Jörg Winzenhöller, Autodesk (Bild: Autodesk).

Jörg Winzenhöller, Autodesk (Bild: Autodesk).

von Claus Wilk

Autodesk verfügt jetzt (oder bald??) über eine PLM-Lösung. Warum – im Vergleich zum Wettbewerb – eigentlich so spät?

JW: PLM als Management-Disziplin ist schon über 20 Jahre alt, seit ungefähr 10 Jahren gibt es entsprechende PLM-Lösungen. Unserer Meinung nach sind diese Lösungen jedoch in der Implementierung sowie im Betrieb extrem kompliziert und teuer. Sobald sich Prozesse im Unternehmen ändern, müssen diese PLM-Systeme aufwändig angepasst werden. Autodesk kommt jetzt mit einer modernen, neu entwickelten Lösung auf den Markt, die der Kunde selbst einfach und schnell konfigurieren und ausrollen kann. In der aktuellen Wahrnehmung ist PLM immer noch eng an Datenmanagement und dessen Komplexität gekoppelt. Wir entzerren diese Komplexität, stellen die Synchronität der IT-Infrastrukturen sicher und fokussieren uns mehr auf die klassische Definition von PLM als Management-Disziplin. Damit schaffen wir einen agileren, pragmatischeren Ansatz, der sich verändernden Organisations- und Kooperationsstrukturen anpassen kann, ohne an Skalierbarkeit zu verlieren. Erst jetzt, durch die Verfügbarkeit neuer Technologien wie z.B. Cloud Computing, ist eine solche moderne und flexible Lösungen möglich.

Können Sie Ihren PLM-Ansatz in ein, zwei kurzen Sätzen beschreiben und unseren Lesern damit verdeutlichen, warum Sie gegebenenfalls eine PLM-Lösung von Autodesk den bereits etablierten Lösungen vorziehen sollten?

JW: Der PLM-Ansatz von Autodesk besteht aus zwei wesentlichen Komponenten: Dem klassischen Server basierenden Datenmanagement, das mit unseren etablierten Lösungen aus der Autodesk Vault Familie abgedeckt ist, sowie der Vielzahl an Webapplikationen, die die jeweiligen PLM-Prozesse im Unternehmen abbilden. Diese Webapplikationen sind mit dem im Unternehmen installierten Data Management eng verknüft und können leicht angepasst werden.

Man spricht von First-Mover-Advantages bei Unternehmen, die eine Sache ‚quasi‘ erfinden. Würde Autodesk in Sache PLM von Second-Mover-Advantages sprechen? (im Sinne von: Wir konnten Fehler vermeiden, die andere gemacht haben)

JW: Es war schon immer eine Stärke von Autodesk, komplizierte Technologien zu vereinfachen und damit einer breiteren Anwenderschaft zur Verfügung zu stellen. Bei vielen aktuellen PLM-Einführungen ist das Verhältnis von Software zu softwarenahen Dienstleistungen etwa 1:10. Dieses Verhältnis kehren wir um. Bei uns wird der Aufwand für Konfiguration und Installation minimal sein.

PLM für sich alleine genommen bringt Unternehmen zwar ein paar komplexe Softwareprogramme mehr, aber gerade im Bereich F&E noch lange keine besseren Prozesse. Wer wird in Hinblick auf Autodesk-PLM eine entsprechende Prozessberatung bei den Anwendern vornehmen können? Reicht die Kompetenz Ihrer Vertriebskanäle für PLM aus?

JW: In unserer weltweiten Partnerlandschaft gibt es heute schon eine große Anzahl von Unternehmen, die seit mehreren Jahren erfolgreich Prozessberatung bei unseren mittelständischen Kunden durchführen. Diese Partnerunternehmen sind auch weiterhin eine wichtige Säule in unserem Vertriebskonzept. Zusätzlich bauen wir bei Autodesk selber PLM-Beratungsressourcen auf, die dann mit unseren großen Industriekunden zusammenarbeiten.

Bereits vor einigen Jahren sprachen Verantwortliche bei Autodesk offen über die Bemühungen, mehr Geschäft mit Automobilherstellern und größeren Zulieferern zu machen. Wie weit ist Autodesk in dieser Hinsicht fortgeschritten und glauben Sie, mittelfristig vorhandene Systeme bei OEM’s und größeren Zulieferern mit Autodesk PLM ablösen zu können?

JW: Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unserem PLM langfristig auch Systeme im Automobilbereich ablösen werden. Unser Ziel, mehr Geschäft im Automotive Umfeld zu generieren, setzen wir nach wie vor erfolgreich um. Wir können schon heute bei OEMs und deren Zulieferern hohe zweistellige Wachstumsraten aufweisen. Bei der Markteinführung unseres neusten Produktes für PLM konzentrieren wir uns am Anfang aber ganz klar auf den klassischen Maschinenbau.

Der Maschinen und Anlagenbau als eine der Kernbranchen der deutschen Industrie zeigt sich relativ PLM-resistent – obschon die Unternehmen durchaus von PLM profitieren könnten. Wie werden Sie vorgehen, um die Branche zu missionieren?

JW: Wir haben rund 300 Unternehmen gefragt, warum sie bisher kein PLM eingeführt haben. An erster Stelle der drei Hauptgründe steht der große Aufwand bei unklarem ROI. Ein weiterer Grund für das Zögern sind die hohen Kosten für Software und softwarenahe Dienstleistungen. Schließlich hindert die schwierige Integrierbarkeit in vorhandene IT-Infrastrukturen die Unternehmen bei der Einführung von PLM. Genau hier setzt unsere Lösung an. Durch das moderne und anwenderfreundliche Bedienungskonzept kann der oben beschriebene Aufwand erheblich reduziert werden und – auch dafür ist Autodesk bekannt – der Preis wird deutlich unter dem der Wettbewerbslösungen liegen.