Die Chemieindustrie hat die Wirtschaftskrise weitgehend überwunden. Bei den meisten Firmen stieg

Die Chemieindustrie hat die Wirtschaftskrise weitgehend überwunden. Bei den meisten Firmen stieg die Kapazitätsauslastung um bis zu 30% (Bild: Gregorz Kwole - Fotolia.com).

Die Chemieindustrie will sich durch eine weitere Verringerung der Bestände besser vor möglichen Absatz- und Rohstoffschwankungen schützen.

Gunnar Knüpffer

DÜSSELDORF. Lieferanten und Kunden aus der Chemieindustrie erwarten, dass die Nachfrage nach ihren Produkten in den nächsten zwölf Monaten weiter zulegen wird. Auch prognostizieren sie steigende Rohstoffpreise. Das ergab eine Befragung von A.T. Kearney, CHE Manager Europe und der westfälischen Wilhelms-Universität Münster. In den vergangenen zwölf Monaten stellten 85 % der befragten Chemieunternehmen eine steigende Nachfrage fest. Bei jedem vierten Unternehmen legte die Nachfrage um mehr als 30 % zu. Auch die Preise für Chemikalien wuchsen deutlich. Zudem berichteten 80 % von einer höheren Kapazitätsauslastung von bis zu 30 %.
Ihre Lagerbestände verringert hat in den vergangenen zwölf Monaten über die Hälfte der Befragten beider Gruppen. „Dies ist eine Lehre aus der Wirtschaftskrise, sagte der Senior Manager in der Chemie und Öl Practice von A.T. Kearney, Dr. Marc Vathauer. „Viele Unternehmen hatten bereits während des Konjunkturabschwungs ihre Bestände deutlich gesenkt.“ Durch einen weitere Verringerung versuchten die Unternehmen, sich besser vor möglichen Absatz- und Rohstoffschwankungen zu schützen. Haben viele Lieferanten in der Krise hauptsächlich ihre eigenen Prozesse und Strukturen optimiert, so wollen sie derzeit vor allem maßgeschneiderte Angebote für ihre Kunden erstellen. In den vergangenen Jahren versuchten Chemieunternehmen und insbesondere Spezialitätenanbieter, sich durch ein immer differenzierteres Produktangebot von ihren Wettbewerbern zu unterscheiden. Dies trieb die Produktions- und Logistikkosten in die Höhe. „Chemieunternehmen versuchen derzeit, intensiv zu verstehen, was aus Sicht ihrer Kunden einen tatsächlichen Wert darstellt und worauf verzichtet werden kann“, sagte Dr. Tobias Lewe, Partner in der Chemie und Öl Practice von A. T. Kearney. Sie wollten interne Prozesse und Abläufe so standardisieren, dass Komplexität dort reduziert wird, wo sie für den Kunden keinen Mehrwert darstellt.
„Es empfiehlt sich, bei der Umweltbilanz aufzuholen, da die Verpflichtung zu mehr Umweltschutz durchaus die Mühe lohnt“, sagte Dr. Lewe. Denn nachhaltige Chemiefirmen haben eine um 7 % höhere Aktien-Performance, ergab eine A.T.-Kearney-Studie.