Andreas Hambrock, Senior Director Universal Cranes bei Terex Material Handling erläutert die

Andreas Hambrock, Senior Director Universal Cranes bei Terex Material Handling erläutert die Möglichkeiten des Diagnose-Systems Demag Status Control.

Unternehmen der verarbeitenden Industrie, die Predictive Maintenance nutzen wollen, müssen auf den Schutz personenbezogener Daten achten.

Demag Cranes hat bereits 40 seiner neuen Diagnose-Systeme zusammen mit neuen Kranen in Neuseeland laufen. „Wir haben die Kranaufträge gegen einen Marktbegleiter aufgrund der Tatsache gewonnen, dass wir die Lösung Demag Status Control haben“, erläutert Frank Witte, Senior Manager Product Management Parts bei Terex Material Handling.

„Der Kunde, der mehrere weit voneinander entfernt liegende Werke betreibt, hatte den Anspruch, für seine zentrale Instandhaltung ein Planungstool zu erhalten“, berichtet Witte. „Wir bieten dem Kunden nun eine Lösung, die ihm jederzeit Informationen über seine Krane liefert.“ Mit dieser Predictive-Maintenance-Lösung (PM) könne der Kunde der Vertretung in Neuseeland, Trimate, die Termine steuern und das richtige Personal an den einzelnen Standorten einteilen.

Eine Ampel-Systematik zeigt dem Anwender von Demag Status Control, wo Handlungsbedarf besteht

Demag Status Control liefert kontinuierlich alle aktuellen Betriebsdaten der angeschlossenen Krananlagen, zum Beispiel zu Restlebensdauer und Laufleistung der Katze. Außerdem analysiert und interpretiert das System anhand von Vergleichsdaten und vordefinierten Schwellwerten den tatsächlichen Zustand der Krane und Hebezeuge. In einer Ampel-Systematik sieht der Anwender, wo Handlungsbedarf besteht. Bei Unterschreitung eines bestimmten Wertes der Restlebensdauer müssen zum Beispiel Seilzüge auf­grund von Gesetzen generalüberholt werden.

Wie dieses neuseeländische Unternehmen implementiert derzeit eine Mehrheit von Firmen aus technischen Branchen Big-Data-Technologien. Entscheider aus der Automobilbranche, dem Maschinen- und Anlagenbau, der Medizintechnik und der Bauwirtschaft (80 %) setzen stärker auf diesen Trend als der Durchschnitt über alle Unternehmen (71 %), ergab eine Studie von Capgemini und EMC2, deren Auswertung für die technischen Branchen Produktion exklusiv vorliegt.

Am weitesten vorangeschritten beim Thema Big Data sind die Telekommunikationsbranche und die Öl- und Gasindustrie. 68 % der Unternehmen aus den technischen Branchen planen, in den kommenden drei Jahren ihre Investitionen in Big-Data-Technologien und -Strate­gien noch zu erhöhen.

Für diese Vorhaben wollen die Firmen auch ihre Organisation umgestalten. Das weist darauf hin, dass sie die Chancen, die sich durch die Auwertung großer Datenmengen ergeben können, konsequent nutzen und zu Geld machen wollen.

Zwei Drittel der Firmen sind der Meinung, dass Big Data traditionelle Industriegrenzen verschiebt und dazu beiträgt, dass neue Anbieter in ihre Branchen eindringen. Über ein Viertel berichtet, dass neue Akteure aus anderen Branchen den Wettbewerb verschärfen, während 53 % vor allem die Konkurrenz durch Big-Data-Start-ups fürchten.

Dabei messen Entscheider aus Deutschland Big Data weniger Bedeutung zu als Manager aus den USA, Brasilien und China. Auch erwarten sie nicht so große Geschäftschancen wie der weltweite Durchschnitt der Befragten.

Unternehmen brauchen für die Datenübermittlung und -Verarbeitung eine gesetzliche Erlaubnis oder eine Mitarbeitereinwilligung

Tangiert werden durch Big-Da­ta-Anwendungen wie Predictive Maintenance auch Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit. Denn dabei werden neben Anlagendaten zum Beispiel aggregierte Leistungskennzahlen, Daten aus dem CRM-System und Stammdaten erfasst, analysiert, bewertet und gespeichert, um daraus Prognosen für die Zukunft abzuleiten. Damit entsteht ein wirtschaftlicher Wert und die Frage, wer Eigentümer der Daten ist, wird entscheidend.

„Im deutschen Recht gibt es Eigentum nur an Gegenständen oder an geistigem Eigentum, nicht aber an Daten“, weiß Dr. Hans Markus Wulf, Fach­anwalt für IT-Recht und Partner bei SKW Schwarz. „In einer Nutzungsvereinbarung zwischen den am Datenaustausch Beteiligten müssen die Rechte an den Daten im Vorfeld definiert und geklärt werden.“

Häufig sind bei der Auswertung auch Daten von Mitarbeitern betroffen. Sobald dadurch einzelne Mitarbeiter identifiziert werden können, entstehen personenbezogene Daten und das Datenschutzrecht kommt zum Tragen. Das Unternehmen braucht deshalb für die Datenübermittlung und -Verarbeitung eine gesetzliche Erlaubnis oder die Einwilligung der Mitarbeiter. „Die Einwilligung kann zum Beispiel bereits im Arbeitsvertrag oder nachträglich in einer gesonderten Erklärung mit dem Mitarbeiter vereinbart werden“, rät Wulf. Gibt es einen Betriebsrat, könne die Firma mit diesem eine entsprechende Betriebsvereinbarung schließen, die dann für alle Mitarbeiter gilt.

Auch besteht die Möglichkeit, dass ein Arbeitgeber durch das Erfassen von Daten einzelner Mitarbeiter deren Verhalten und Leistung überwacht. Dann greift das kollektive Arbeitsrecht mit seinen Schutzvorschriften für Arbeitnehmer. „Bei der Einführung von technischen Einrichtungen zur Verhaltens- und Leistungskontrolle müssen Unternehmen den Betriebsrat einbinden“, erläutert Wulf. Auch hier biete sich eine Betriebsvereinbarung an, denn bei einer Verletzung von Arbeitnehmerrechten könne der Betriebsrat später ein Projekt massiv behindern oder sogar stoppen.

Gunnar Knüpffer