Faulhaber, Schere, Pony

Das Pony Modell des italienischen Herstellers Campagnola ist ein besonders leichtgewichtiges, stromsparendes Gerät, das mit einem Faulhaber Gleichstrommotor arbeitet, um höchsten Wirkungsgrad bei geringem Gewicht zu bieten. - Bild: Faulhaber

Jeder, der schon mal unter einem Maus- oder Tennisarm gelitten hat, kennt die schmerzhaften und hartnäckigen Zustände sehr genau, die man in der Medizin als RSI-Erkrankung (Verletzungen durch vielfach wiederholte Bewegungsabläufe) bezeichnet. Selbst die kleinste Bewegung kann extreme und nachhaltige Schäden an Muskeln, Sehnen und Nerven hervorrufen, wenn sie tausendfach wiederholt wird. Wenn der Mausarm durch die Bedienung von Computern entsteht, ist das Äquivalent für Winzer und Obstbauern, die Jahr für Jahr zahllose Zweige und Sprösslinge stutzen müssen, der "Scherenarm".

Um dem Risiko von Verletzungen durch wiederholte Bewegungsabläufe entgegen zu wirken und die Muskulatur zu unterstützen, verwenden viele mittlerweile motorisierte Scheren. Das Pony Modell des italienischen Herstellers Campagnola ist ein besonders leichtgewichtiges, stromsparendes Gerät, das mit einem Faulhaber Gleichstrommotor arbeitet, um höchsten Wirkungsgrad bei geringem Gewicht zu bieten.

Jeder Schnitt ist wichtig

Jeder Weinstock kann jedes Jahr Dutzende von Trieben bilden, aber nur ein oder zwei werden für die Produktion von Wein benötigt. Alle überflüssigen Triebe werden direkt am Ansatz abgeschnitten und die verbleibenden Triebe werden gekürzt, das bedeutet mindestens einen Schnitt pro Trieb. Jeder Hektar enthält zwischen 5.000 und 10.000 Weinstöcke, was bedeutet, dass alleine im Weinbau pro Hektar ca. 100.000 Schnitte gemacht werden müssen.

Das gleiche gilt für den Obstanbau. Sogar kleine Bäume, wie man sie in der intensiven Landwirtschaft üblicherweise findet, müssen über hundert Mal getrimmt und gekürzt werden. Die Qualität von Obst und Wein hängt zu einem großen Teil von korrekten Schnitttechniken ab.

Jeder Schnitt, der mit einfachen Baumscheren getätigt wird, benötigt eine beachtliche Anstrengung der Arme und Hände und führt nach einer gewissen Zeit zu Ermüdungserscheinungen. Das Risiko an RSI zu erkranken, ist besonders während der Schnittphase extrem hoch. Um dies zu verhindern, entwickelten Gerätehersteller mechanische Baumscheren, sobald die technischen Voraussetzungen dafür gegeben waren. Zu Beginn waren pneumatische Systeme die einzigen mechanischen Lösungen - sogar noch heute kann man die Geräusche von Kompressoren im Herbst und Winter in den Weinbergen hören.

Video: Die Pony mit Faulhaber-Motor

Batterien ersetzen Kompressoren

Ein Druckluftschlauch, der unter Last mehr als 100 Meter lang sein kann, wird benötigt, um die Kraft in die Scheren des Winzers zu leiten. Während pneumatische Scheren noch immer die optimale Technologie für das Schneiden von kräftigen Zweigen sind, ist die Handhabung insbesondere beim Weinanbau problematisch. Das liegt daran, dass Winzer, nachdem sie mit dem Beschneiden einer Reihe fertig sind, wieder nach unten zum Kompressor gehen und diesen neu positionieren müssen, bevor sie mit der nächsten Reihe weiter machen können.

Nur durch leichtgewichtige Lithium-Ionen Batterien wurde es möglich, die Druckluft durch elektrische Energie zu ersetzen. Dies erlaubt es den Winzern, einfach um die Ecke zu gehen und sich ohne Einschränkung in den Reihen nach oben und unten zu bewegen. Elektrische Scheren sind mit dem Akku verbunden, der normalerweise am Gürtel des Winzers mittels eines kurzen Kabels befestigt ist, während die elektrischen Motoren in den Griffen der Scheren integriert sind und die nötige Kraft aufbringen.

"Während der Schnittsaison müssen die Bediener die Scheren oftmals für Wochen ohne Unterlass verwenden", erklärt Patrizio Pellicanò, der technische Direktor bei Campagnola. "Das bedeutet, dass die Bediener das Gerät den ganzen Tag lang halten müssen und so zählt jedes Gramm Gewicht"

Die Pony in Zahlen

  • Gewicht Handstück – 770 g
  • Gewicht Akku – 1,7 kg
  • Maximale Schnittkapazität – 25 mm
  • Akkuspannung - 51 V
  • Akkulaufzeit – 10 Stunden
  • Akkutyp - Lithium-Ionen

Optimale Motoren für Scheren

Das im Norden Italiens in Bologna ansässige Unternehmen hat sich darum entschieden, ein Scherenpaar zu entwickeln, das den Beruf des Winzers in jeglicher Hinsicht vereinfacht. Der Motor ist die ausschlaggebende Komponente, aber nicht nur hinsichtlich seines Gewichts. "Der Antrieb muss ein hohes Drehmoment bieten, während die Masse auf ein Minimum reduziert wird", erklärt Christian Lucini von Faulhaber Minimotor, der für das Projekt verantwortlich ist.

"Er muss außerdem mit hohen Drehzahlen arbeiten, um die Schnitte so schnell wie möglich umzusetzen. Durch den Start-Stopp-Charakter dieser Arbeiten, mit konstanten Belastungswechseln, muss die Schere außerdem ohne Warmlauf Kraft zur Verfügung stellen, während der Energieverbrauch minimiert und die Bedienzeit maximiert wird."

Campagnola hat eine Reihe von Tests durchgeführt, um die Antriebe von verschiedenen Herstellern, basierend auf diesen Kriterien, zu vergleichen. “FaulhaberRs Gleichstrom-Mikromotor 2657W024C RP158-X4431 hat den Vergleich eindeutig gewonnen”, erinnert sich Patrizio Pellicanò. "Mit gerade einmal 156 Gramm für den Motor, wiegt das gesamte Antriebssystem 80 Gramm weniger als andere Motor-Getriebekopf Kombinationen. Zusätzlich dazu sorgt der hohe Wirkungsgrad in Verbindung mit dem niedrigen Energieverbrauch für eine Nutzungsdauer von zehn Stunden pro Akkuladung, was einer 20% höheren Akkulaufzeit gegenüber den Konkurrenzprodukten entspricht."

Der 2657 von Faulhaber in Zahlen

  • Abgabeleistung       47,9 W
  • Anhaltemoment      286 mNm
  • Masse                    156 g
  • Durchmesser          26 mm
  • Drehzahl       <7000 Umdrehungen pro Minute

Die leichteste Option

Das Pony Model ist das leichteste Scherenpaar, das Campagnola anbietet und eines der leichtesten Modelle auf dem Markt. Es kann bis zu 70 Schnitte pro Minute durchführen und sowohl automatisch als auch manuell betrieben werden. Im automatischen Modus schließen die Schnittblätter vollständig, sobald die Finger den Abzug betätigen.

Im manuellen Modus richten sich die Schnittblätter nach den Fingerbewegungen, was bedeutet, dass der Motor sehr präzise reagieren und die Ausgangsleistung exakt an die Bewegung angepasst werden muss. Der Gleichstrommotor bewältigt diese Feinkoordination mit Bravour. Die Scheren schützen außerdem die triebstützenden Drähte. Wenn Drähte zwischen den Schnittblättern erkannt werden, stoppen die Scheren das Schneiden automatisch.

Ein Schnittzähler, der auch die Betriebszeiten erfasst, ermöglicht es, die Scherenbewegungen detailliert zu überwachen und erlaubt es dem Bediener, Service Intervalle einzuhalten. Campagnola empfiehlt eine Überholung der Scheren nach 400.000 Schnitten.

"Insbesondere in großen Unternehmen laufen die Geräte für den Beschnitt von Weinstöcken und Obstbäumen permanent", erklärt Patrizio Pellicanò. "Neben dieser konstanten Belastung müssen die Scheren in der Lage sein, über vier bis fünf Jahre ohne Defekte zu arbeiten. Faulhabers Mikromotor hat sich mit seinen Eigenschaften und der hohen Verlässlichkeit im Dauerbetrieb bewährt. Wir haben hier definitiv die richtige Wahl getroffen."

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