Von Sabine Spinnarke

Was macht futurasol?

Futurasol hat sich darauf spezialisiert schlüsselfertige Solarkraftwerke auf Industriedächern zu bauen. Unsere Anlagen liegen in der Regel im Leistungssegment von 100 kWp bis 1 MWp. Um entsprechend der jeweiligen Wünsche und Anforderungen das Preis-Leistungsverhältnis unserer Kunden zu optimieren, verbauen wir Solarmodule europäischer, amerikanischer  und asiatischer Hersteller.

Ausgezeichnet. Wir haben im ersten Halbjahr 25 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 2,5 MWp realisiert.

 

 

Deutsche Photovoltaik-Unternehmen leiden unter hohem Preisdruck und Konkurrenz aus Asien, wie stehen die Chancen am Standort D?

Ich würde es schon fast als frech bezeichnen, dass deutsche Modul-Hersteller jammern. Der  amerikanische Hersteller First Solar hat jüngst bewiesen, dass es auch anders geht: Er hat in Deutschland eine Modul-Fabrikation auf die grüne Wiese gestellt, die sich bereits nach eineinhalb Jahren komplett amortisiert hat. Zwar fertigt First Solar nach einem anderen, einem günstigeren Herstellungsverfahren, die Frage ist aber, warum deutsche Hersteller das nicht tun?

Wo sehen Sie die Fehler?

Ich sehe ganz klare Strategie-Fehler des Managements. Die Firma First Solar verfolgte  von Anfang an aggressiv das Ziel, innerhalb kürzester Zeit Produktionskapazitäten in Höhe von einem Gigawatt pro Jahr zu erreichen – und das zu einem Zeitpunkt, als die gesamte Welt-Produktion gerade mal ein Gigawatt betrug. Branchenkenner sind sich sicher, dass First Solar sich das eigene Wachstum teilweise vom Kunden finanzieren lässt. Das war ein beachtlicher Schachzug.

StephanDautel1Gibt es keinen bedeutenden Zellhersteller in Deutschland?

Doch, Q-Cells ist im Bereich der Zellfertigung einer der größten Hersteller – eine deutsche Erfolgsgeschichte.

Wie war da die Entwicklung?

Im Jahr 2000/2001 waren die deutschen Hersteller betrübt, weil mit Sharp ein japanischer Hersteller den Markt betrat. Und zwar mit Kampfpreisen, die  20 % unter dem deutschen Preisniveau lagen. Darauf reagierten deutsche Hersteller teilweise ziemlich heftig und setzten Händler unter Druck, keine Sharp-Module ins Portfolio aufzunehmen. Diese Strategie hat sich nicht ausgezahlt: Sharp ist heute als Topmarke etabliert und einige Deutsche von damals sind verschwunden. Der nächste Einschnitt ereignete sich dann vor etwa vier Jahren: Es tauchten in großer Menge chinesische Module auf dem Markt auf. Die Händler hatten anfangs Angst, in Gewährleistungsfällen von den chinesischen Herstellern im Stich gelassen zu werden. Inzwischen sind chinesische Hersteller etabliert und haben wesentlich größere Produktionsvolumina wie die Deutschen.

Haben Sie Erfahrung mit chinesischen Modulen? futurasol

Ich habe bis vor kurzem nur deutsche Module verkauft, eben auf Grund der Gewährleistungsproblematik. Dann trat mein erster Gewährleistungsfall ein und ich musste ein halbes Jahr auf die Reklamationsbearbeitung durch einen großen deutschen Hersteller warten. Gleichzeitig verlor ich immer häufiger Aufträge, weil Mitbewerber mit chinesischen Produkten teilweise bis zu 20 % günstiger waren. Seit Ende letzten Jahres fragen unsere Kunden fast keine deutschen Produkte mehr nach, weil sie nicht bereit sind, einen höheren Preis zu bezahlen. Wenn ich mir dann noch die Größe einer chinesischen Trina Solar oder Suntech Power ansehe, traue ich diesen zu, länger am Markt zu bestehen, als einige deutsche Wackelkandidaten.

Wie ist die Qualität ausländischer Module?

Die Module sind nach allem was ich beurteilen kann sehr gut. Auch die Qualitätssicherer der Importeure können an den asiatischen Fertigungsstätten nichts aussetzen.

Und die Preisunterschiede?

Aktuell liegt bei kristallinen Modulen der Preis deutscher Ware in etwa 10 bis 20 % über den Chinesen. Bei Dünnschichtmodulen ist die Nachfrage größer als das Angebot. Was machen die besser? Man muss fragen, warum schaffen das deutsche Hersteller nicht? Solarworld hat beispielsweise eine eigene Silizium-Produktion, das heißt alle Fertigungsschritte liegen fest in Konzern-Hand.  Solar World muss nichts teuer zukaufen. Dennoch können oder wollen sie preislich nicht mithalten. Schott hat nach Aussage von Branchenkennern beispielsweise seine Produktion stark gedrosselt, weil sie offensichtlich nicht in der Lage waren, auf das Preisniveau der Chinesen einzusteigen.

StephanDautel3Muss die Photovoltaik-Industrie gefördert werden?

Gefördert wird der gesamte Energiesektor, auch die konventionellen Ener gieträger. Denken Sie an die Subventionen für die Steinkohle, an die Milliarden zur Erforschung der Kernenergie und allerlei Hilfen beim Bau der Kraftwerke bis hin zur Entsorgung des Atommülls. Laut einer Studie kostet ein Kernkraftwerk in Ontario pro kWp 7 325 kanadische Dollar. Solarkraftwerke in Deutschland kosten weniger als die Hälfte. Fazit: Wenn wir alle Kosten kalkulieren, auch die Auswirkungen des CO2-Ausstoßes der fossilen Brennstoffe auf den Geldbeutel der Steuerzahler, kostet der Strom nun mal 30 bis 40 Cent pro kWh. Dann kann man für Solarstrom auch so viel bezahlen, oder