Harald Kaufmann, Director Manufacturing bei HP Enterprise Services, stand Produktion Rede und

Harald Kaufmann, Director Manufacturing bei HP Enterprise Services, stand Produktion Rede und Antwort. Bild: HP

Wie entwickelt sich voraussichtlich die Konjunktur in Ihrer Branche im kommenden Jahr?
Der IT-Branchenverband BITKOM erwartet ein Wachstum von gut vier Prozent, gleichmäßig über alle Bereiche wie Hardware, Software und Services verteilt. Das ist ein deutliches Zeichen, dass sich der Innovationsstau auflöst. Wir spüren eine nachhaltige Verbesserung der Verbraucherstimmung und des Geschäftsklimas. Die IT-Branche ist ein Motor der Innovation für die Wirtschaft insgesamt. Die Aussichten sind gut. Es gilt, die Chancen zu nutzen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie/Ihr Unternehmen in 2011?
Die Herausforderung für die gesamte Industrie besteht jetzt darin, die sich bietenden Chancen mit der nötigen Geschwindigkeit zu nutzen. Das Besondere an der aktuellen Situation ist, dass viele unserer Kunden in der Krise ihre IT-Investitionen massiv heruntergefahren haben. Viele leiden heute noch unter einem Innovationsstau in ihrer IT – und gleichzeitig springt die Konjunkturlokomotive an, in Asien müssen neue Produktionskapazitäten aufgebaut, in Südamerika neue Vertriebsniederlassungen gegründet werden und so fort. Die vorhandenen IT-Kapazitäten reichen dafür oft nicht aus. Wir erwarten deshalb, dass das Outsourcing-Geschäft nächstes Jahr einen weiteren Schub bekommen wird. Parallel dazu müssen die Unternehmen ihre IT grundlegend modernisieren und strategisch neu aufstellen.

Welche Gefahren/Risiken könnten aus Ihrer Sicht eine positive wirtschaftliche Entwicklung gefährden?
Es ist allgemein zu erwarten, dass sich die positive gesamtwirtschaftliche konjunkturelle Erholung aus dem Jahr 2010 – wenn auch in voraussichtlich leicht abgeschwächter Form – im Jahr 2011 fortsetzt. Jedoch muss aufgrund der angespannten Haushaltslage vieler Industriestaaten als Folge der Finanzkrise durchaus auch mit Rückschlägen gerechnet werden. Wir müssen weiterhin sehr wachsam sein.

Was werden aus Ihrer Sicht 2011 die großen technologischen Trends der IT-Branche werden?
Die Trends der IT-Branche werden 2011 durch die immer höhere Geschwindigkeit in der Wirtschaft bestimmt. Das Marktumfeld verändert sich heute in teils atemberaubender Schnelligkeit, die konjunkturellen Schwankungen kommen schnell, unerwartet und massiv, neue Märkte schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Unternehmens-IT muss heute demnach flexibler und innovativer sein als je zuvor. Daraus leiten sich zwei große Trends ab. Zum einen wird die Standardisierung und Konsolidierung von Basis-IT-Diensten wie Infrastruktur, ERP, Messaging und teilweise auch Produktionssteuerung schneller voranschreiten. Denn Standardisierung ist ein Beschleuniger von Geschäftsabläufen im Unternehmen und über Unternehmensgrenzen hinweg. Auf der anderen Seite wachsen Produktionstechnik und Informationstechnik immer enger zusammen – und dabei wird die IT immer mehr zum Innovationstreiber und zum Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb. Das betrifft sowohl das Produkt selbst als auch die Vertriebs- und Servicemodelle.

In welchen Bereichen sind wichtige technologische Fortschritte zu erwarten?
Innovationen in der IT werden künftig verstärkt durch Fortschritte bei den IT-Dienstleistungskonzepten getrieben. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Cloud Computing. Die Diskussion rund um das Thema Cloud war bisher dominiert von Effienz- und Flexibilitäts-Aspekten. Künftig geht es darum, mithilfe von Cloud-Modellen neue Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle abzubilden. Gerade für Probleme in verteilten Wertschöpfungsketten bieten Cloud-Modelle Lösungen, die bisher nicht denkbar waren – etwa bei der Bekämpfung von Produktpiraterie, bei der Abwicklung von Rückruf-Aktionen oder bei der Koordination von Marketing-Aktivitäten von Herstellern und Händlern. Fortschritte wird es auch bei der IT-Unterstützung globaler Produktions- und Liefernetze geben – etwa durch Service-Plattformen, die von Produzenten, Zwischenproduzenten und Händlern gemeinsam genutzt werden.