drin. Sie ist die Antwort auf unsere Ausgangsfrage:

"Wie können wir etwas Großartiges schaffen, das die Hightech-Innovationen der statischen Großserienfertigung mit der Flexibilität der kostenintensiven Spezialanfertigung vereint."

Herausgekommen ist eine ultrarobuste Digitalkamera mit Highend-Features, die sonst nur aus der Großserie bekannt sind. Zudem ist sie extrem modular, schnittstellenflexibel und energiesparend geworden. Das perfekte Design für neue und kreative Anwendungen.

Welche Features aus der "Großserie" meinen Sie genau?

Da ist zum Beispiel das Verfahren des 6-Axis-Alignment, also die ultrapräzise Positionierung der optischen Komponenten (Optik zu Imager) mit Livebildern. Das sorgt für eine extrem hohe Bildqualität auch in den Bildrandbereichen und garantiert die technische Reproduzierbarkeit über alle Produkte. Das erfordert aber auch eine spezielle Hochtechnologie in der Fertigung und ist gewöhnlich nur den großen Chargen vorbehalten. Mit der Blue Next gibt es diese Präzision und Bildqualität erstmalig auch in geringerer Stückzahl, das ist wirklich sehr besonders.

Übrigens, lassen Sie mich das kurz sagen, weil es ja auch ein sehr zentrales Thema vieler Unternehmen ist. Wir haben die komplette Entwicklung und Fertigung inhouse in Dresden behalten und das zahlt sich jetzt voll aus: kurze Reaktionszeiten, eine hohe Anpassungsfähigkeit und ein absolut konstantes Qualitätsniveau.

Weitere Informationen zu digitalen Kameralösungen für Mobilitäts- und Sicherheitsanwendungen gibt's unter https://www.first-sensor.com/de/produkte/blue-next-kameras/

Worauf sollten Einkäufer, Ingenieure und Konstrukteure Ihrer Meinung nach besonders achten?

Das ist tatsächlich sehr abhängig von der jeweiligen Branche und der Applikation, aber allgemein kann man schon sagen, dass die Bildqualität –wohlgemerkt nicht die reine Auflösung – ein ganz zentrales Erfolgskriterium für die Zukunftsfähigkeit geworden ist. Objekterkennung, Sensor Fusion, HDR, all das kann nur optimal funktionieren, wenn die Ausgangsdaten perfekt sind. Ein weiteres wichtiges Thema, das ich vorhin schon erwähnt hatte: die Flexibilität in Bezug auf Konfiguration, Schnittstellen und Anbieter. Kann das System auch neue Trends und Entwicklungen mitgehen, ist der Hersteller in der Lage extrem schnell zu reagieren. Das bringt mich schon zum nächsten Punkt. Natürlich bin ich da nicht in einer völlig neutralen Position, aber zu dieser Philosophie stehen wir aus gutem Grund: Achten Sie besonders auf die automobile Qualifikation von Komponente und Partner. Am besten sogar nach dem Qualitätsmanagementsystem der International Automotive Task Force (IATF) 16949. Das gibt Sicherheit und erspart unangenehme Folgekosten.

Überhaupt begegnet man in der Praxis immer wieder bestimmten Mustern, die einem Erfolg entgegenwirken. Insbesondere bei Einkauf und Zusammenstellung von Kamera- und Systemkomponenten werden Fehler gemacht, die sich später rächen und dabei einfach zu vermeiden wären.

An dieser Stelle möchte ich gerne auf unser Whitepaper verweisen, in dem wir genau diese Problematik analysiert haben und vertiefende Informationen und Tipps geben. Aktuell gibt es das Whitepaper aber leider nur auf Englisch.