Von Matthias Karpstein, Dow Jones

MILTON KEYNES (Dow Jones/ks)–Für den Ausbau des Geschäfts fasst der Münchener DAX-Konzern auch Zukäufe ins Auge, wie Siegfried Russwurm, der Vorstandsvorsitzende des Industriesektors am Freitag am Rande einer Presseveranstaltung im englischen Milton Keynes sagte.

Wann die Industriesoftware mit einem weiteren Zukauf gestärkt werde, sagte Russwurm nicht. Eine Akquisition könne immer kommen. “Wir schauen, wo es interessante Ziele gibt”, sagte der Manager.

Siemens hatte das Geschäft mit Industriesoftware 2007 mit dem Kauf des US-Unternehmens UGS für rund 3,5 Mrd USD stark ausgebaut. Russwurm bezeichnete die Übernahme nun als eine “klasse Akquisition”. Finanziell habe das Geschäft sein Ziel erreicht. Am Wachstum der Division Industrieautomatisierung habe der Softwarebereich zuletzt überdurchschnittlich beigetragen. Seit der Übernahme von UGS habe sich der umsatz “sehr erfreulich” entwickelt, die Industriesoftware komme jährlich auf Erlöse von rund 1 Mrd EUR.

Der Weltmarkt für die so genannte PLM-Software, mit der zum Beispiel Autobauer ihre Fahrzeuge am Computer planen können, habe Industrieanalysten zufolge ein Volumen von 17 Mrd EUR und wachse Prognosen zufolge jährlich um rund 8% in den kommenden fünf Jahren. “Ich rechne sogar mit einem größeren Wachstum”, sagte Russwurm weiter. Allerdings adressiere Siemens nicht den gesamten Markt, weil man beispielsweise nicht im Geschäft mit Architektursoftware aktiv sei.

Die Kombination der PLM-Software mit der Automatisierungstechnik führe bei den Kunden zu erheblichen Produktivitätssteigerungen und damit zu Wettbewerbsvorteilen. Durch die Kombination reduziere sich die Markteinführungszeit eines Produkts um bis zu 50%. Mit der Abkürzung PLM benennt der Münchener DAX-Konzern das Product Lifecycle Management.

“Wir werden die Investitionen in unsere PLM-Aktivitäten auf hohem Niveau halten, um unser gesamtes Industriesoftware-Portfolio für Produktentwicklung, Simulation und Produktion gezielt weiterzuentwickeln”, so Russwurm. Siemens beliefert weltweit Kunden in der Automobil-, Elektrotechnik- und Konsumgüterindustrie sowie in der Luft- und Raumfahrt und im Maschinenbau.

“Alleine im Geschäftsjahr 2010 konnten wir über 250.000 PLM-Lizenzen verkaufen und mit unserer PLM-Software mehr als 2.600 Neukunden gewinnen (…)”, so Russwurm. Insgesamt habe Siemens im PLM-Geschäft weltweit über 69.500 Kunden mit einer installierten Basis von rund 6,7 Mio Lizenzen.

Russwurm hat die Führung des größten Siemens-Sektors erst Mitte 2010 übernommen. Große Veränderungen werde es unter ihm nicht geben, weil der sektor bereits gut aufgestellt sei, sagte er, der sich als “in der wolle gefärbter Technologiefreak” bezeichnete.