Momentan sieht es so aus, als ob sich nach Konecranes auch Terex die Zähne an der angestrebten

Momentan sieht es so aus, als ob sich nach Konecranes auch Terex die Zähne an der angestrebten Übernahme von Demag Cranes ausbeißen könnte (Bild: Demag Cranes).

Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Das Demag-Management empfahl den Aktionären, ihre Anteile nicht anzudienen. Eigenwerbung betrieben die Düsseldorfer mit aufgestockten Prognosen. Der Angebotspreis von 41,75 Euro sei “nicht angemessen”, hieß es in der gemeinsamen Stellungnahme der Gremien. Die Entscheidung sei einstimmig demagund werde durch die unabhängigen Bewertungsgutachten (Fairness Opinions) der Deutschen Bank, von Rothschild sowie Lazard bestätigt. Dow Jones Newswires hatte bereits am Vortag von zwei mit der Situation vertrauten Personen von der ablehnenden Haltung der Führungsriege erfahren.

Aufgrund der positiven Konjunkturaussichten hob Demag Cranes die Prognose für das laufende Geschäftsjahr an. Der Kranhersteller rechnet für 2010/11 nun mit einem Umsatz von rund Euro 1,06 Mrd Euro und einer operativen Marge vor Zinsen und Steuern von rund 6,4%. Zuvor war Demag Cranes von Einnahmen in der Bandbreite zwischen 1,02 Mrd und 1,05 Mrd Euro und einer Rendite von 6,1% bis 6,5% ausgegangen.

Auch die mittelfristigen Umsatzziele formulierte Demag Cranes zuversichtlicher: Im Geschäftsjahr 2012/2013 sollen die Erlöse auf das Rekordniveau von rund 1,3 Mrd Euro steigen und 2014/2015 nochmals deutlich auf 1,7 Mrd Euro zulegen. Die Rendite sieht Demag Cranes 2012/13 die Marke von 10% überspringen und im Jahr danach weiter steigen.

Dass die Terex-Offerte beim Demag-Vorstand auf wenig Gegenliebe stößt, ist keine große Überraschung. Denn seit das Interesse der Amerikaner publik wurde, liegt die Demag-Cranes-Aktie deutlich über dem Angebotspreis – aktuell notiert das Papier bei rund 45,80 Euro.

Entsprechend wenig Resonanz fand die Offerte bislang. In der ersten Woche nach der Abgabe des offiziellen Angebots wurden Terex gerade einmal 798 Demag-Aktien angedient – das entspricht 0,01% des Grundkapitals und der Stimmrechte. Insgesamt hält Terex per vergangenem Mittwoch – ein aktuellerer Stand liegt noch nicht vor – damit nun 1,02% an den Düsseldorfern. Bis die Übernahme möglicherweise zu Stande kommt, ist es also noch ein weiter Weg. Denn Terex hat die Mindestannahmeschwelle auf 51% festgelegt. Die Aktionäre haben noch bis zum 30. Juni Zeit, ihre Aktien zu verkaufen.

Keine allzu großen Hoffnungen darf sich der Kaufinteressent auf die Aktien von Demag-Cranes-Großaktionär Cevian machen. Die Schweden, die gut 10% an den Nordrhein-Westfalen halten, haben ihrem Unmut über die Offerte bereits öffentlich Luft gemacht und das Angebot als “vollkommen unzureichend” abgelehnt. Terex bleibt bislang aber eisern: Chef Ronald DeFeo hatte zuletzt vor gut einer Woche einen Nachschlag ausgeschlossen: “Dann würde ich Demag lieber nicht haben wollen, als dass wir zuviel bezahlen.”

Mit der Einschätzung, dass die Offerte zu niedrig ist, stehen Vorstand und Aufsichtsrat von Demag Cranes nicht alleine da: Auch viele Analysten, so beispielsweise Thomas Rau von Warburg Research, sehen das so. Branchenkenner Rau kommt auf einen fairen Wert der Demag-Cranes-Aktie von mindestens 54 Euro. Noch nicht eingerechnet sind dabei die Chancen, die sich aus der geplanten Allianz mit der chinesischen Weihua ergäben sowie mögliche Großaufträge im Hafentechnologiebereich. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren sieht Rau das Kursziel sogar über der Marke von 60 Euro.

Vor allem die angepeilte Partnerschaft mit Weihua hält Rau für einen “Riesenschritt”: “Damit kann Demag Cranes in eine vollkommen neue Dimension vordringen”, sagte der Analyst. Anfang des Jahres hatte Demag Cranes nach langer Partnersuche angekündigt, einen Minderheitsanteil an Weihua, einem der größten Kranhersteller Chinas, übernehmen zu wollen. Dieser soll mittelfristig auf eine Mehrheit aufgestockt werden.

Der Premiumanbieter Demag Cranes und die Chinesen, die eher im unteren Preissegment angesiedelt sind, wollen gemeinsam von der rasant wachsenden Nachfrage nach Mittelklasse-Kränen im Reich der Mitte und in Indien profitieren. Branchenexperten sehen das dortige Marktvolumen bei bis zu 2 Mrd Euro pro Jahr.

Um Demag Cranes ranken sich seit geraumer Zeit Übernahmespekulationen. Im Oktober vergangenen Jahres hatte Weltmarktführer Konecranes öffentlich Interesse an am Kauf des Wettbewerbers bekundet und wollte damit ein europäisches Schwergewicht schmieden. Demag Cranes setzte sich allerdings gegen die Begehrlichkeiten zur Wehr und begab sich seinerseits auf Partnersuche. Auch Terex wurde seinerzeit mehrfach Interesse nachgesagt.

Grundsätzlich abgeneigt gegenüber einem Verkauf scheint die Demag-Führungsriege allerdings nicht zu sein. Jeweils Anfang 2008 und 2009 verhandelte das damalige Management mit Finanzinvestoren über eine mögliche Übernahme, wie Dow Jones Newswires am Montag von einem Insider erfuhr. Seinerzeit stand die Demag-Aktie deutlich niedriger. Die Finanzkrise machte den Beteiligten aber einen Strich durch die Rechnung, die Transaktion kam bekanntlich nicht zu Stande.