München. Mehr als 120 Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft erhielten beim Kooperationsforum „Energieeffizienz in Produktionsprozessen“ einen umfassenden Überblick zu Energie-Einsparmethoden. Veranstaltet wurde das Forum vom Cluster Energietechnik der Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer des Freistaats Bayern „Bayern Innovativ“ in München. Die Teilnehmer stammten aber aus dem gesamten Bundesgebiet sowie Österreich, der Schweiz, Mexiko und Russland.

Dass der effiziente Umgang mit Energie in der Industrie Innovation erfordert, wurde nicht erst beim Vortrag von Andreas Reiser deutlich. Der Innovator und Senior Consultant der Beratungsagentur Systematic Inventive Thinking (SIT) beschrieb den eher unkonventionellen Weg hin zur Energie-Effizienz im industriellen Produktionsprozess. Es gehe darum „mentale Fixierungen zu brechen“, erklärte Reiser die Methoden von SIT. Die SIT-Berater führen jährlich rund 300 Innovationsprojekte weltweit durch. Am Beispiel eines industriellen Produktionsprozesses aus der Chemie-Branche veranschaulichte Innovator Reiser vor erstaunten Blicken, wie mit Hilfe der SIT-Methoden der Produktionsprozess ganz neu gestaltet und schlussendlich vier Prozessschritte durch drei ersetzt werden und dabei 15 Mio Euro gespart werden konnten (ausführlichere Informationen unter www.sit-deutschland.com). Zu erfolgreichen Projekten der Beratung gehört die Entwicklung eines schnellen Turbinenwechsels für Siemens. Dabei konnte der Turbinenwechsel von 7 bis 10 Tagen auf 24 Stunden reduziert werden. Beim Automobilbauer BMW wurden die Prozesse im 3D-Karosseriebau vereinfacht und die Maschinenkosten reduziert, erläuterte Reiser.

Innovationen sind aber nicht der einzige Weg zum energieeffizienten Produktionsprozess. Dr. Hans-Hubert Hildenbrand, Business Unit Engineering, der InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG erläuterte sehr anschaulich die Grundlagen eines Energieaudits, die Methodik zur Ermittlung von Einsparpotenzialen sowie deren Realisierung. InfraServ Gendorf (ISG) betreibt den Industriepark Werk Gendorf in Burgkirchen, 100 Kilometer östlich von München. ISG versorgt die Produktionsgesellschaften im Werk mit den erforderlichen Medien und Dienstleistungen. Bisher wurden laut Hildenbrand rund 65 Anlagen und Standorte weltweit auf ihren Energie- und Ressourcenverbrauch analysiert. Aus diesen Erfahrungen heraus, konnte Hildenbrand in München berichten, dass die Einsparpotenziale durch technische Optimierungen zwischen 7 % und 12 % liegen, bezogen auf die jährlichen Energiekosten. Als „Klassiker“ bei Einsparpotenzialen nannte er Gebäudeheizung, Warmwassererzeugung, den elektrischen Verbrauch für Licht und Antriebe, Raumklimatisierung, Gebäudeisolation und industrielle Prozesswärme.

Weitere Einsparpotenziale sieht Hildenbrand bei Druckluft, technischen Gasen, industriellen Kälteanlagen, Dampf, Heißöl, Wärmeträgern, verfahrenstechnischen Prozessen, Automatisierung, Regelungen und nicht zuletzt Betriebsweise- und -philosophien. Besonders eindrucksvoll schilderte Hildenbrand unter dem Punkt Realisierung der Energieeinsparpotenziale, dass Maßnahmen wie das Effizienz-Training für Mitarbeiter sofort wirksam werden und sich in Geld umwandeln. Anhand von industriellen Anwendungsbeispielen durften die Experten in München erfahren, wie innovatives Engineering für energieeffiziente Prozesse mit Hilfe von Luftzerlegungsanlagen funktioniert. „Wir klauen den Göttern das Feuer und bringen es als Wärme zurück“, beschrieb Dr. Jochen Volkert sein energieeffizientes Produkt – Porenbrenner. Auch Antriebe von Siemens wurden in München vorgestellt mit dem Hinweis auf die ab 16. Juni 2011 geltende IEC-Norm für elektrische Antriebe. Genauer unter der Energie-Effizienz-Lupe standen beim Kooperationsforum zudem die Themen Infrarot-Technolgie, Druckluft und die energieeffiziente Halbleiterfertigung.