Karten spielen für mehr Führungsdisziplin 1

LEINFELDEN-ECHTERDINGEN (gk). Eine starke Meisterebene geht in Rente. Das Unternehmen wächst derweil massiv. Eine solche Entwicklung stellt ein Unternehmen in puncto Führung vor eine enorme Herausforderung. So geschehen auch bei der Euchner GmbH + Co. KG, einem der weltweit führenden Unternehmen im Bereich der industriellen Sicherheitstechnik. Die nachrückende Führungsebene braucht jetzt Know-how und Handwerkszeug, um der neuen Aufgabe gerecht zu werden. Führungsroutine ist dabei ein wichtiger Aspekt, realisiert durch die so genannte Standard-Management-Arbeit. Euchner kann dabei inzwischen auf beachtliche Erfolge verweisen.
Starke Meister sind nicht selten das Rückgrat der Firma. Wenn sie das Unternehmen verlassen, geht diesem nicht nur Know-how, sondern nicht selten auch ein gutes Stück Führungskultur und -kompetenz verloren. Die nächste Ebene ist zwar fachlich enorm qualifiziert, verfügt aber in der Regel nicht über ausreichend Führungsfähig-keit. Wichtig jetzt: Die neuen Führungskräfte brauchen jede Menge Unterstützung und das richtige Handwerkszeug. Wie muss eine Führungskraft sein und was muss sie können? Dieser Frage stellte sich Euchner. Gemeinsam mit der Lean-Beratung Vollmer & Scheffczyk  wurde in einem Workshop mit dem Top-Management das Idealbild der Euchner-Führungskraft entwickelt und in einem zweiten Schritt mit der nächsten, der neuen Führungsebene verifiziert.
Nun war das Soll definiert und – fast noch wichtiger – alle Führungskräfte hatten sich dazu bekannt. Ein Abgleich zwischen Ist- und Soll-Zustand ergab den entsprechenden Schulungsbedarf: in einem ersten Schritt Moderation und Muda Walk, Problemlösungstechniken und 7Q-Tools.
Wissen ist gut, aber es reicht nicht. Starke Gewohnheiten erschweren die Veränderung in der täglichen Arbeit. Das kennen wir alle. Wie kann es also gehen? Das Rezept: Routine. Euchner setzt  auf die Macht der Gewohnheit. Klingt auf den ersten Blick grotesk, ist aber richtig. Denn nur erfolgreiche Wiederholung kann neue Verhaltensweisen verankern. Was beim Laufen der Trainingsplan, ist in der Führungsorganisation Standard-Management-Arbeit – ein sicheres Werkzeug, mit dem Routine bei neuen Aufgaben geschaffen wird. Euchner hat gemeinsam mit den Führungskräften genau diese regelmäßigen Standardaufgaben festgelegt und auf Aufgabenkarten geschrieben. Die machen die Führungsaufgaben jetzt öffentlich. So kann nicht nur die Führungskraft selbst täglich sehen, was sie für Aufgaben hat. Auch alle anderen Mitarbeiter nehmen Anteil. Das erhöht die Transparenz und schafft eine enorme Glaubwürdigkeit. In regelmäßigen Abständen wird das System reflektiert: Was muss inhaltlich nachgebessert werden, sprich, womit kommt die Führungskraft vielleicht noch nicht zu recht im Tagesgeschäft? Außerdem misst Euchner die Durchführungsquote: Wie viele der Standardaufgaben wurden wahrgenommen? Auf einem Prozessbestätigungsblatt wird dabei die Erledigung der Aufgabe vermerkt. „Bereits nach einigen Monaten beginnt die Management-Routine zu wirken. Bei unserer Durchführungsquote ist noch Luft nach oben, aber wir haben bereits eine wesentliche Verbesserung der Verbindlichkeit in der Führungsarbeit erreicht. Die Standardaufgaben werden von unseren Gruppenleitern tatsächlich nachvollziehbar wahrgenommen. Das erhöht die Zufriedenheit sowohl bei den Vorgesetzten als auch bei den Mitarbeitern“, bestätigt Peter Dieterich, Euchner-Produktionsleiter.
Wichtige Schritte zu erfolgreicher Führungsarbeit:
Rollenbild: In Workshops mit den Top-Führungskräften wird die ideale Führungskraft entwickelt und durch die verschiedenen Führungsebenen verifiziert.
Schulungsbedarf feststellen: Die Abweichung zwischen Ist und Soll definiert den Schulungsbedarf.
Routineaufgaben festlegen: Aus dem Idealbild der Führungskraft definiert das Unternehmen Standard-Führungsaufgaben. Auf so genannten Aufgaben-Karten werden diese öffentlich gemacht.
Regelmäßig SMA-Karten reflektieren: Wichtig ist es, die Karten und die Durchführungsquote zu überprüfen und wichtige Verbesserungsarbeiten anzustoßen.