Der Ventilatorenhersteller ebm-papst ist nur einer von 1850 Weltmarktführern, hat Professor Bernd

Der Ventilatorenhersteller ebm-papst ist nur einer von 1850 Weltmarktführern, hat Professor Bernd Venohr herausgefunden (Bild: sashkin, Fotolia.com, ebm-papst, Layout: Andrea de Paly).

Von Michaela Neuner

LANDSBERG (gk). Der typische deutsche Weltmarktführer ist Mittelständler. Im Schnitt erwirtschaftet er mit 550 Mitarbeitern einen Umsatz von 85 Mio Euro, beliefert rund 50 Länder und seine Exportquote liegt bei 60 % und mehr. 1 850 Weltmarktführer hat Prof. Bernd Venohr in Deutschland identifiziert. Als Unternehmensberater und Professor für strategisches Management beschäftigt sich Venohr seit mehreren Jahren mit den Erfolgsstrategien von Weltmarktführern. „Für die meisten ist technologische Spitzenleistung die Triebfeder, mit der sie sich am Weltmarkt durchgesetzt haben“, hat er festgestellt. Der natürliche Lebensraum eines Weltmarktführers ist seine Nische. Kriselt es in der Nische, wird es für ihre „Bewohner“ schnell gefährlich, vor allem wenn sie sich zu stark spezialisiert haben. „Wenn sie neben Absatzproblemen eine schwache Finanzstruktur haben, ist die Pleite vorprogrammiert“, warnt Venohr. Gerade in der Krise habe sich bei stark verschuldeten Firmen ein fatales Muster gezeigt. Besonders betroffen waren Unternehmen in Fremdbesitz. Zwei Drittel der 1 850 Weltmarktführer sind jedoch in Familienbesitz. „Das hat sehr viele positive Seiten: Langfristigkeit, Kontinuität, Werte, ein sehr hoher Reinvestitionsgrad in das Unternehmen“, so Venohr. Allerdings könne Familienbesitz auch zum Problem werden, wenn die
Management-Kompetenz nicht ausreiche. „In Deutschland haben wir aber sehr viele gut funktionierende Mischmodelle aus Familienbesitz und externem Management“, stellt der Professor fest.
So zog sich der Firmengründer von ebm-papst, Gerhard Sturm, 2007 aus dem operativen Geschäft zurück. Seither leiten familienfremde Manager den Ventilatorenhersteller. Die Führungsstruktur hat sich bewährt: In der Krise verzeichnete der Weltmarktführer nur einen Umsatzrückgang von 6,6 % und hielt seine Stammbelegschaft weitgehend. Der vorsitzende Geschäftsführer Hans-Jochen Beilke sieht einen wichtigen Grund dafür in der breiten Aufstellung: „Wir liefern relevant in sechs Branchen.“ 
Eine zunehmende Diversifizierung beobachtet Venohr bei einer ganzen Reihe von Weltmarktführern: „Vor allem bei Firmen, die hauptsächlich an die Automobilindustrie liefern. Die Krise war für viele ein echter Aufwecker.“ Gute Chancen sehen die Unternehmen bei Themen wie Energie-Effizienz und erneuerbare Energien. Aber in angrenzende Bereiche zu gehen, ist nicht einfach. „Sie müssen verdrängen und das geht sehr oft schief. Weil sie nicht nur eine überlegene technische Lösung brauchen, sondern auch Zugang zu Vertriebskanälen und Kunden“, so Venohr.
„Wir suchen nicht nach dem Quantensprung, sondern nach der organischen Entwicklung“, verrät Hans-Jochen Beilke. Neue Applikationen seien sehr oft durch sensibles Zuhören entstanden und so nimmt der Dialog mit Kunden und Anwendern im Erfolgsrezept des Mulfinger Weltmarktführers eine zentrale Stellung ein. Weitere Kernfaktoren sind Forschung und Entwicklung mit einem Budget, das weit über dem Durchschnitt liegt, sowie Globalisierung: Das Unternehmen hat 57 Vertriebsstandorte und produziert seit 1995 auch in China.
An seinem württembergischen Heimatstandort ist ebm-papst nicht der einzige Branchenprimus: Nur wenige Kilometer entfernt gibt es eine ganze Reihe weiterer wie Würth, Recaro oder Wittenstein. In kaum einer Re-gion Deutschlands ballen sich mehr Weltmarktführer. Wenn man Steffen Schoch von der Wirtschaftsförderung Heilbronn-Franken nach dem Grund dafür fragt, fällt ihm vor allem eines ein – die Menschen und ihr Umfeld, das noch bis in die 50er Jahre landwirtschaftlich geprägt war: „Die Menschen hier sind ‚schaffig’, sie sind es gewohnt, die Ärmel hochzukrempeln“, sagt Schoch.
Viele der heutigen Weltmarktführer wurden in Landstrichen geboren, die häufig mehr schlecht als recht von der Landwirtschaft lebten. Wer hier weiterkommen wollte, musste sich etwas einfallen lassen. Die Gründer sind meist tief verwurzelt mit ihrer Heimat. Sie nehmen ihre Verantwortung ernst, denken und planen langfristig. Auf einem Auge sind trotzdem noch zu viele blind: „Innovative Unternehmen sind enorm auf qualifiziertes Personal angewiesen. Genau das wird jedoch immer knapper und da sehe ich manche Unternehmen noch nicht ausreichend gut drauf vorbereitet“, mahnt der ehemalige baden-württembergische Wirtschaftsminister Dr. Walter Döring.
Mehr dazu auf dem „1. Deutschen Kongress der Weltmarktführer“ von 24. bis 26.1.2011 in Schwäbisch Hall.