Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht Lean-Management bei der Umsetzung von Industrie 4.0, fragte die

Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht Lean-Management bei der Umsetzung von Industrie 4.0, fragte die Staufen AG.

Die deutsche Industrie beschäftigt sich verstärkt mit Industrie 4.0-Projekten. Der Anteil der Unternehmen, der bereits umfassend oder in Einzelprojekten auf Industrie 4.0 setzt, stieg vom Vorjahr auf aktuell 35 %. Das besagt der brandneue “Deutsche Industrie 4.0 Index 2015″ der Staufen AG. Die meisten sind wie im vergangenen Jahr davon überzeugt, dass Deutschland die weltweit führende Nation ist, wenn es um das Thema Industrie 4.0 geht. Auf Platz zwei und drei rangieren ebenfalls wie im Vorjahr Japan und die USA.

Trotz des vermeintlichen Platzes an der Weltspitze gibt sich die deutsche Industrie aber durchaus selbstkritisch. So sagen 61 %, dass die Wirtschaft die Bedeutung des Themas Industrie 4.0 lange Zeit unterschätzt hat. Drei von vier Firmen räumen ein, dass bei ihnen die Qualifizierung sowohl der Mitarbeiter aber auch der Führungskräfte der Entwicklung hinterherhinkt.

Lean-Management ist laut Staufen-Vorstand Goschy die Basis für Industrie 4.0

Generell ist die Mehrheit (72 %) überzeugt, dass sie durch den Umbau zur intelligenten Fabrik wirtschaftlich erfolgreicher sein wird. Firmen mit operativer Industrie 4.0-Erfahrung sind dabei sogar noch etwas optimistischer. Zudem erwartet die Mehrheit eine deutliche Auswirkung auf die F&E-Aktivitäten.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass fortgeschrittene Erfahrungen mit Lean-Management den Einstieg in Industrie 4.0 deutlich ebnen. „Im Prinzip haben viele Unternehmen immer auf einzelne Techniken und Methoden gesetzt und gehofft, damit alle Probleme zu lösen“, erläutert Staufen-Vorstand Wilhelm Goschy Produktion. „So ist es auch ein Stück weit mit Industrie 4.0. Für viele ist es das Allheilmittel.“ Aber man werde erkennen, dass man mit Industrie 4.0 nichts gewinnen kann, wenn nicht erst Verschwendung und Komplexität reduziert werde.

Wer sich ernsthaft mit dem Thema beschäftige, werde erst einmal diese Hausaufgaben machen müssen, bevor er Industrie 4.0 aufsetzt. „Lean, Verschwendungsfreiheit, Standardisierung und Komplexitätsreduzierung sind die Basis, dann kann man die nächsten Schritte Komplexitätsbeherrschung und Beherrschung der Wertschöpfungsnetzwerke mit Industrie 4.0 weitertreiben“, ist sich Goschy sicher.

Goschy: „Die meisten Firmen wissen noch gar nicht, was Industrie 4.0 ist.“

Fehlende Normen und Standards sind ein großes Hindernis auf Deutschlands Weg zur Industrie 4.0-Nation. Als zweitgrößtes Hindernis nennen die Firmen (43 %) rechtliche Unsicherheiten beim Patent- und Datenschutz. Auch fehlende Mitarbeiter (39 %) und zu wenig Know-how in der Politik (35 %) hemmen die Entwicklung.

Der Studie zufolge hat die Industrie die Hoffnung aufgegeben, dass die Politik in Sachen Industrie 4.0 wirklich mit einer Stimme sprechen wird. „Das kommt, weil die Industrie auf unterschiedlichen Veranstaltungen durch unterschiedliche Studien unterschiedliche Wörter hört“, erläutert der Vorstand. „Die meisten Firmen wissen noch gar nicht, was Industrie 4.0 ist.“ Es gebe kein einheitliches Verständnis, kein gemeinsames Bild, was das eigentlich sei.

Deshalb habe die Industrie die Hoffnung aufgegeben, wie er bei vielen Unternehmen sehe. Diese würden anfangen, ihre Definition, ihr Verständnis und ihre Lösung anzupreisen. Ein allgemeines Verständnis und die Mächtigkeit – das sei noch nicht da, meint Goschy. Das wäre vielleicht Aufgabe der Politik gewesen. Oder einer in Auftrag gegebenen Studie, die das präzisiert. Aber das sei nicht erfolgt.

Gunnar Knüpffer