Lean Montage

Fachwissen im Bereich Lean-Montage wird Studierenden an der RWTH Aachen im Rahmen eines Praktikums an einer modernen U-Zelle vermittelt. - Bild: item

Was ist Lean-Montage?

Unter Lean-Montage versteht man die industrielle Montage gemäß den Prinzipien der Lean Production. Dabei stehen vor allem zwei Aspekte im Fokus: die Reduktion von Verschwendung (Verschwendung = Muda) und Steigerung der Wertschöpfung mittels kontinuierlichem Verbesserungsprozess (KVP). Neben der Schulung der Mitarbeiter kommt es bei der Lean-Montage nicht zuletzt auf entsprechend optimierte Betriebsmittel an.

Als Teil eines freiwilligen Praktikums am Lehrstuhl für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) der RWTH Aachen erfahren die Studierenden, auf was es bei der Lean-Montage ankommt. Kerninhalt ist die Effizienzsteigerung bei der Montage eines vorgegebenen Produkts durch eine optimale Arbeitsteilung, Ablauforganisation und Fehlervermeidung. Zum Start werden die Studierenden ohne große theoretische Vorbesprechung mit den Herausforderungen einer Montageaufgabe konfrontiert – Fehler sind so natürlich vorprogrammiert. Dies ist für den Projektleiter gleichzeitig aber auch der grundlegende Vorteil eines praxisnahen Lehransatzes. Fehlentscheidungen werden den Studenten auch im späteren Arbeitsalltag passieren. Wesentlich ist die Vermittlung von Kompetenz im Umgang mit diesen Fehlern und die Ableitung der richtigen Konsequenzen in der weiteren Planung.

Lernen an einer modernen Montagelinie

Unterstützt werden Projektleiter und Studierende durch die ebenfalls praxisnahe Ausstattung der Montagehalle des Werkzeugmaschinenlabors der RWTH Aachen. Die Montage ist als moderne U-Zelle aus Komponenten von item Industrietechnik aufgebaut, so wie sie auch im industriellen Umfeld inkl. Tafel zur Platzierung von Montageanweisungen häufig anzutreffen ist. Die jeweiligen Arbeitsstationen innerhalb der U-Zelle sind durch Rollenbahnen miteinander verbunden. Einzelne Komponenten werden an den Stationen von den Studierenden in Kleinladungsträgern (KLT) platziert. Die Montage selbst erfolgt auf einer beweglichen Montageplatte, die über die Rollenbahnen von einem zum nächsten Montageschritt verschoben wird.

Technisch ist für die praktische Umsetzung einer schlanken Montage also alles vorhanden. Auch Stücklisten, Konstruktionszeichnungen verschiedener Varianten des zu montierenden Produkts und ein schon montiertes Beispielexemplar werden von der Projektleitung zur Verfügung gestellt. Mit der testweisen Demontage des Produkts beginnt die Erhebung der optimalen Montagezeiten und des hierfür notwendigen Organisationsprinzips. Dabei geht es nicht allein um Abfolge und Taktzeiten der Arbeitsschritte an den einzelnen Stationen der U-Zelle, sondern ebenso um die Transportzeiten bis zum nächsten Montageschritt.

Lean-Montage praktisch erleben

Wie komplex die Montage selbst von nicht überaus aufwendigen Produkten in der Praxis tatsächlich wird, zeigt sich nach dem Produktionsstart in der Regel ziemlich schnell. Die Studierenden erleben aktiv, welche Herausforderungen selbst kleine Details im Gesamtkontext einer effizienten Montage spielen können. Zudem erhalten sie so eine konkrete Vorstellung, welche Vorteile sie im späteren Arbeitsleben für sich und den Erfolg des jeweiligen Unternehmens aus den Prinzipien der Lean Production ziehen können. Auch kurzfristig gedacht ist das Praktikum aus den Erfahrungen der Projektleitung in jedem Fall eine sinnvolle Komponente in der Klausurvorbereitung.  

In Zukunft sollen die Erfahrungen aus der Veranstaltungsreihe daher zu einem zweitägigen Workshop erweitert werden. Dieser wird auf dem bestehenden Konzept aufbauen und die aktuelle Montagezelle mit einem „Update“ versehen: Neben einer Teilautomatisierung bestimmter Aufgaben in der Montage des bekannten Standardprodukts müssen die Studierenden ihre Erfahrung anschließend auf ein individuelles Produkt übertragen. Die effiziente Verpackung der Produkte soll ebenfalls zum Thema werden. Geplant ist, dass die Studierenden dabei auf einen Industrieroboter zurückgreifen, der über eine moderne Steuerungstechnik und eine 3D-Kamera verfügt. Auch Webapplikationen sollen als praktische Verbindung von Lean Production und Industrie 4.0 in den Montageprozess integriert werden.

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item Redaktion