Der Diesel-Frontstapler RX 70-25 verbraucht pro Stunde lediglich etwa 2,5 l/h und hat einen

Der Diesel-Frontstapler RX 70-25 verbraucht pro Stunde lediglich etwa 2,5 l/h und hat einen regenerativen Rußpartikelfilter. (Bild: Still GmbH)

Peter Springfeld

Hamburg (rm). In Stahlgießereien herrschen raue Betriebsbedingungen. Die zu transportierenden Gussteile sind schwer und in der ersten Phase des Transports mit Staub und Zunder überzogen. Um Ausfälle infolge von außergewöhnlichen Belastungen und unsachgemäßem Gebrauch zu vermeiden oder zu vermindern, rüstete Still die beiden zuletzt gelieferten Diesel-Frontstapler mit einem elektronischem Zugangs-Kontrollsystem ECS und einem Stoß-Sensor SHD aus.

Zur Produktpalette der Stahlgießerei gehören Stahlgussteile für Bergbau-Ausrüstungen, Baumaschinen, Schienenfahrzeuge, Kraftwerks- und Feuerungsanlagen, Pumpen und Armaturen, Walzwerke und Energieanlagen. Dazu zählen Teile für schwere Tagebaubagger oder Schwerlastkrane, die unter anderem Windenergieanlagen aufstellen.

Dies können einzelne Kettenglieder sein, aber auch vollständig montierte Fahrketten. Darüber hinaus gießt und bearbeitet SHB unter anderem Bodenplatten und Knotenstücke. Sie verbinden die Zugstangen der Krangerüste und nehmen hohe Zugkräfte auf.

Der gesamte Transport der jährlich 8 500 t Stahlgussteile und der Verbrauchsmaterialien wird mit den Staplern durchgeführt. Sie müssen daher jederzeit einsatzbereit sein, um störungsfreie Produktionsprozesse und den pünktlichen Versand der Gusserzeugnisse zu unterstützen. Und das trotz der großen Hitze sowie der Staub- und Zunderbelastungen durch die Gussteile.

Um Betriebsmittel und Ersatzteile auch in Lagerregale ein- und auslagern zu können, hat der zuletzt angeschaffte Stapler RX 70-25 eine Hubhöhe von 3 020 mm. Je nach Hubgerüst-Ausstattung sind bei diesen Staplern Hubhöhen bis 7 780 mm möglich.

Seit 1990 transportieren Still-Stapler bei SHB Gussstücke und versorgen die Formerei mit Formsand oder Verbrauchsmaterialien. Beispielsweise mit isolierendem Feuerfestmaterial, das den Erstarrungsprozess des flüssigen Stahls in den Formen verzögert. Für den Materialfluss sind aktuell Diesel-Gabelstapler mit Tragfähigkeiten von 2,5 bis 6 t sowie Elektro-Stapler mit Tragfähigkeiten von 1,5 bis 5 t im Einsatz. Zur Flotte gehören darüber hinaus Elektrowagen R 08-12 mit einer Tragfähigkeit von 1,2 t sowie Elektro-Hochhubwagen EGV 14 mit einer Tragfähigkeit von 1,4 t.

Die Stapler transportieren die Gussstücke zu den jeweiligen Arbeitsstationen. Beispielsweise zum Brennen, wo das Gieß- und Speisersystem von Gussstück abgetrennt wird. Es hilft bei der konturengenauen Erzeugung der Gussstücke, hat aber keine weitere Funktion und wird nach dem Abtrennen wieder eingeschmolzen.

Vom Brennen bringen Stapler die Rohgussteile zur Putzerei; nach dem Putzen zum Strahlen oder zur Warmbehandlung und danach zum Strahlen. Auf der Strecke zum Strahlen transportieren die Stapler Gussstücke mit Temperaturen bis zu 400 °C. Erneut rücken die Stapler an, um die jetzt sauberen Gussstücke als Halbzeuge zum Versand zu bringen und sie in einem Zwischenlager abzulegen.

Oft erfolgt nach dem Fertigstrahlen eine mechanische Bearbeitung. Den Transport zu den entsprechenden Werkzeugmaschinen übernehmen ebenfalls die Stapler. Sie transportieren die fertig bearbeiteten Gussstücke dann zur Montage und die montierten Fertigprodukte schließlich in den Warenausgang.

Wie in den Produktionshallen herrscht auch im Warenein- und -ausgang ein reger Staplerverkehr. Neben der Lkw-Beladung führen die Stapler auch die Entladearbeiten durch, vor allem den Umschlag von Betriebsmitteln, Ersatzteilen und Hilfsstoffen.

SHB wollte Ausfälle durch vermeidbare außergewöhnliche Belastungen und unsachgemäßem Gebrauch der Stapler reduzieren. Deshalb integrierte Still zwei zusätzliche Sicherheitsmodule in die beiden zuletzt gelieferten Dieselstapler RX 70-25 und R 70-50. Es handelt sich dabei um das elektronische Zugangs-Kontrollsystem ECS und um einen Stoß-Sensor (Schock-Detektor) SHD von Elokon. Übersteigt die gemessene Beschleunigung einen vorher definierten Wert, kann zum Beispiel das Fahrzeug zum Stillstand gebracht, eine Blitzleuchte eingeschaltet oder die Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeuges reduziert werden.

Für das System ECS erhält jeder der berechtigten Fahrer eine personengebundene Chipkarte. Den Stapler kann man zwar wie gewohnt starten. Aber erst, wenn der Fahrer seine Chipkarte über das elektronische Zugangssystem hält, kann er das Fahrzeug auch bewegen. Über den Transponder in der Chipkarte meldet sich der Fahrer beim System ECS berührungslos an. Es speichert alle Daten und weiß, wer den Stapler fährt, wann und wie lange der angemeldete Fahrer fährt. Benötigt man noch höhere Sicherheitsanforderungen, lässt sich die Freigabe durch eine PIN-Bestätigung weiter erschweren.

Bei SHB sind der Stoß-Sensor und das Zugangs-Kontrollsystem ECS miteinander verbunden. Bei einem starken Stoß gegen ein Hindernis verhindert ECS die Weiterfahrt. Gleichzeitig protokolliert es die Daten. Nur eine berechtigte Person kann mit Hilfe eines Master-Transponders den normalen Betriebszustand wieder herstellen. Besteht die Notwendigkeit, nach einem ausgelösten Schocksignal sofort weiterfahren zu müssen, beispielsweise um weitere Kollisionen zu verhindern, kann der Master-Transponder auch an Bord mitgeführt werden.

Jedes Stoßereignis, das eine hohe Gewalteinwirkung signalisiert, soll mit dem Sicherheitssystem vermieden werden. Gelingt dies nicht, dann sind verbogene Gabeln und Staplerreparaturen ebenso die Folge wie deren Ausfall. Im täglichen Betrieb bei SHB hat es sich jedenfalls herausgestellt, dass die Umschlags- und Transportleistungen gleich bleiben, auch wenn die Stapler etwas feinfühliger gefahren werden.

Die verbrauchsarmen Diesel- und Treibgasstapler arbeiten mit Hybridtechnik-Antriebskomponenten zuverlässig in rauer, feuchter oder staubiger Umgebung. Der Motor treibt dabei einen Drehstromgenerator an. Dieser erzeugt elektrische Energie und versorgt den gekapselten Drehstromfahrmotor.

Die Stapler haben niedrige Betriebskosten, unter anderem wegen der langen Wartungsintervalle und des geringen Kraftstoffverbrauchs. Das kürzteste Wartungsintervall beträgt 1 000 Betriebsstunden. Beim Modell RX 70-25 liegt der Dieselkraftstoff-Verbrauch bei 2,5 l/h, gemessen bei 60 Lastspielen/h gemäß VDI 2198. Der geringe Energieverbrauch sowie die Ausstattung mit einem regenerativen Rußpartikelfilter vermindern die Schadstoffemissionen und unterstützen so den umweltfreundlichen Betrieb.