Robert 'Buzz' Kross, Vice President bei Autodesk und Automotive-Experte. Bild: Autodesk

Robert 'Buzz' Kross, Vice President bei Autodesk und Automotive-Experte. Bild: Autodesk

Von Stefan Girschner

MÜNCHEN (ilk). Herr Kross, Sie sprachen in Ihrer Automotive Days-Keynote von aktuell vielen Veränderungen in der Welt. Warum ist Ihrer Meinung nach besonders die Automobilindustrie betroffen?
Die Hersteller müssen in den nächsten Jahren die Antriebssysteme der Autos verändern, also unter anderem auf Elektroantrieb setzen, die Leichtbauweise einführen und die Entwicklung an die modernen Technologien anpassen, wie Cloud Computing, Mobilität oder Real-Time-Simulation. In diesem Zusammenhang haben wir übrigens neue Lösungen für Simulation in der Cloud angekündigt, die die Anforderungen der Automobilhersteller erfüllt. Ebenfalls erscheint in wenigen Wochen eine Tablet-Applikation für konzeptionelle Designprozesse.

Welche Strategien verfolgt Autodesk derzeit im PLM-Bereich?
Wir haben erkannt, dass unsere Kunden PLM-Lösungen als ein komplettes Modell benötigen. Daher wollen wir diesen Markt künftig bedienen. Hierfür haben wir eine eigene Autodesk-Software entwickelt, die wir Ende November präsentieren werden. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich leider noch keine Details verraten.

Wie wollen Sie für ihre Lösungen neue Kunden gewinnen und zugleich den Marktanteil erhöhen?
Wir haben festgestellt, dass die aktuell verfügbaren PLM-Systeme immer noch viele Mängel aufzeigen. Es besteht nach wie vor eine große Nachfrage nach geeigneten Lösungen für die verschiedenen Anforderungen. Wir wollen unseren Marktanteil sowohl bei den Großunternehmen als auch mittelständischen Firmen erhöhen.

Ist es nicht so, dass die meisten größeren Unternehmen und Konzerne bereits PLM-Systeme im Einsatz haben?
Es stimmt, dass die meisten Großunternehmen bereits PLM-Systeme besitzen. Aber sie haben die Systeme häufig nicht vollständig ausgerollt. Es wird einige Zeit brauchen, aber dann werden viele von ihnen auch bereit sein, die vorhandenen Lösungen gegen neue auszutauschen. Im Durchschnitt ist ein PLM-System immerhin zehn Jahre im Einsatz, bevor es ersetzt wird.

Sehen Sie regionale Unterschiede bei den aktuellen Herausforderungen, denen die weltweite Automobilindustrie gegenübersteht?
Ich glaube schon, dass die Automobilhersteller unsere Lösungen, zum Beispiel für konzeptionelles Design, auf unterschiedliche Weise verwenden. Allerdings sind die Prozesse der Unternehmen, egal ob in den USA, Europa, Japan, Korea oder China, alle sehr ähnlich. Ich denke, der größte Unterschied bei den Anforderungen an die Lösungen liegt nicht in der geografischen Herkunft, sondern in der Größe des jeweiligen Unternehmens. Schauen Sie beispielsweise Aston Martin an: Deren Prozesse sind ganz andere wie die bei Ford oder BMW. Ein anderes Beispiel wäre Tesla, die eine andere Strategie verfolgen. Entscheidend ist nicht der Standort des Unternehmens, sondern seine Größe.

In welchen Regionen der Automobilindustrie entstehen Ihrer Meinung nach die meisten Innovationen?
Die japanische Automobilindustrie ist führend bei Innovationen im Produktionsprozess, wie der „Lean Manufacturing Process“ bei Toyota zeigt. Die italienische Automobilindustrie ist hingegen besonders innovativ im Bereich Design. Die deutschen Autobauer sind sehr erfolgreich, weil sie in allen Bereichen sehr innovativ sind. Aber auch beim Thema Innovationen glaube ich, dass es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede in der Branche weltweit gibt.

Wie schätzen Sie die Entwicklungen in der Elektro-Mobilität ein, und welche Rolle werden künftig Elektroautos auf dem Markt spielen?
Ich glaube, das Hybrid-Modell ist eher eine Verlegenheitslösung. Generell reicht die Batteriekapazität noch nicht aus. Wir benötigen außerdem die Möglichkeit, die Batterien schnell wieder aufzuladen. Zukünftig werden wir definitiv andere Antriebsarten für die Autos sehen. Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, den „Chrysler Volt“ zu testen. Das E-Car ist ein wirklich kleines Auto, aber zum Preis eines 3er BMW. Das ist wohl die größte Herausforderung für die Automobilindustrie, bezahlbare Elektroautos auf den Markt zu bringen.