Maschinenbauer nehmen wieder Geld für ERP-Systeme in die Hand. Bild: Gina Sanders / Fotolia

Maschinenbauer nehmen wieder Geld für ERP-Systeme in die Hand. Bild: Gina Sanders / Fotolia

von Claudia Benesch

AACHEN (ilk). Die in der Branche herrschende Aufbruchsstimmung weckt in den Unternehmen die Forderung nach besserer Prozessunterstützung und mehr Flexibilität in der zentralen Unternehmens-IT und stellt auch die finanziellen Mittel dazu zur Verfügung. Gleichzeitig kann und will es sich niemand leisten, das operative Geschäft ausgerechnet jetzt durch mögliche Probleme bei einer Umstellung der Systeme auszubremsen. Um außerdem dringend gebrauchtes, fachlich hochqualifiziertes Personal nicht über Gebühr durch ein ERP-Projekt zu belasten, müssen die Entscheider und Projektverantwortlichen einen Weg finden, effizient und vor allen Dingen sicher zu einer optimalen Lösung aus ERP-System und Software-Partner zu gelangen.
Dies ist keine leichte Aufgabe, denn der Anbietermarkt für den Maschinen- und Anlagenbau hat sich entgegen den Prognosen vieler Experten nicht konsolidiert. Vielmehr zeigen aktuelle Untersuchungen, dass die Zahl der Lösungen und Anbieter weiter zugenommen hat. Im kürzlich erschienenen „Aachener Marktspiegel Business Software ERP/PPS 2011/2012“ finden sich z.B. mehr als 470 ERP-Lösungen für die fertigende Industrie, von denen sich 324 der Zielbranche Maschinen- und Anlagenbau zuordnen.
Der Maschinen- und Anlagenbau stellt an ERP/PPS-Systeme recht anspruchsvolle Anforderungen, die nicht zuletzt aus der Komplexität der Kunden-Projekte resultieren. So ist die Struktur der zu liefernden Anlage in frühen Projektphasen meist noch nicht vollständig bekannt. Gleichzeitig sind alle Unternehmensbereiche, das Zuliefernetzwerk sowie der Kunde über die gesamte Laufzeit der Projekte einzubinden. Daraus resultieren Forderungen nach der Unterstützung der Arbeit mit „wachsenden Stücklisten“, dem bereichsübergreifenden Informationsaustausch über Änderungen am Produkt, die Verwaltung von Unteraufträgen unter besonderer Berücksichtigung von „Langläufer-Teilen“ sowie der Abbildung z.B. von Kundenbeistellungen.
Die ausgewiesenen „Spezialisten“ (z.B. ams mit ams.erp oder schrempp edv mit SIVAS) machen sich die sehr hohen Anforderungen der Branche zunutze: Sie bieten vergleichsweise schlanke Lösungen an, die genau auf die funktionalen Bedürfnisse der Branche zugeschnitten sind. So können sie Mittelstandseignung und Praktikabilität bei ausgereifter Funktionalität anbieten. Die großen Hersteller (insb. SAP und Microsoft) gehen mit ihren auf einen branchenübergreifenden Markt ausgerichteten Produkten zwangsläufig einen anderen Weg. Hier wird die erforderliche Kompetenz für die branchengerechte Konfiguration (SAP ERP) bzw. Ergänzungsprogrammierung (Dynamics AX/NAV) von spezialisierten Vertriebspartnern und Systemhäusern (bspw. Itelligence, ai Informatics, All for One, Steeb für SAP ERP, Amball Business-Software, MODUS Consult, KUMAvision, Tectura für Microsoft Dynamics AX bzw. NAV) eingebracht. Die Hersteller stehen hier nicht selten für die von Anwenderunternehmen gesuchte Sicherheit und Zukunftsfähigkeit der Lösung während der Vertriebspartner für die erforderliche Branchen und Projektkompetenz sorgen soll. Zwischen diesen Ansätzen ordnen sich Anbieter ein, die ihre ERP-Standardlösung eher auf die fertigende Industrie ausgerichtet also weniger stark spezialisiert haben aber teilweise über erhebliche Erfahrung im Bereich des Maschinen- & Anlagenbaus verfügen (z.B. proAlpha, Abas, IFS).
Trotz der Maßgabe, dass Personalressourcen unter den derzeitigen Rahmenbedingungen geschont werden müssen, lohnt sich bei anstehenden ERP-Projekten vor dem Hintergrund der hohen Branchenanforderungen und der aktuellen Entwicklungen eine genaue Prüfung der am Markt verfügbaren ERP-Lösungen.