Der jährliche Fabrik-des-Jahres-Kongress anlässlich der Preisverleihung hat sich als ein

Der jährliche Fabrik-des-Jahres-Kongress anlässlich der Preisverleihung hat sich als ein Treffpunkt der deutschsprachigen Produktionselite etabliert (Bild: Jürgen Claus/Produktion).

Dr. Bernd Schmidt, Principal bei A.T. Kearney

LANDSBERG (gk). Mit dem Kongress zum Wettbewerb am 21. und 22. März 2012 schließt die zwanzigste Runde des jährlichen Benchmark-Wettbewerbs. Damit ist „Die Fabrik des Jahres/GEO“ nicht nur der härteste, sondern auch der traditionsreichste Wettbewerb dieser Art:
■ Vor 20 Jahren erschien “The machine that changed the world” in Deutschland. Kernaussage des Buches: Konzepte der schlanken Produktion ermöglichen japanischen Unternehmen signifikante Wettbewerbsvorteile. Die führende Position deutscher Unternehmen in der Produktion ist  massiv bedroht.
■ Vor diesem Hintergrund starteten 1992 die Wirtschaftszeitung Produktion und die Managementberatung A.T. Kearney den Wettbewerb „Die Fabrik des Jahres“. Ein industrieübergreifender Benchmark-Wettbewerb sollte den Aufholprozess beschleunigen und helfen, die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandortes Deutschland zu stärken.
■ 1999 wurde der Wettbewerb durch die Experten von A.T. Kearney inhaltlich erweitert und mit der Einführung des GEO (Global Excellence in Operations) – Award werden zusätzlich zur Auszeichnung „Die Fabrik des Jahres“ Spitzenleistungen über die gesamte Wertschöpfungskette prämiert. Damit wurde gleichzeitig auch die Internationalisierung des Wettbewerbes eingeleitet.
■ Um der zunehmenden Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Produktion gerecht zu werden, werden seit 2009 Unternehmen auch für besondere Leistung bei Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit ausgezeichnet.
■ In der Zwischenzeit haben unzählige Fabriken diesen Benchmark-Wettbewerb genutzt, um die eigenen Stärken und Schwächen zu analysieren und Verbesserungsprogramme abzuleiten. Die Anzahl der Teilnehmer aus den Nachbarländern am „Die Fabrik des Jahres“- Wettbewerb wächst kontinuierlich. Der jährliche Kongress anlässlich der Preisverleihung hat sich als ein Treffpunkt der deutschsprachigen Produktionselite etabliert.

In den letzten beiden Jahrzehnten ist die deutsche Industrie durch mehrere große Krisen und durch einen enormen Wandlungsprozess gegangen. Das Ergebnis ist verblüffend und viel besser als es die Initiatoren dieses Wettbewerbs vor 20 Jahren hätten vorhersehen können. Die deutschen Produktionsunternehmen stehen heute im weltweiten Vergleich besser und leistungsfähiger da als je zuvor. Wir glauben, dass Initiativen wie „Die Fabrik des Jahres/GEO“ dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet haben.

„Wir sind Papst“ – in der Produktion

“The machine that changed the world” ist mit Sicherheit eines der einflussreichsten Wirtschaftsbücher, die je geschrieben wurden, obwohl es inhaltlich wenig konkrete Empfehlungen oder innovative Ideen enthält. Aber es hat den „Mindset“ in der Produktion verändert. Und was eigentlich als ein Abgesang auf die abendländische Industriekultur gedacht war, wirkte wie eine „Ruckrede“, die zu einer radikalen Erneuerung industrieller Produktion geführt hat. Die Musterschüler dabei waren die Deutschen, so dass das damals wenig vorhersehbare Ergebnis dieses Buches ist, dass heute die deutschen Unternehmen die unangefochtenen Produktionsweltmeister sind. Wenn heute wieder ausländische Studiengruppen deutsche Produktionsunternehmen bereisen und Deutschland mit seiner „old economy“ heute nicht mehr der „kranke Mann Europas“ ist, sondern für seine Innovationskraft und Produktivität bewundert wird, so hat das auch mit der umfassenden Übernahme des Lean Gedanken und einer intellektuellen Führerschaft in der Produktionstechnik zu tun.

Welche Faktoren haben dazu geführt, dass ausgerechnet die deutsche Industrie besonders profitieren konnte:
• Japanische Prinzipien der Einfachheit in der Produktionsorganisation und –steuerung wurden erfolgreich übernommen
• Japanische Systematik im Qualitätsmanagement wurde mit deutschen Qualitätsbewusstsein verbunden
• Entwicklung und Beherrschung modernster Produktionstechnologien in Verbindung mit einem hohen Qualifikationsniveau der Facharbeiter 
• Bewahrung der Fähigkeit zur Beherrschung komplexer Systeme
• Erfolgreiche Internationalisierung der Wertschöpfung in der Produktion nicht nur bei Großkonzernen, sondern auch im Mittelstand
Im Ergebnis sind deutsche Produktionsunternehmen heute große Gewinner der Globalisierung. Für tausende von mittelständischen deutschen Unternehmen ist es nicht nur selbstverständlich, Lean Production auf hohem Niveau zu betreiben, sondern auch globale Standortnetzwerke zu steuern. Auf das Erreichte kann die deutsche Produktionstechnik zu Recht stolz sein. Aber mehr als anderswo gilt hier: Stillstand ist Rückschritt! Nur mit einem kontinuierlichen Streben nach weiteren Spitzenleistungen wird sie sich im wachsenden Wettbewerb mit China, Indien und Korea weiter behaupten können.

Die Fabrik von morgen

Viele Unternehmen haben bei der konsequenten Umsetzung des Lean Production Gedankens und der Beherrschung globaler Wertschöpfungsketten inzwischen eine gute Position erreicht. Wie sieht nun die Fabrik von morgen in Deutschland aus? Worauf müssen Ressourcen und Innovationskraft fokussiert werden? Aufbauend auf einem hohen Niveau operativer Exzellenz als Grundvoraussetzung für Produktion in Deutschland sehen wir folgende Zukunftsthemen für die Gestaltung der Fabrik.
• Treiben von Innovation nicht nur in den Produkten sondern auch in den eingesetzten Produktionstechnologien
• Entwicklung und Realisierung von umfassenden Konzepten zur Ressourceneffizienz nicht nur im Produkt sondern auch in der Produktion, von der Prozessebene bis zur Werksebene.
• Aufnahme und Umsetzung von gesellschaftlichen Trends bei der Arbeitsergonomie, z.B. durch alternsgerechte Montagesysteme
Das Ergebnis ist eine ganzheitliche Gestaltung der Fabrik sowohl als hocheffiziente und ressourcenschonende Arbeitsmaschine als auch als Arbeitsraum und Kreativsphäre, für die darin arbeitenden Menschen. Wer heute noch seine Arbeiter auf öligen Lattenrosten stehend, in düsteren zugigen Hallen schaffen lässt, ist hoffnungslos hinter der Zeit zurück.

Auch hier gibt es Unternehmen, die diese Themen bereits energisch adressieren.  Die Preisträger des diesjährigen Wettbewerbs zeigen dazu interessante Realisierungsbeispiele, die die Jury wieder einmal beeindruckt haben.