Frugale Produktionssysteme Fraunhofer IPA

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist vor allem im High- End-Bereich vertreten. Der Prozess unterstützt dabei, mit frugalen Produktionssystemen auch im mittleren Marktsegment Fuß zu fassen. Bild: Fraunhofer IPA/Rainer Bez

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist vor allem für seine High-End-Produkte bekannt. Im mittleren Marktsegment, das in den letzten Jahren stark gewachsen ist, sind die Hersteller oft nur wenig vertreten. Hier sind frugale Produktionssysteme beliebter denn je. Vielen deutschen Unternehmen fehlt jedoch eine Strategie, ihre Geschäftsmodelle um bedarfsgerechte Maschinen zu erweitern, berichtet das Fraunhofer IPA. Mit ‚ProFrugal’ hat das Fraunhofer IPA einen fünfstufigen Prozess entwickelt, mit dem die Hersteller frugale Produktionssysteme einführen und umsetzen können.

Deutsche Hersteller investieren in Industrie-4.0-Technologien und entwickeln innovative Produkte. „Diese sind zwar qualitativ hochwertig und mit zahlreichen Zusatzfunktionen ausgestattet, aber auch entsprechend teuer“, sagt Uwe Schleinkofer, Wissenschaftler am Fraunhofer IPA. Das mittlere Marktsegment, in dem vorrangig Schwellen- und Entwicklungsländer vertreten sind, sind andere Maschinen- und Lösungen gefragt.

Das Schlüsselwort heißt ‚frugal’. In Bezug auf Produktionssysteme bedeute das schlicht, robust und kostengünstig, vor allem aber auf die individuellen Bedürfnisse des Nutzers zugeschnitten, so Schleinkofer. Auf Anbieterseite haben asiatische Hersteller im mittleren Marktsegment die Nase vorn. Diese konzentrierten sich seither zwar eher auf ‚Billigmaschinen‘, steigern nun aber allmählich ihre Qualität, verbessern ihre Serviceleistungen und werden zu immer stärkeren Wettbewerbern, so das IPA.

Damit deutsche Hersteller ihre Wettbewerbsposition halten und sich zukunftsorientiert absichern können, ist es entscheidend, hier rechtzeitig einzusteigen. „Die Auslandsmärkte sind enorm wichtig, da sie allen Prognosen zufolge künftig weitaus höhere Wachstumsraten als Europa aufweisen“, berichtet Schleinkofer. Unternehmen sollen demnach ihr Angebot neben dem High-End-Bereich um das der frugalen Maschinen für das mittlere Marktsegment erweitern. „Frugale Produktionssysteme umzusetzen, bedarf allerdings einer sorgfältig ausgearbeiteten Strategie. Die gesamte Unternehmensstruktur müsse einbezogen und auf die lokalen Bedürfnisse des definierten Marktsegments abgestimmt werden“, sagt Schleinkofer weiter.

Der Prozess ‚ProFrugal’ begleitet die Unternehmen, neue Geschäftsmodelle für das mittlere Marktsegment zu erschließen. Er umfasst die Punkte Identifikation (I), Verankerung (II), Umsetzung (III), Roadmap (IV) und Roll-out (V.) Bei allen Schritten stehen die IPA-Wissenschaftler ihren Partnern beratend zur Seite, etwa bei der strategischen Entwicklung des Geschäftsmodells, Markt- und Anforderungsanalysen, der systematischen Produktentwicklung, der fertigungstechnischen Infrastruktur und dem Vermarktungskonzept.

Der fünfstufige Prozess der IPA-Wissenschaftler eignet sich für jede Art von Unternehmen, ganz besonders aber für KMU. „Mittelständische Unternehmen verfügen meist nicht über alle erforderlichen Kompetenzen, um selbst eine passende Strategie zu erarbeiten“, sagt IPA-Forscher Schleinkofer. „Im Rahmen des Prozesses erhalten sie dort Unterstützung, wo sie selbst nicht weiterwissen“. Im Bereich der frugalen Produktionssysteme zähle das IPA deutschlandweit zu den Vorreitern. Als eine der ersten Organisationen unterstütze man Unternehmen, frugale Produktionssysteme auf den Markt zu bringen.