Barbara Bergmeier: Die Leiterin Produktion Fahrwerks- und Antriebskomponenten, BMW Dingolfing,

Barbara Bergmeier: Die Leiterin Produktion Fahrwerks- und Antriebskomponenten, BMW Dingolfing, realisiert „alternsgerechte Arbeitsplätze“. Dafür wird das Werk jetzt mit dem Zukunftspreis des Benchmark Fabrik des Jahres/GEO ausgezeichnet (Bild: BMW).

BMW Dingolfing wird mit dem neuen Zukunftspreis des Benchmark-Wettbewerbs Fabrik des Jahres/GEO für die Einrichtung von alternsgerechten Arbeitsplätzen ausgezeichnet. Produktion sprach mit Barbara Bergmeier, der Leiterin Produktion Fahrwerks- und Antriebskomponenten, BMW Dingolfing, über die von ihr angestrengten Veränderungen.

Sabine Leikep

DINGOLFING (gk). Als Werksleiterin steht auch Barbara Bergmeier der demografisch bedingten Herausforderung stetig alternder Belegschaften am Standort Deutschland gegenüber. Im globalen Wettbewerb muss sie mit ihren Mitarbeitern gegen jüngere Mannschaften bestehen.
Bergmeier leitet seit zwei Jahren die Produktion der Fahrwerks- und Antriebskomponenten an den Standorten Dingolfing, Landshut und Berlin. Die Werksleiterin wechselt ihr Erscheinungsbild blitzschnell vom eleganten Businessdress zum Blaukittel mit Sicherheitsschuhen. In beiden Outfits wirkt sie authentisch.
Die Werksleiterin möchte so viel Zeit wie möglich am Shopfloor verbringen. Das ist bei zahlreichen organisatorischen und repräsentativen Aufgaben nicht immer einfach. Doch scheint es ihr zu gelingen. Wenn Bergmeier über das Werksgelände geht oder die Kantine besucht zeigen die Mitarbeiter keine Berührungsängste. Man wechselt ungezwungen ein paar Worte und lächelt sich zu mit einem freundlichen „Mahlzeit“.
Derzeit läuft die neue Achsgetriebemontage an. 20 Mio Euro investiert die BMW Group in die neue Montagehalle. Bei der Führung ihrer Mitarbeiter legt Bergmeier großen Wert auf das persönliche Gespräch und auf Gestaltungsfreiraum. „Jede Gruppe gestaltet ihre Arbeitsplätze selbst. Erst wenn die Mitarbeiter sagen: Das ist unsere Halle, unsere Montage, dann haben wir es geschafft“.
Schritt für Schritt planen die Teams das Layout der Montagelinien anhand eines Lego-Modells. Mit Hilfe eines Kartonagenmodells in Originalgröße wird die ergonomisch optimale Gestaltung der Arbeitsplätze ermittelt.
Auch bei der Einrichtung von Pausen-, Ruhe- und Aktivräumen bestehen weitreichende Gestaltungsfreiräume. Bergmeier gibt lediglich einen finanziellen Rahmen vor und lässt den Teams freie Hand. „Ich bin noch nie enttäuscht worden“ betont die Werksleiterin von BMW Dingolfing.
Die Erkenntnisse aus dem im Jahr 2007 an einer Linie in Dingolfing gestarteten Pilotprojekt „Produktionssystem 2017“ fließen dort mit ein. Es geht um „alternsrechte“ Arbeitsplätze, die der demographischen Entwicklung gerecht werden. Doch es handelt sich nicht um die Einrichtung eines Schon- oder Seniorenbandes, denn die Anstrengungen richten sich auch und gerade an die jüngeren Mitarbeiter.
Durch den umfassenden Ansatz und die gute Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat hat das Projekt der alternsgerechten Arbeitsplätze laut Bergmeier eine sehr hohe Akzeptanz. Das Verhalten der Führungskräfte sei ein entscheidender Erfolgsfaktor. „Die Menschen schauen schon darauf, ob die Vorgesetzten auch Vorbild sind“, betont sie. Wichtig sei es, zu beweisen, dass man es ernst meint und dass die Maßnahmen nachhaltig sind.
Auch sie habe durch das Projekt dazugelernt, sagt Bergmeier. Wo immer es möglich ist, geht sie zu Fuß, steigt Treppen und in der Werkskantine wählt sie vorzugsweise ein Vollwert-Menü. Für Ausgleichsübungen zur Rückenentlastung liegt im Büro ein Theraband griffbereit.
Wie inzwischen etwa 4 000 Kollegen hat sie den für BMW-Group-Mitarbeiter entwickelten Fitness-Newsletter abonniert. Per E-Mail informieren Physiotherapeuten jeden zweiten Tag, wie man sich am Arbeitsplatz mit einfachen Übungen fit halten kann.
„Führung ist ein wichtiger Beitrag zur Leistungserhaltung“ sagt Bergmeier. Gesundheitsorientiertes Führen bedeutet für sie: Vorleben und Impulse geben. Besonderes Augenmerk legt die Werksleiterin von BMW Dingolfing auf das Erkennen und den Abbau von Stress in der Produktion. Dabei gehe es nicht um „Sozialromantik“, sondern um den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. „Das ist kein Effizienzprogramm, sondern ein gesamtheitlicher Ansatz, der zu Ergonomie, Effizienz und Qualität führt“ betont Bergmeier. Mitarbeiterqualifizierung und Optimierung der Arbeitsplätze zahle sich in jedem Fall aus.