5 m weg vom Theater Meiningen wurde eine historische Giebelwand versetzt. (Bild: Konecranes GmbH)

5 m weg vom Theater Meiningen wurde eine historische Giebelwand versetzt. (Bild: Konecranes GmbH)

LANGENHAGEN (rm). Das Abtrennen und Versetzen der historischen Giebelwand vom Gebäude ist Teil der Generalsanierung der Spielstätte. Dazu verwendete Konecranes eine Spezialtechnik, das Fluid-Transport-System, das ansonsten insbesondere beim Verschieben von Brücken, Hafen- und Werftkranen sowie von Schiffen eingesetzt wird.

Das exakte Verfahren funktioniert nahezu reibungsfrei mit geringem Kraftaufwand, was für das Verschieben der empfindlichen Außenwand sehr wichtig war. Ob komplette Hafenkrane, Brücken, Kreuzfahrtschiffe oder gar Gebäude versetzen – der Einsatzbereich des Fluid-Transport-Systems (Fluidts) ist vielfältig.

Um Raum für eine Hinterbühne zu schaffen, sollte die Giebelwand von dem Gebäude abgetrennt und um 5 m nach hinten versetzt werden. Der Einsatz des Fluid-Transport-Systems war für das Theater Meiningen deutlich kostengünstiger und sicherer, als die historische Wand Stein für Stein abzutragen und originalgetreu wieder aufzubauen. Erarbeitet wurde das Konzept zur Verschiebung der Wand gemeinsam von Konecranes und der Baufirma Bennert aus Hopfgarten, einem Spezialisten für Denkmalsanierung und Restaurierung.

Acht Lastmodule wurden in einer Grube unter der abgetrennten Wand angebracht. Sie trugen die 20 m hohe und 17 m breite klassizistische Giebelwand, die zur Stabilisierung von einer Stahlkonstruktion eingefasst war – insgesamt 520 t. Dank dem Stickstoff in der Hydraulik der Lastmodule schwebte die historische Wand zweieinhalb Stunden lang gut zwei Zentimeter über dem Boden – weg vom restlichen Gebäude.

Mit einem Reibungswert von maximal 1 % verlief die Translozierung, das heißt die Verschiebung denkmalgeschützter Gebäudeteile, somit nahezu reibungsfrei. Neigungs- und Wegsensoren überwachten synchrones Anheben, Statik, gleichmäßiges Gleiten und Ablegen der Mauer – bei einer Geschwindigkeit von etwa 35 mm/min auf den vier installierten Gleitbahnen.

Die historische Spielstätte erhält dank der verschobenen Giebelwand eine Hinterbühne. So sind dann Kulissenwechsel, Bühnenbildaufbau oder Proben parallel möglich.

Das Fluid-Transport-System ist vor allem für große und schwere Objekte im Einsatz. Konecranes setzt damit Krane in Häfen um, verschiebt Brücken, Gebäude, Tunnelvortriebsmaschinen oder transportiert Schiffe aus der Werft ins Wasser. Im Oktober 2010 verrückte man die 4 000 t schwere Kolkbrücke bei Dessau um 30 m, womit eine Lücke der Eisenbahnstrecke zwischen Dessau und Rosslau geschlossen wurde. Im September 2010 wurde ein 9 800 t schweres Schiff mit 68 Lastmodulen 145 m weit transportierten.