Beckhoff Industrial Automation Controller CX51x0

Beckhoff zeigt den weltweit ersten Industrial Automation Controller CX51x0 mit Windows 10 IoT Core Pro auf dem Microsoft-Stand Halle 7-406. Microsoft zeigt auf der SPS IPC Drives in Halle 7, Stand 406, verschiedene Varianten des neuen Betriebssystems Windows 10. - Bild: Beckhoff

"Alle aktuellen Varianten des neuen Microsoft Betriebssystems Windows 10 basieren auf dem gleichen Kernel: 'One Core - One Platform - One Store' ist die Botschaft von Microsoft", so Stefan Hoppe von Beckhoff. Die "Universal Windows Platform" (UWP) und "Universal Windows Driver" (UWD) böten den Vorteil des flexiblen Einsatzes auf allen Windows-10-fähigen Geräten. Die kleinste Version "Windows 10 IoT Core" laufe auch auf Raspberry Pi2-Geräten, dem QUALCOMM Dragonboard oder auf MinnowBoard MAX mit 64-Bit-Intel-Atom-CPU.

Als minimale Anforderungen nennt Microsoft eine 600-MHz-CPU, 2 GB Storage und 256 MB RAM für Headless-Geräte beziehungsweise 512 MB RAM für Geräte mit lokalem Userinterface. Diverse Technologien stünden unter IoT Core jedoch nicht mehr zur Verfügung, so Hoppe: Applikationen, die GDI, MFC, WinForms oder WPF nutzen, müssten auf XAML, DirectX und HTML umgeschrieben werden. Generell sei der Portierungsaufwand für native Win32- oder .NET-Applikationen aber sehr gering.

Um eine schnelle Verbreitung zu erreichen, stellt Microsoft 'Windows 10 IoT Core' - einschließlich der zum Engineering benötigten Visual-Studio-Version 2015 - nun kostenlos zur Evaluierung und für den privaten Gebrauch - Zielgruppe "Maker" - zur Verfügung.

Für den kommerziellen Einsatz hat, so Hoppe, Microsoft im November die Version "Windows 10 IoT Core Pro" zum "günstigen Preis vergleichbar zu Windows CE" verfügbar gemacht. Diese Version biete mit zehn Jahren Support-Unterstützung den im Industriebereich notwendigen langen Lifecycle; und nur bei dieser Version seien die automatischen Update-Mechanismen abschaltbar.

Alle Funktionalitäten des Betriebssystems verfügbar und nutzbar

Stefan Hoppe
Stefan Hoppe: "Windows 8 hat sich nie in der Automatisierungsbranche verbreitet – der größte Show-Stopper lag wohl an der technisch nicht abschaltbaren 'Per Device Aktivierung', die es in 'Windows 10 IoT Enterprise' nicht mehr gibt.“ - Bild: Beckhoff

"Windows 8 hat sich nie in der Automatisierungsbranche verbreitet – der größte Show-Stopper lag wohl an der technisch nicht abschaltbaren 'Per Device Aktivierung', die es in 'Windows 10 IoT Enterprise' nicht mehr gibt", betont Hoppe. Viele Kunden würden daher direkt von 'Windows Embedded Standard 7' auf 'Windows 10 IoT Enterprise' springen: Diese Version sei nicht mehr komponentisiert, somit nicht mehr skalierbar und benötige als Standard 16 GB Speicher.

Als Vorteil der Vollversion könne gelten, dass Softwareanbieter nun sicher sein könnten, dass alle Funktionalitäten des Betriebssystems verfügbar und nutzbar seien. Vormals hätte der Geräteanbieter sein 'eigenes Image' skalieren und dabei Funktionen aussparen können. Dem stehe als Nachteil ein höherer Preis für die in der Automatisierung notwendigen, größeren Storage-Karten der Qualitätsstufe 'Industrial Grade' gegenüber.

Die Enterprise-Version ist in verschiedenen "Branches" verfügbar: "Current Branch" (CB) bedeutet, dass die monatlichen Windows-Updates eingespielt werden müssen. "Current Branch for Business" (CBB) beinhaltet, dass Security-Updates direkt eingespielt werden; sonstige Updates werden aber erst acht Monate später - nach bewiesener Stabilität im Consumer-Markt und dann auch nur einmal pro Quartal - in die Business-Geräte eingespielt. Für den Industrial-Automation-Bereich werde sich, da ist sich Hoppe sicher, die "LTSB"-Variante ('Long Term Servicing Branch') durchsetzen; der offizielle Bestellname sei somit "Windows 10 IoT Enterprise 2015 LTSB" und bedeute, dass hier per Windows-Update-Dienst keine neuen Features untergeschoben würden. Nur die Security-Patches könnten optional auf Verlangen eingespielt werden.

"Die LTSB-Version hat weder den Assistenten Cortana on-board, noch einen Zugang zum Microsoft-Store – was sicherlich verkraftbar ist für Maschinensteuerungen", so Hoppe. '2015' sei der Indikator für das Erscheinungsjahr. Die nächste verfügbare Edition würde dann im Jahr 2016 'Windows 10 IoT Enterprise 2016 LTSB' heißen oder, bei späterem Erscheinen, 'Windows 10 IoT Enterprise 2018 LTSB'.

Für welche Maschinen und Gerätetypen eignet sich denn nun das neue Windows 10 IoT Core aus Ihrer Sicht besonders?
"IoT Core ist spannend für kleinste Embedded Geräte und es wird einen großen Markt von Gateway Produkten geben – da wollen alles rein Cisco, Intel…"

IoT Core und die Cloud – ist das eine ideale Kombination und wenn ja, warum und wie sieht’s mit dem Risiko aus?
"Weil eben die meisten älteren Maschinen - diejenigen die eben keine Beckhoff PC basierenden Steuerung haben - keine Connectivity mit integrierter Security in der Steuerung haben, keine Anbindung. Also wird es x diverse Gateway geben welche nach 'oben' alle Cloudprotokolle reden und nach 'unten' alle benötigten Protokolle reden. Security 'end-to-end' kann es damit nicht geben – aber sicherlich ist es besser, überhaupt - auch mit viel Aufwand - zur Maschine verbunden zu sein als gar nicht."

Stefan Hoppe, PM Beckhoff Automation, Microsoft Embedded MVP

Eduard Altmann, Chefredakteur von Produktion