HAMBURG (ks). Größte Baustelle ist die Einführung eines laufenden Monitorings, das die ständige Einhaltung der Fristen und Vorschriften sicherstellt. Viele Logistikfirmen hinken hier hinterher. und riskieren damit horrende Bußgelder.  Das berichtet die Unternehmensberatung Nielsen+Partner in einer aktuellen Marktuntersuchung.

In Slowenien werden beispielsweise bis zu 125.000 Euro fällig, wenn Importe nicht deklariert werden. Wenn auch nur 10% Güter im ersten Monat nicht angemeldet sind, kommen auf die Logistikbranche schnell Strafzahlungen im Millionenbereich zusammen.

Als Vorbereitung auf die neue EU-Anmeldung für Importe, das so genannte Import Control System (ICS), konzentrierte sich die Branche bislang auf die Umsetzung der elektronischen Warenanmeldung. Mit der Übermittlung der Daten an die nationalen Zollbehörden ist es allerdings nicht getan. Die Unternehmen müssen die ordnungsgemäße Abgabe der Anmeldung ständig überwachen und nahtlos in die Abläufe integrieren.

“Auf Knopfdruck muss jederzeit klar ersichtlich sein, ob die Ware verschifft werden darf, ob sämtliche für ein Schiff, Flugzeug oder LKW gebuchten Güter angemeldet sind, wie das Vorgehen bei einem Verladeverbot oder Verzögerungen organisiert ist und welche Eskalationsstufen es gibt”, sagt Sven Mathes von Nielsen+Partner. Eine Lösung ist ein elektronisches Monitoring mit umfangreichen Such- und Filterfunktionen. Es hat alle Sendevorgänge zur Nachweisführung im Blick und schlägt Alarm, wenn es zu fehlerhaften Nachrichten kommt bzw. wenn Anmeldefristen überschritten werden. “Nur so behalten die Logistikunternehmen bei der Masse an Transportvorgängen den Überblick und vermeiden Strafen, weil sie Anmeldungen versäumt bzw. nicht fristgerecht abgegeben haben”, so Mathes.

Verschärfte Import-Regeln trifft die Branche nicht überraschend

Wie teuer eine nicht vorschriftskonforme Anmeldung ausfallen kann, zeigt die Verschärfung der Import-Regelungen in den USA. Für ein nicht angemeldetes Containerschiff wurden von den US-Behörden bis zu zweistellige Millionenbeträge von deutschen Unternehmen gefordert. Die Verschärfung war eine Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001. Alle Reedereien wurden verpflichtet, die an Bord befindlichen Waren spätestens 24 Stunden vor Verladung anzumelden. Die Umsetzung erforderte eine komplette Umstellung der logistischen Prozesse, die bei etlichen Unternehmen nicht auf Anhieb gelang.

Hintergründe zur EU-Zollsicherheitsinitiative

In den letzten neun Jahren haben verschiedene Länder, wie USA, Kanada, China und Mexiko, Verfahren zur Risiko- und Gefahrenabschätzung eingeführt. Die EU folgt diesen Beispielen. Das so genannte Import Controll System (ICS) ist seit 1.1.2011 verpflichtend. Alle an Bord eines Verkehrsmittels (Schiff/Flugzeug/LKW/Bahn) befindlichen Güter müssen vor Ankunft an der EU-Außengrenze mittels einer “Entry Summary Declaration” (ENS) angemeldet werden. Diese werden einer Risikoanalyse unterzogen. Bei Bedarf können entsprechende Maßnahmen bis hin zum Verladeverbot ausgesprochen werden. Sanktionen bei Nichtabgabe oder fehlender Deklaration bleiben den EU-Mitgliedsstaaten überlassen. Selbst wenn einige Länder (z.B. Österreich) ausdrücklich auf Sanktionen verzichtet haben, ist dort zumindest mit Verzögerungen im Transport zu rechnen, wenn eine ENS nicht abgegeben wird. Denn nach EU-Recht darf Ware, die nicht angemeldet wurde, nicht entladen werden. Andere Länder sehen dagegen hohe Strafe vor, beispielsweise Slowenien mit bis zu 125.000 Euro.