Cyberkriminalität IT

51 Prozent aller Unternehmen wurde laut der Umfrage in Deutschland in den zwei vorangegangenen Jahren Opfer von digitaler Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl. Am stärksten gefährdet ist demnach die Automobilindustrie mit 68 Prozent betroffener Unternehmen - vor der Chemieindustrie mit 66 Prozent und der Finanzwirtschaft mit 60 Prozent. - Bild: kru

"Die zunehmende elektronische Vernetzung der Wirtschaft ... eröffnet der deutschen Wirtschaft neue Chancen und Perspektiven, aber auch konkurrierenden Unternehmen und fremden Nachrichtendiensten," sagte Verfassungsschutz-Vizepräsident Thomas Haldenwang bei einer Sicherheitstagung des Bundesamtes für Verfassungsschutz gemeinsam mit der Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft (ASW).

Das Internet sei nicht nur ein Wachstumsmotor, sondern ermögliche auch Identitätsdiebstahl und andere Delikte. "Deshalb brauchen Staat und Wirtschaft eine neue 'risk map' für die Gefahren des Cyberraums - gleichsam einen Wirtschaftsschutz 4.0." Nötig ist laut Haldenwang ein "umfassender Wirtschaftsschutz", zu dem "personelle, prozessuale, organisatorische, technische wie IT-technische Aspekte" gehörten.

Für die Wirtschaft ist Cyber-Kriminalität ein erheblicher Kostenfaktor, wie eine Studie des Digitalverbandes Bitkom aus dem vergangenen Jahr belegt. Demnach verursachen ihre solche Vorfälle jährliche Schäden von rund 51 Milliarden Euro. "Wir halten das auch noch für weitgehend aktuell", sagte Bitkom-Sprecher Maurice Shahd.

Kleine und mittlere Unternehmen haben Nachholbedarf

51 Prozent aller Unternehmen wurde laut der Umfrage in Deutschland in den zwei vorangegangenen Jahren Opfer von digitaler Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl. Am stärksten gefährdet ist demnach die Automobilindustrie mit 68 Prozent betroffener Unternehmen - vor der Chemieindustrie mit 66 Prozent und der Finanzwirtschaft mit 60 Prozent.

Um Schäden künftig vorzubeugen, müssten sich die Unternehmen "untereinander enger austauschen und gleichzeitig besser mit den Behörden vernetzen", mahnte der ASW-Vorsitzende Volker Wagner bei der Tagung in Berlin. Denn "mit der wachsenden Vernetzung wachsen auch die Angriffsflächen und Schwachstellen".

Besonders kleine und mittelständische Unternehmen müssten aber noch stärker für die Gefahren des Internets sensibilisiert werden. Verfassungsschutz und ASW wollten dafür ihre Aktivitäten enger verzahnen. Zudem müssten "die Sicherheitslösungen noch praktikabler" gemacht werden.

Innen-Staatssekretärin Emily Haber kündigte bei der Veranstaltung an, im Herbst wolle die Bundesregierung zudem eine neue Cyber-Sicherheitsstrategie im Kabinett beschließen. "Die Zuordnung von Aufgaben und Befugnissen sowie technischen Fähigkeiten der Behörden ... werden wir hierbei neu betrachten müssen", sagte sie.