Gastredner Dr. Joachim Gauck und Dr. Manfred Jagiella, CEO, Endress + Hauser.

Gastredner Dr. Joachim Gauck und Dr. Manfred Jagiella, CEO, Endress + Hauser.

In Berlin wurde zum 15. Mal der Ludwig Erhard Preis verliehen. Zu den diesjährigen Gold-Gewinnern gehören Endress + Hauser Conducta und das BMW Motorradwerk Berlin.

Daniela Hoffmann

BERLIN (sp). Wer den Ludwig Erhard Preis erobern will, muss sich einem umfangreichen Assessment unterziehen, bei dem die Prozesse genau unter die Lupe genommen werden. Sogenannte ehrenamtliche „Assessoren“ verbringen Zeit in den Unternehmen, die kandidiert haben, und vergeben bis zu 1.000 Punkte für Business-Exzellenz. Die Gewinner zählen zu den „Besten der Besten“, rühmt Thomas Kraus, Vorsitzender der Initiative Ludwig Erhard Preis ILEP.

Gold in der Kategorie „Mittelstand“ räumte der Spezialist für Flüssigkeitsanalyse Endress+Hauser Conducta ab. „Es ist mehr als ungewöhnlich, dass ein Unternehmen gleich bei der ersten Bewerbung Gold bekommt“, sagt Dr. Thomas Simon, Senior Vice President Qualität and Environment bei Continental, der als Assessor den Preisträger Conducta auf Herz und Nieren geprüft hat. Das BMW Motorradwerk Berlin holte im zweiten Anlauf Gold für große Unternehmen.

Die Gewinner sind vor allem in einem Punkt herausragend: Sie binden ihre Mitarbeiter bewusst ein und leben vom Mannschaftsgeist. Viele leben eine „Open-Door-Policy“, bei denen die Türen des Managements für die Mitarbeiter offen stehen. „Den Unterschied in den Unternehmen machen die Menschen, und so muss man sie auch behandeln“, fasste ein Preisträger treffend zusammen. Und auch Werte wie der kontinuierliche Verbesserungsgedanke, immer wieder optimierte Produktionsprozesse, Kundenorientierung und Nachhaltigkeit waren der Jury besonders wichtig. Silber in der Kategorie Großunternehmen erhielt das Robert Bosch Werk Feuerbach: Dafür, dass es sich schnell auf den Wandel eingestellt hat. Man habe die Exzellenz-Initiative auch genutzt, um den Mitarbeitern in harten Zeiten eine Perspektive zu bieten, berichtete der Preisträger, der im nächsten Jahr neue Serienläufe in Deutschland starten will.

Gastredner Dr. Joachim Gauck traf den Nerv der Unternehmen und wurde für seine Rede gegen die Krisenangst mit Standing Ovations belohnt. „Angst macht kleine Augen, kleinen Mut und ein kleines Herz“, so Gauck. „Eine Politik, die den großen Angstnarrationen folgt oder aus Angst agiert, ist wenig überzeugend“, sagte Gauck auch. Der Deutsche fühle sich wohl, wenn er sich unwohl fühle, ist seine Interpretation der „German Angst“. Mehr als 60 Jahre Frieden, Presse-, Meinungs- und Wirtschaftsfreiheit – das Privileg der Freiheit werde ebenso leicht vergessen, wie die Luft zum Atmen: Zeit, sich darauf zu besinnen, wie gut es uns geht und wie viele Krisen wir schon gemeistert haben.