Maximilian Brandl ist jetzt am Ruder bei Eplan. Bild: Eplan

Maximilian Brandl ist jetzt am Ruder bei Eplan. Bild: Eplan

Herr Brandl, mit welchen Zielsetzungen gehen Sie als neuer Geschäftsführer bei Eplan an den Start?

Das wichtigste Thema unserer Kunden ist die Effizienzsteigerung im Engineering-Prozess. Mein Ziel ist es, dafür die weitere Standardisierung und Automatisierung über das Eplan Engineering Center voran zu treiben. Ein zweites, entscheidendes Thema ist der Ausbau unserer Marktposition im internationalen Markt. Eplan ist hervorragend aufgestellt und heute schon in 50 Ländern der Welt vertreten. Was unsere Marktanteile angeht, so sehe ich in Ländern wie China, USA, Russland, Indien oder Brasilien Wachstumspotenziale. Auch die IT-Integration unserer Lösungen steht als drittes wichtiges Thema auf meiner Agenda; konkret die Weiterentwicklung von Schnittstellen in Richtung der ERP- und PLM-Welten.

Wie beratungsintensiv ist Ihr Geschäft eigentlich in den letzten Jahren geworden?

Hier ist ein deutlicher Wandel zu verzeichnen. Früher stand die einzelne CAx-Lösung im Zentrum – heute ist es der Prozess. Unsere Kunden interessiert, wie man im optimalen Zusammenspiel der Systeme einen effizienten Produktentstehungsprozess ausrichtet. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Automatisierungstechnik, Mechanik und Steuerungen ist zunehmend im Fokus. Unsere Beratungsleistung wird demnach erheblich stärker gefordert und sie zielt insbesondere darauf ab, wie der Prozess funktioniert.

 

Merken Sie im Vertrieb oder in Kundengesprächen, dass ein Thema wie Product Lifecycle Management an Fahrt gewinnt?

Absolut – hier haben wir deutlich höhere Wachstumsquoten als in anderen Segmenten. Die Kosten in der Produktentstehung zu senken – dieses Ziel haben viele unserer Kunden. Nun ist PLM ja ein Schlagwort, das in seiner Definition durchaus unterschiedliche Ausprägungen hat. Sieht man PLM als durchaus übergeordneten Begriff für das gesamte Product Lifecycle Management, so geht es hier immer um ein Konzept, das Engineering-Themen, Produktionsthemen und Servicethemen gleichermaßen mit einschließt.

Product Lifecycle Management bietet – richtig angefasst – enorme Potenziale, kann aber – falsch angefasst – der Wertschöpfung im Wege stehen. Wie gehen Sie mit dem Thema um?

Wenn man PLM im Engineering richtig umsetzen will, muss man für Vorarbeiten, zum Beispiel Standardisierung oder Datenharmonisierung, erheblichen Aufwand treiben. Erst dann kann man die Früchte ernten. Konsequenz ist hier entscheidend, und zwar von Anfang bis Ende. Eine solide Ist-Analyse mit allen Beteiligten ist zunächst die Basis. Danach legen wir mit unseren Kunden die Handlungsfelder fest und entwickeln die passende Lösung, zugeschnitten auf die Bedürfnisse des Unternehmens. Das geht Schritt für Schritt in einem modularen Prozess. Sauber analysieren ist unsere Maxime und – nach oft schwierigen internen Entscheidungen, beispielsweise der Produktplattform – sukzessive, aber eben konsequent umsetzen. Der Kontraeffekt in Richtung Wertschöpfung ergibt sich aus meiner Sicht dann, wenn man zu wenig analysiert, nicht klar entscheidet oder etwa nicht konsequent umsetzt.

Welche aktuellen Trends erkennen Sie momentan im Engineering?

Das Thema PLM wird sicherlich viele Firmen und uns als Anbieter in den nächsten Jahren beschäftigen. Was das klassische Engineering angeht, so ist aus meiner Sicht das bereits erwähnte ‚baukastenorientierte‘, funktional übergreifende Engineering auf dem Vormarsch. Es geht hier im Wesentlichen um einen Methodenwechsel. Maschinen und Anlagen werden in kleinere Einheiten zerlegt, als mechatronische parametrierbare Module in einem Baukasten hinterlegt und dann individuell neu konfiguriert. Die Methode ist besonders für den Sondermaschinenbau und die Einzelfertigung hoch interessant, da damit insgesamt ein höherer Grad an Standardisierung erreicht wird.

Vita: Maximilian Brandl

Maximilian Brandl studierte Physik in München und erwarb 1993 den MBA an der IESE in Barcelona. 2002 verließ er die Boston Consulting Group und wechselte zu SAP Deutschland. Hier war er zuletzt in der Geschäftsleitung für die Branchen Maschinenbau und Automotive.