Biobasierte Kunststoffe helfen nicht nur, Erdöl einzusparen, sie besitzen oft auch gefragte

Biobasierte Kunststoffe helfen nicht nur, Erdöl einzusparen, sie besitzen oft auch gefragte Eigenschaften (Bild: BASF AG).

von Susanne Bader

LANDSBERG (ks). Die Welt der nichtmetallischen Werkstoffe ist im Aufbruch. Nicht nur, dass die Umweltverträglichkeit von Kunststoffen vermehrt auf dem Prüfstand steht, auch die so genannten Megatrends werden laut einer aktuellen Studie von Frost & Sullivan in den kommenden Jahren dazu beitragen, dass neue chemische Produkte gefragt sind. „Megatrends haben einen großen Einfluss auf die künftige Richtung der Chemie- und Werkstoffindustrie“, sagt Brian Balmer, Industry Principal bei Frost & Sullivan. Beispielsweise werde die Entwicklung pflanzenbasierter Rohstoffe, die Erdöl ersetzen, bis zum Jahr 2020 der wichtigste Trend in der Chemieindustrie sein. Die Kunststoffindustrie hat bereits reagiert und arbeitet an der Entwicklung biobasierter Standardkunststoffe, deren Grundstoff z.B. Stärke, Cellulose oder Milchsäure ist. Die neuen Werkstoffe haben nicht nur den Vorteil, dass sie als umweltfreundlicher gelten, einige von ihnen weisen auch vorteilhafte Eigenschaften auf, wie etwa eine gute Dampfdurchlässigkeit oder Bedruckbarkeit.

Der Verband European Bioplastics schätzt das jährliche Produktionspotenzial für Biokunststoffe bis zum Jahr 2020 auf circa 3 Mio t. Dies entspräche rund einem Prozent des weltweiten Kunststoffmarktes. Rund 20 % davon könnten in Deutschland produziert werden, heißt es. Die BASF AG hat erst vor kurzem auf die gestiegene Nachfrage reagiert und die Kapazität ihrer Anlage zur Produktion des biologisch abbaubaren Kunststoffes Ecoflex in Ludwigshafen von 14 000 auf 74 000 t / Jahr erweitert.

Ecoflex wird vorwiegend für Tragetaschen und Folien verwendet. Längst sind es aber nicht mehr nur Verpackungen, für die biobasierte Kunststoffe genutzt werden. Sie finden Eingang in die Bauwirtschaft, den Fahrzeugbau und die Elektronik. „Coca-Cola, Samsung, Hyundai und immer mehr renommierte Unternehmen setzen auf Biokunststoffe“, sagt Andy Sweetman, Vorstandsvorsitzender des Verbandes European Bioplastics. So besteht ein Handy von Samsung aus einem Kunststoff, der aus Mais gewonnen wurde und im Hyundai Blue-Will sind innen und außen Teile aus Bioplastik verbaut.

Jedoch sind Polymere auf Basis erneuerbarer Ressouren bezüglich ihrer Treibhausgasbilanz nicht „per se besser als konventionelle Kunststoffe“, konstatiert eine Studie des Verbandes PlasticsEurope. „Wenn der Anbau der Biomasse in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht, kann eine technische Nutzung fragwürdig sein“, sagt Dr. Harald Häger, Evonik Degussa GmbH, dessen Unternehmen Polyamide aus Basis von Rizinusöl herstellt. Als tragfähigste Lösung erscheine „das ausgewogene Nebeneinander fossilbasierten und biologischer Rohstoffe“, denn auch neue Biomasseströme müssten professionell gemanagt werden.

erschienen in Produktion Nr. 23-24, 2011