HANNOVER (pd). Nach der neuen VDMA-Strommix-Studie wird sich der Anteil der dezentralen Motorenanlagen an der Stromerzeugung in der EU von 5,7 Prozent in 2007 auf 6,7 Prozent in 2020 und auf 9,3 Prozent in 2030 erhöhen. „Die bis zum Jahr 2030 neu zugebaute Kapazität beläuft sich auf rund 78 Gigawatt. Das entspricht einer Investitionssumme von annähernd 60 Milliarden Euro, d. h. es werden jährlich etwa drei Milliarden Euro in der EU 27 investiert“, betonte Thorsten Herdan, Geschäftsführer VDMA Power Systems auf der Eröffnungspressekonferenz der BioEnergy Decentral und der EUROTIER, die beide vom 16. bis 19. November 2010 in Hannover stattfinden.

„Die Haupttreiber dieser Entwicklung sind der deutlich wachsende Bereich der Biogasanlagen und der sich fast verdoppelnde Erdgasmarkt“, sagte Herdan. Eine große Rolle spielen dabei auch der Ersatz und die Modernisierung der Anlagen. Nicht zuletzt die deutlichen Effizienzsteigerungen der Anlagentechnik in den letzten Jahren tragen zu einem beschleunigten Ersatz der Anlagen bei. Die BioEnergy Decentral ist ein hervorragender Anlass, sich von den innovativen Technologien einen umfassenden Eindruck zu verschaffen.

Obwohl im Energiekonzept der Bundesregierung klare Aussagen zur dezentralen Energieversorgung fehlen, sind sich die Experten einig, dass die Zukunft der Energieversorgung dezentraler sein wird. Der Einsatz von erneuerbaren und fossilen Energieträgern vorrangig in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) bildet dabei die wesentliche Säule einer solchen dezentralen Versorgung.

Im Gegensatz zum heute noch auf Prognosen beruhenden Betrieb von großen Kraftwerken, können dezentrale Anlagen sehr flexibel auf die Abweichungen von Stromnachfrage und Stromangebot reagieren. Auch der wachsende Trend, bei dem sich die heutigen Stromverbraucher (Consumer) zu produzierenden Verbrauchern (Prosumer) wandeln, verstärkt die Nachfrage nach dezentraler Energieversorgung. Moderne kleine KWK-Anlagen auf Basis von Verbrennungsmotoren, immer öfter auch auf Basis von Brennstoffzellen, bieten hierfür die erforderlichen, ausgereiften Technologien. „Wenn die Voraussetzungen für die informationstechnische Verknüpfung von Anlagen in den Stromverteilnetzen, sogenannte „Smart Grids“ geschaffen sind, dürfte das Wachstum der dezentralen Energieversorgung sich noch beschleunigen“, so Herdan. Eine im Juli 2010 vorgelegte Studie der internationalen Managementberatung Boston Consulting Group liegt sogar noch deutlich über den Werten im VDMA-Strommix und sagt einen Anstieg des Anteils der dezentralen Energieversorgung an der installierten Kraftwerkskapazität in der EU im Jahr 2020 auf 40 Prozent voraus.

Ein weiterer Vorteil dezentraler Lösungen ist, dass bereits beim Bau die detaillierten Kenntnisse des örtlichen Bedarfs an Strom und Wärme bei der Auslegung einbezogen werden können. Hierdurch verändert sich das Kräfteverhältnis im Energiemarkt grundlegend. Kommunale Energieversorger, d. h. Stadtwerke, aber auch private Anbieter dezentraler Konzepte haben den Schlüssel in ihren Händen, nämlich den direkten Kontakt zum Verbraucher sowie die „Ortskenntnis“. Der Investitionsbedarf von dezentralen Anlagen ist darüber hinaus angesichts von Investitionen im einstelligen Millionenbereich auch noch in Eigenregie realisierbar.

Woran es derzeit oft noch mangelt, ist das Verständnis der Akteure untereinander sowie das Wissen über den Stand der technischen Entwicklung. Eine Veranstaltung wie die BioEnergy Decentral 2010 bietet hier die vielfache Möglichkeit zum Gespräch mit allen Akteuren entlang der Wertschöpfungskette eine unverzichtbare Plattform. Am Beispiel realisierter, oft sehr unterschiedlicher Geschäftsmodelle im Rahmen des „Marktplatz Dezentrale Energieversorgung“ soll das Verständnis zwischen den Akteuren verbessert werden. Die Land- und Forstwirtschaft, wenn sie sich zunehmend auch als „Energiewirt“ versteht, muss ein grundlegendes Verständnis dafür haben, wie sich die Energiemärkte in Zukunft entwickeln. Auch die Energiewirtschaft muss Verständnis für die Marktnuancen im Bereich der Land- und Forstwirtschaft entwickeln, wenn es gelingen soll, gemeinsam umsetzbare Projekte zu realisieren. Letztlich stehen beide in ihren jeweiligen Märkten, Energie und Land- und Forstwirtschaft in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen. Wenn es gelingt die Veränderungen als Chance zu nutzen, können beide von den unvermeidlichen Veränderungen profitieren.

„Um diesen Prozess zu unterstützen, haben die DLG und der VDMA ihre Zusammenarbeit mit dem Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) deutlich verstärkt. In einem „Dreierbund für dezentrale Energieversorgung“ werden wir auch weiter gemeinsam daran arbeiten, das Thema voranzutreiben“, resümierte Herdan.