• Einfache und präzise Bedienung der Passagierfensterverdunkelung: leise und ruckfrei. - Bild: Faulhaber

    Einfache und präzise Bedienung der Passagierfensterverdunkelung: leise und ruckfrei. - Bild: Faulhaber

  • Immer "online" – Internet-Zugang am eigenen Sitzplatz dank optimaler Bordantennenpositionierung in Echtzeit während des gesamten Fluges. - Bild: Faulhaber

    Immer "online" – Internet-Zugang am eigenen Sitzplatz dank optimaler Bordantennenpositionierung in Echtzeit während des gesamten Fluges. - Bild: Faulhaber

  • Motoren für die Kabine eines Flugzeuges müssen möglichst leict sein. - Bild: Faulhaber

    Motoren für die Kabine eines Flugzeuges müssen möglichst leict sein. - Bild: Faulhaber

  • Komfortable Sitzverstellung bis zur "lie-flat" Position dank leichter und leistungsstarker Antriebssysteme. - Bild: Faulhaber

    Komfortable Sitzverstellung bis zur "lie-flat" Position dank leichter und leistungsstarker Antriebssysteme. - Bild: Faulhaber

  • Bürstenlose DC-Servomotoren wie dieser werden häufig in Flugzeugkabinen genutzt. - Bild: Faulhaber

    Bürstenlose DC-Servomotoren wie dieser werden häufig in Flugzeugkabinen genutzt. - Bild: Faulhaber

  • Höchster Komfort mit elektrischer Sitzverstellung, motorisiert ausfahrbarem Tisch oder Tablethalter. - Bild: Faulhaber

    Höchster Komfort mit elektrischer Sitzverstellung, motorisiert ausfahrbarem Tisch oder Tablethalter. - Bild: Faulhaber

  • Seit 15 Jahren liefert Faulhaber Motoren für First-Class-Sitze. - Bild: Faulhaber

    Seit 15 Jahren liefert Faulhaber Motoren für First-Class-Sitze. - Bild: Faulhaber

Robert Varonier koordiniert für die Faulhaber Group die Aktivitäten in diesem Marktsegment koordiniert. Wir sprachen mit ihm über Gegenwart und Zukunft des motorisierten Flugerlebnisses.

Wer braucht einen motorisierten Touchless-Toilettensitz?

Robert Varonier: "Manche Passagiere in Business-Jets oder der First Class legen Wert darauf, den Sitz nicht anfassen zu müssen. Deshalb wurde auf der Flugmesse in Hamburg im letzten Jahr tatsächlich ein mit Sensor und Motor automatisierter Toilettensitz vorgestellt. Das mag ein etwas ausgefallenes Beispiel für das stetig steigende Komfort-Angebot sein, aber es illustriert sehr gut den Trend, der hier zugrundeliegt."

Wie würden Sie diesen Trend charakterisieren?

Varonier: "Die Trendsetter finden wir in den Privat- und Businessjets, bei deren Ausstattung praktisch keine finanzielle Beschränkung gilt. Da werden Tische und Halterungen von Tablet-Computern auf Knopfdruck ein- und ausgefahren, die Fensterverdunkelung ist automatisiert.

Was sich in diesem Segment durchsetzt, wird häufig in der First und später in der Business Class adaptiert. Das haben wir zum Beispiel mit der motorisierten Sitzverstellung schon vor Jahren erlebt. Die Premium Economy Class, die immer öfter angeboten wird, übernimmt voraussichtlich als nächste einen Teil der Komfort-Technik."

Welche Forderungen müssen Motoren in der Flugkabine erfüllen?

Varonier: "Die wichtigste ist die Zuverlässigkeit. Während des Fluges darf nichts ausfallen oder kaputtgehen. Natürlich – das gehört zusammen – sollen auch die Wartungsintervalle möglichst lang sein. An zweiter Stelle steht das Gewicht. Jedes Kilo kostet Treibstoff, also fordern die Airlines eine möglichst leichte Ausstattung.

Der Stromverbrauch ist für die Fluglinien nicht wirklich ein Thema – allein die Ventilatoren der Klimaanlage verbrauchen wohl mehr elektrische Leistung als alle Motoren in der Kabine zusammen. Aber eine hohe Leistungsdichte, also viel Kraft aus wenig Masse und damit auch aus wenig Strom, ist natürlich sehr wichtig."

Was bedeutet das für Faulhaber?

Varonier: "Die Anforderungslisten der Fluglinien und der Kabinenausrüster lesen sich im Hinblick auf die Antriebslösungen fast wie unsere Produktbroschüren. Sie bringen auf den Punkt, worin sich unsere Produkte vor anderen auszeichnen, vor allem in puncto Leistungsdichte, Zuverlässigkeit und Wartungsintervalle.

Etwas zugespitzt könnte man sagen, dass in der Regel das Flugzeug längst ausgemustert ist, bevor ein Faulhaber-Antrieb ausgetauscht werden muss. Die Airlines haben ihre Spezifikationen in letzter Zeit beträchtlich verschärft, und das eröffnet uns neue Chancen."

Können Sie das näher erläutern?

Varonier: "Die meisten Motoren in Flugzeugkabinen finden wir heute in den Sitzen von First und Business Class. Die Hersteller der Sitze sind ursprünglich überwiegend Automobilzulieferer. In dieser Branche wird bei den Motoren überwiegend Massenware eingesetzt, die aber den neuen Anforderungen nicht mehr genügt.

Damit kommen unsere Motoren, die für diese Anwendung bisher „zu gut“ waren, ins Spiel. Wir können genau das liefern, was die Kunden jetzt brauchen – zumal wir funktionale Antriebssysteme aus Motor, Getriebe, Bremse und Encoder anbieten."

Welchen Nutzen haben die Kunden davon?

Varonier: "Die einzelnen Antriebskomponenten sind optimal aufeinander abgestimmt, arbeiten perfekt zusammen und erreichen so eine sehr hohe Effizienz. Wir verwenden zum Beispiel besonders hochwertige Planetengetriebe. Die Encoder erfassen die Drehung der Abtriebswellen in hoher Auflösung, sie ermöglichen damit eine sehr präzise geregelte, rucklose Verstellung.

Die Bremsen sind vor allem dann wichtig, wenn eine Arretierung benötigt wird. Und selbstverständlich entsprechen alle Komponenten unseren hohen Qualitätsstandards. Wir haben 60 Jahre Erfahrung darin, technologisch immer an der Spitze zu sein."

Welche Erfahrung hat Faulhaber bisher in der Flugbranche?

Varonier: "Zum Beispiel liefern wir seit mehr als fünfzehn Jahren Antriebe für die Verstellung von First-Class-Sitzen. Die Fensterblende in der Business Class des Airbus A 319 wird von einem bürstenlosen Motor bewegt, der ganze 192 Gramm wiegt, unser Modell 3242 BX4.

Faulhaber-Motoren finden sich auch in vielen sicherheitskritischen Anwendungen, etwa in der Arretierung von Kabinentüren, Notausgängen oder des Pilotensitzes, der für Start und Landung in einer bestimmten Position fixiert sein muss. Eine weitere Anwendung ist die Verstellung der Ventile, welche den Druck in der Klimaanlage regulieren."

Wo sehen Sie Potenzial für zusätzliche Motorisierung?

Varonier: "Die Bordunterhaltungssysteme der Business Class – individuelle, herausfahrbare Bildschirme – werden zunehmend motorisiert, und etwas ähnliches könnte auch den Weg in die Economy Class finden. Daneben wollen immer mehr Passagiere ihren eigenen Tablet/PC nutzen, für den es inzwischen ebenfalls motorisierte Halterungen gibt.

Im hochklassigen Bereich werden Tische und die immer häufiger eingebauten Trennwände mit Motorantrieb versehen. Absenkbare Armlehnen für einen barrierefreien Zugang zum Sitz wird es ebenfalls immer öfter geben. Last but not least: Hersteller von Businessjets und vor allem arabische Airlines interessieren sich durchaus für den bereits genannten motorisierten Toilettensitz."

Faulhaber

Das sagen die Airlines

„Motoren und Aktuatoren haben wir bis vor gar nicht langer Zeit vor allem als potenzielle Troublemaker angesehen“, sagt Paul Estoppey, Leiter der Abteilung Cabin Interior Development & Infotainment bei der Fluglinie Swiss. „Trouble bedeutet für uns, wenn zum Beispiel ein Business-Passagier auf einem vollbesetzten Interkontinentalflug seinen Sitz nicht flach stellen kann, weil eine Komponente nicht funktioniert. Einwandfreie, zuverlässige Funktion hat für uns oberste Priorität.“

In diesem Zusammenhang hört man bei Gesprächen mit Experten für die Innenausstattung von Flugzeugkabinen sehr häufig die Abkürzung MTBF. Sie steht für „mean time between failure“, also den durchschnittlichen Zeitraum zwischen Versagensfällen. Er muss deutlich länger sein als das Wartungsintervall.

Gewicht spielt in der Luft immer eine entscheidende Rolle: Im Durchschnitt kostet es rund 300 US-Dollar pro Jahr, ein Kilogramm Ausrüstung um den Globus fliegen zu lassen. Jedes erfolgreiche Abspecken macht sich dementsprechend in der finanziellen wie der CO2-Bilanz bemerkbar.

Etwas länger als in anderen Branchen kann die Zeitspanne sein, bis neue Technologien in die Flugzeugkabinen gelangen. Die nationalen und internationalen Aufsichtsbehörden verlangen auch für die Innenausstattung aufwendige Zertifizierungsverfahren. Das hindert die Cabin-Spezialisten aber nicht daran, stetig nach Innovation zu streben. „Wir sind sehr daran interessiert, neue Produkte und Technologien kennenzulernen“, betont Paul Estoppey. „Aus neuen technischen Möglichkeiten entstehen die Ideen für ganz neue Lösungen und Angebote an unsere Passagiere.“