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Das "Design-Problem" bei den Chipsätzen der "Intel 6 Series" bzw. "Cougar Point" bzw. "Sandy Bridge" bringt Intels Performance-Plan durcheinander (Bild: Böhler).

Von Tino M. Böhler

Nachdem Intel Anfang der Woche einen Hardware-Fehler in allen Chipsätzen für die neue Prozessorgeneration “Sandy Bridge” eingeräumt hat, reagieren nun die Hersteller und Händler darauf. So wurde u.a. die Auslieferung von betroffenen Produkten gestoppt. Gemeint sind die ab 9. Januar 2011 ausgelieferten Chipsätze für die neuen Prozessoren der Baureihe Core i3-2000, Core i5-2000 und Core i7-2000. PC- und Notebook-Hersteller sowie Systemlieferanten wie beispielsweise Asus, Gigabyte, Toshiba und Samsung haben kostenlose Umtauschaktionen und Kaufpreiserstattungen angekündigt.

Laut dpa hat der weltgrößte Computer-Bauer Hewlett-Packard nach eigenen Angaben die Produktion von PCs mit den betroffenen Chips bereits unmittelbar nach Bekanntwerden des Fehlers eingestellt. Eine geplante HP-Produktpräsentation in San Francisco wurde abgesagt. Der Chiphersteller Intel, der jetzt alle ausgelieferten Sandy Bridge-Mutterplatinen zurückrufen und einstampfen muss, schätzt, dass der Fehler dem Unternehmen im laufenden Jahr rund 1 Mrd Dollar kosten dürfte.

Keinen Schaden davontragen wird auf alle Fälle die Beckhoff Automation GmbH (Verl), Spezialist für Automatisierungssysteme, wie uns Frank Metzner, Head of Marketing Communications, versichert: „Wir sind von der Panne nicht betroffen. Die Sandy Bridge-Chipsätze sind derzeit nicht in unseren Produkten integriert.“

Ähnlich äußerte sich auch Martin Müller, Leiter Marketing der Business Unit Automation Systems bei Phoenix Contact (Blomberg), Anbieter für Komponenten, Systeme und Lösungen im Bereich der Elektrotechnik, Elektronik und Automation: „Phoenix Contact ist nicht betroffen, diese Chips werden bei uns derzeit nicht verwendet. Andere Chips von Intel wie etwa CPUs für Industrie-PCs werden in unseren Produkten eingesetzt.“ Zur Intel-Panne allgemein meint Marketing-Mann Müller: „Rückrufaktionen dieser Dimension kratzen immer am Image des jeweiligen Herstellers.“ Man habe allerdings den Eindruck, dass Intel bei diesem Chip, der ja erst kürzlich in den Markt eingeführt wurde, umgehend und professionell reagiert habe. „Insofern sollte sich der Imageschaden in Grenzen halten“, so Müller weiter.

Bei der PCS Systemtechnik GmbH (München), Hersteller von Hard- und Software für das Erfassen von Zeitwirtschafts- und Betriebsdaten/MES, für Zutrittskontrolle, Biometrie und Videoüberwachung, gibt man sich ebenfalls gelassen, dazu Stephan Speth, Leiter Marketing und Neue Geschäftsfelder: „PCS ist nicht von diesem Chip-Problem betroffen, da unsere Industrie-PCs auf Intel-Atom- bzw. Intel Core 2 Duo basieren. Im Markt der professionellen Industrie-PCs ist es grundsätzlich nicht sinnvoll, immer sofort die neusten Hardware-Bauteile einzusetzen, sondern nur solche, die sich schon einige Zeit bewährt haben und auch langfristig verfügbar sind.“ Für Intel sei es ja nicht das erste Mal, dass sie mit diesem Problem kämpfen, so Speth. Der Image-Schaden vor einigen Jahren habe Intel nicht ernsthaft ins Wanken gebracht, dazu sei Intel viel zu stark im Markt, und AMD werde in vielen Fällen nicht als ernsthafte Alternative gesehen. „Und der finanzielle Schaden ist bei einem Netto-Gewinn von 11,7 Millarden Dollar im Geschäftsjahr 2010 zwar schmerzhaft, aber verkraftbar“, relativiert PCS-Marketier Speth den finanziellen Verlust für Intel.

Wenig beeindruckt zeigt sich auch der Siemens-Konzern: “Siemens nutzt für seine Industrie PCs erprobte und bewährte Prozessoren. Momentan haben wir keine IPCs auf dem Markt, welche von den Problemen (Sandy Bridge) betroffen sind”, erklärt Reiner Schoenrock von der Siemens-Presseabteilung.