OAKLAND (Dow Jones/rm). “In dem ganzen Geschäft geht es um Milliarden”, sagte Catz am Freitag im Gerichtssaal des Bundesbezirksgerichts für Nordkalifornien in Oakland. Oracle habe mehr als 17 Mrd USD in die Software investiert, um die es in dem Rechtsstreit gehe. “In unserem Geschäft ist das geistige Eigentum Milliarden wert”, so Catz.

Das Gerichtsverfahren zwischen SAP und Oracle hat am 1. November begonnen. Die inzwischen abgewickelte SAP-Dienstleistungstochter TomorrowNow, die Support für Software-Anwendungen von Oracle zu Billigpreisen angeboten hat, soll illegal Daten beim US-Wettbewerber heruntergeladen haben. Dagegen hatte Oracle 2007 geklagt. Anfang August hatte SAP den Vorwurf des Datendiebstahls als zutreffend bezeichnet. Um das Verfahren zu vereinfachen, bestreitet SAP auch nicht länger, dass der Mutterkonzern einen Beitrag zur Verletzung von Urheberrechten geleistet hat.

Am Berichtstag haben beide Konzerne die Zeugenbefragung abgeschlossen. Noch immer jede Spur fehlt derweil von Leo Apotheker, dem früheren SAP- und heutigen CEO des IT-Riesen Hewlett-Packard. Oracle hat verzweifelt versucht, Apotheker vorzuladen – ohne Erfolg. Die Abwesenheit des Managers hat in der Branche wilde Spekulationen um dessen Verbleib ausgelöst. Während einer Verhandlungspause sagte Oracle-Anwalt David Boies zu Reportern, Beweise, die Oracle vorgelegt habe, hätten gezeigt, dass Apotheker TomorrowNow zu der Zeit überwacht habe, als die Rechteverletzung stattgefunden habe.

Bei dem Gerichtsverfahren geht es darum festzustellen, wie viel das DAX-Unternehmen dem US-Wettbewerber an Schadensersatz zahlen muss. Beide Unternehmen sind sich darüber höchst uneins. Während Oracle rund 1,7 Mrd USD fordert, spricht SAP von rund 40 Mio USD.

Während eines Kreuzverhörs hatte Anwalt Greg Lanier von der Kanzlei Jones Day, die SAP vertritt, Catz um Beweise dafür gebeten, dass irgendjemand bei SAP jemals Software von Oracle benutzt habe. “Sie stellen das bloß so dar, oder?”, fragte Lanier. “Sie haben nicht einen Beweis, dass SAP die Software selbst benutzt hat.”

Einen Beweis, dass bestimmte SAP-Entwickler Software von Oracle geändert oder wiederverwendet haben, gebe es nicht, räumte Catz ein. Allerdings sei das geistige Eigentum von SAP-Verkaufsleuten im Zusammenhang mit TomorrowNow genutzt worden, fügte sie hinzu.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern hat das Gerichtsverfahren, das am Montag in die vierte Woche startet, keinen Einfluss auf das Alltagsgeschäft oder die Kunden beider Konzerne. Dennoch sieht Lazard-Capital-Analyst Joel Fishbein in dem Verfahren einen Warnschuss, dass Oracle alles Notwendige unternimmt, um ihr geistiges Eigentum zu schützen. “Sie werden weiter energisch klagen”, sagte er.