Im zweiten Quartal fiel erneut ein Verlust an. Die Nordex SE will nun die strukturellen Kosten kurzfristig um 50 Mio Euro senken.

Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires

DÜSSELDORF (DJ/gk). Das Geschäft des Windradbauers Nordex hat sich dank der Nachfrage in den USA stärker als erwartet belebt. Allerdings bekommt das Unternehmen die Profitabilität nicht in den Griff. Hohe Kosten und Preisdruck hätten auf dem Ergebnis gelastet, teilte die Nordex SE am Donnerstag mit. Es entstand ein Verlust, das Gewinnziel wird nicht erreicht, Mitarbeiter müssen gehen. Neben dem Geschäft in Asien wird nun auch im Offshore-Bereich ein Partner gesucht.

Im zweiten Quartal erzielte das Unternehmen aus Hamburg Erlöse von 220 Mio Euro. Insgesamt waren das 15% mehr als im Vorjahr und knapp 40 Mio Euro mehr als im Auftaktquartal zu Jahresbeginn. Vor Zinsen und Steuern (EBIT) verdiente Nordex 1,2 Mio Euro, der Konzern führte für den geringen Gewinn hohe Strukturkosten und Preisdruck an. Die von Dow Jones Newswires befragten Analysten hatten mit einem Anziehen des Geschäfts auf 207 Mio Euro und einem EBIT von 3,6 Mio Euro gerechnet. Unter dem Strich steht ein Verlust von 2,2 Mio Euro.

Vor allem in den USA, wo Nordex seit 2010 ein eigenes Werk betreibt, fasst das Unternehmen immer stärker Fuß. Der Umsatz dort hat sich im ersten Halbjahr mehr als verdoppelt, der Anteil an den Konzernerlösen liegt mittlerweile bei einem Viertel. Doch der Erfolg ist teuer erkauft. “Zum Teil extreme Kampfpreise” würden dort von der Konkurrenz aufgerufen, erklärte der Vorstandsvorsitzende Thomas Richterich. Die Windenergie stehe in direktem Wettbewerb mit günstigen Energieträgern wie etwa Schiefergas, was den Margendruck verschärft.

Diese Entwicklung scheint das Unternehmen überrascht zu haben. Noch im März gab Richterich an, teilweise auf Aufträge zu verzichten, wenn die Preise nicht auskömmlich seien. Nun sagte er, während man im ersten Quartal noch mit den Preisforderungen durchgekommen sei, habe Nordex im zweiten Quartal vor der Entscheidung gestanden, “entweder gar keine Aufträge zu bekommen oder die Preise entsprechend zu senken”.

Das von Nordex genannte Volumen der Neuaufträge im ersten Halbjahr von über 520 Mio Euro dürften nach diesen Aussagen eher unprofitabel sein. Das Unternehmen rechnet auch nicht mehr damit, in diesem Jahr die EBIT-Marge mit 4% stabil halten zu können. Immerhin hält der Konzern an seinem Ziel fest, bei Umsatz und Auftragseingang rund 1 Mrd Euro zu erreichen. Noch positiv soll das EBIT in diesem Jahr vor Abzug von Sonderaufwendungen sein und sich im nächsten Jahr dann mit leicht steigenden Umsätzen verbessern.

Zur Verbesserung der Profitabilität soll nun Personal abgebaut werden. Kurzfristig sollen die Strukturkosten, zu denen laut Richterich Personalaufwand und etwa Reise- und Beratungskosten gehören, kurzfristig um 50 Mio Euro gesenkt werden. “Ohne Kündigungen wird es nicht gehen”, sagte der Manager. Wieviele Arbeitsplätze von der Sparrunde betroffen sind, wollte Richterich nicht sagen. Die 50 Mio Euro entsprächen rund einem Viertel der Strukturkosten. Nicht der ganze Betrag solle beim Personal eingespart werden, erklärte der Manager, der die Zahl der Mitarbeiter in “im wesentlichen betroffenen” Europa auf etwa 2100 bezifferte.

Neben der strafferen Aufstellung treibt Richterich, der in knapp elf Monaten sein Amt abgibt, ein zweites Projekt voran. In Asien und im Offshore-Geschäft, wo Nordex bisher nicht vorankommt, sucht er Partner. In China befinde man sich “in guten Gesprächen” mit Interessenten, sagte er. Bei Windrädern für den Meereseinsatz schwebt Richterich eine Zusammenarbeit mit einem größeren Unternehmen etwa aus dem Bausektor vor.

Laut Richterich ist Nordex zu klein für die momentan noch hohen Risiken des Offshore-Geschäfts. “Die Kunden wollen derzeit am liebsten mit Großunternehmen wie Siemens zusammenarbeiten”, sagte er. Unternehmen “mit großen Bilanzen”, die Fundamente für Windräder im Meer legten oder Schiffe bauten, könnten an Nordex-Technologie interessiert sein. Ziel ist hier wie in China die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens.