KSB fragte seine Mitarbeiter, wie sie sich eine längere Lebensarbeitszeit vorstellen können (Bild:

KSB fragte seine Mitarbeiter, wie sie sich eine längere Lebensarbeitszeit vorstellen können (Bild: KSB).

Angesichts des Fachkräftemangels und des demographischen Wandels gewinnt die Beschäftigung Älterer und die Nachwuchssicherung an Bedeutung. KSB gliedert seine Bemühungen in ein Gesamtkonzept. 

FRANKENTHAL (gk). In den vergangenen zehn Jahren hat sich in der deutschen Metall- und Elektro-Industrie eine dramatische Veränderung vollzogen. Während die Beschäftigung in der Branche seit 2000 um 3 % gesunken ist, hat sich die Zahl der über 60-Jährigen um 80 % erhöht – von knapp 85 000 auf über 152 000 im vergangenen Jahr. 
Sollen hochqualifizierte Facharbeiter und Ingenieure auch im Alter noch fit und produktiv sein, müssten die Unternehmen dafür Mittel und Wege finden. Viele Betriebe der M+E-Branche haben das bereits getan. Beispielsweise die KSB AG in Frankenthal. Bei dem international führenden Hersteller von Pumpen und Armaturen mit bundesweit über 4 000 Beschäftigten (weltweit ca. 14 600) hat das Thema seit Jahren einen hohen Stellenwert. Mehr als 32 % der Belegschaft sind über 50, das Durchschnittsalter liegt bei 43,8 Jahren. „Angesichts der wachsenden demographischen Lücke und der zunehmenden Schwierigkeiten, entwicklungsfähigen Nachwuchs zu rekrutieren“, sagt Personalleiter Armin Zisgen, „mussten wir das Potenzial der älteren Mitarbeiter besser ausschöpfen und deren Beschäftigungsfähigkeit und Motivation erhalten.“ Bei der KSB hat dies Tradition, nennt sich „demographische Fitness“, umfasst die gesamte Belegschaft und Bereiche wie Arbeitszufriedenheit, lebenslanges Lernen, Motivation, Wissenstransfer, Gesundheitsmanagement und Nachwuchssicherung.
An erster Stelle stand die Motivation der Beschäftigten. Um entsprechende Antworten sowie alters-, leistungs- und qualifikationsgerechte Arbeitsformen zu finden, wurden Arbeitnehmer über 50 Jahre auf freiwilliger Basis gefragt, wie sie ihre Situation beurteilen und wie sie sich eine längere Lebensarbeitszeit vorstellen könnten. Kritische Punkte waren für die älteren KSB-Beschäftigten laut der Befragung unter anderem die Länge der Arbeitszeit, aber auch die Art der Tätigkeit. „Viele, vor allem im gewerblichen Bereich“, sagt Zisgen, „meinten, dass sie länger arbeiten würden, wenn der Druck rausgenommen würde und sie beispielsweise einen Teil der Arbeitszeit dazu verwenden könnten, ihr Wissen und ihre Erfahrung an Jüngere weiterzugeben.“
Die Erkenntnisse aus der Befragung flossen in das KSB-Programm ein, das den Beschäftigten ab dem 55. Lebensjahr in verschiedenen Lebensabschnitten unterschiedliche Maßnahmen bietet. Dazu gehören beispielsweise gezielte Gespräche sowie ein jährlicher kostenloser Gesundheits-Check. Ab dem 58. Lebensjahr werden Mitarbeiter auf Wunsch von der Nachtschicht befreit und können ihre Wochenarbeitszeit über ihr Langzeitkonto reduzieren. Ab dem 60. Lebensjahr kann das Entgelt bei Mitarbeitern, die 25 Jahre und länger im Unternehmen sind, nicht mehr sinken und Führungskräfte können auf eigenen Wunsch ihrer Führungsaufgaben entbunden werden.
Ab dem 63. Lebensjahr erhalten die Mitarbeiter drei zusätzliche Urlaubstage. Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen wie Patenmodelle zwischen Jung und Alt, altersgerechte Arbeitsplätze, Nachfolgeregelungen mit maßgeschneiderten Einarbeitungszeiten und die Möglichkeit, im Rahmen einer Fachlaufbahn Spezialistenwissen weiterzugeben.
Ein weiterer Baustein im Projekt „demographische Fitness“ ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. So gibt es hochflexible Arbeitszeitmodelle mit entsprechenden Entgeltregelungen sowie die Möglichkeit von Telearbeit. Vor allem für Beschäftigte mit Kindern ist die Kooperation mit einem Kindergarten in Frankenthal wichtig oder aber auch die Vermittlung von Ferienbetreuung. Bei Pflegefällen wird Hilfe durch die betriebliche Sozialberatung geboten.
Für Zisgen hat eines besondere Bedeutung: die Anerkennung der Lebensleistung der älteren Mitarbeiter. „Gerade Ältere erwarten von ihrem Umfeld, auch im Unternehmen, dass ihnen Wertschätzung entgegengebracht wird. Sie wollen ihre Arbeit und Erfahrung gewürdigt sehen und eine verlässliche Perspektive für den Eintritt in den Ruhestand haben.“
Und noch eine Erfahrung haben die Frankenthaler gemacht: „Man kann den Mitarbeiter nicht erst dann entdecken, wenn er über 50 ist“, sagt Zisgen. „Qualifikation und Flexibilität müssen für alle kontinuierlich gefördert werden.“ Einen besonderen Wert legt das Unternehmen daher auf die Nachwuchssicherung, vor allem auf die eigene Berufsausbildung. Mit einer Ausbildungsquote von 9 % liegt die KSB AG deutlich über dem Branchendurchschnitt.