Deutsche OEMs wie BMW mit dem Megacity Vehicle wollen den Rückstand beim Batterie-Know-how durch

Deutsche OEMs wie BMW mit dem Megacity Vehicle wollen den Rückstand beim Batterie-Know-how durch neue Konzepte und Joint-Ventures aufholen (Bild: BMW, Dmitry Sunagatov-Fotolia).

Von Markus Strehlitz

LANDSBERG (fr). 2012 und 2013 sind die Jahre, in denen die deutschen Automobilhersteller beim Thema Elektromobilität durchstarten wollen. Dann werden Daimler, BMW, VW und Audi entsprechende Modelle auf den Markt bringen. Viele Experten wie Norbert Wittemann, Geschäftsführer des Beratungshauses PRTM, sehen die deutschen OEMs daher im internationalen Vergleich im Hintertreffen. Denn mit dem i-MiEV produziert Mitsubishi bereits ein Elektroauto in Serie. Der Nissan Leaf wird in Europa Ende dieses sowie Anfang des nächsten Jahres erwartet. Und gleich drei E-Fahrzeuge hat Renault für 2011 angekündigt.

Vor allem beim größten Kostenfaktor – der Batterietechnik – fehlt es den OEMs hierzulande an Know-how. In diesem Bereich sind asiatische Anbieter führend. Vor allem japanische Hersteller bauten bereits früh entsprechendes Wissen auf, da die OEMs ihres Landes schon seit Ende der 90er Jahre in Hybridtechnologie investieren.

 

Alle deutschen Automobilproduzenten kooperieren daher bei Elektrofahrzeugen mit asiatischen, aber auch mit US-amerikanischen Batteriespezialisten. Mit SB Limotive nutzt BMW zwar die Batteriezellen eines Joint-Ventures, an dem mit Bosch auch ein deutscher Zulieferer beteiligt ist. Doch bei diesem Zusammenschluss ist der koreanische Partner Samsung laut Wittemann für den technologischen Part zuständig.

Auch hierzulande Batterie-Know-how

Die deutschen OEMs arbeiten aber daran, Batterie-Know-how auch hierzulande aufzubauen. Gemeinsam mit Evonik betreibt Daimler die Unternehmen Li-Tec und Accumotive, die für die Herstellung von Batteriezellen beziehungsweise die Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien für Autos zuständig sind. Im Smart Fortwo electric drive, der 2012 in Großserie auf den Markt kommt, soll die Technik eingesetzt werden. Daneben kooperiert VW mit dem deutschen Batteriehersteller Varta Microbattery. Ziel ist auch hier die Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge.

Laut dem Consulting-Unternehmen Roland Berger investieren die Zulieferer Bosch und Continental derzeit verstärkt in ihre Forschungsarbeit, um die Dominanz der asiatischen Anbieter in diesem Bereich zu brechen. Und Autoexperte Professor Karl Noreikat geht davon, dass der Rückstand schnell aufgeholt werden kann.

Bei anderen Komponenten des Elektroautos ist deutsche Technik weniger im Hintertreffen. Wenn es um Elektromotoren und Leistungselektronik geht, zählen Bosch und Continental zu den führenden Zulieferern. Continental liefert unter anderem die Steuerelektronik für Hybridfahrzeuge von Daimler und BMW sowie den Elektromotor für die Mercedes A-Klasse E-Cell. Zudem erwartet Wittemann, dass auch Siemens künftig in das Geschäft mit Steuerungselektronik für Elektroautos einsteigen wird.

Beim Leichtbau haben die Deutschen die Nase vorn

Wie in anderen Bereichen versucht BMW auch beim Thema E-Mobilität möglichst viel Kompetenz im eigenen Haus zu sammeln. So planen die Bayern beim für 2013 angekündigten Megacity Vehicle, den Antriebsstrang – bestehend aus E-Maschine, Leistungselektronik und Batteriesystemen – selbst zu entwickeln. Die E-Maschine soll auch von BMW selbst produziert werden.

Um auch das Gewicht des Fahrzeugs den Anforderungen des Elektroantriebs anzupassen, arbeitet BMW beim Megacity Vehicle mit kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK). Unter anderem wird die Fahrgastzelle aus diesem Material bestehen. Dazu hat der bayerische Autobauer ein Joint-Venture mit dem deutschen Kohlenstoff-Spezialisten SGL Carbon gegründet. Laut BMW ist der Einsatz dieses Werkstoffs in dieser Größenordnung bei einem Großserienfahrzeug bisher einzigartig. In kleinerem Umfang wird auch Audi CFK in seinem e-tron einsetzen. Beim Leichtbau könnten sich die deutschen OEMs sogar einen kleinen Vorteil erarbeiten, denn weltweit halten die meisten Hersteller noch an konventionellen Komponenten bei der Materialauswahl fest.