Die Lehrfabrik bietet ein realitätsnahes Umfeld mit realen Abläufen eines Produktionsprozesses

Die Lehrfabrik bietet ein realitätsnahes Umfeld mit realen Abläufen eines Produktionsprozesses (Bild: Hochschule Ansbach).

Zur Eliminierung von Verschwendung in Unternehmen braucht es Motivation und Know-how. Eine gute Möglichkeit, Effizienzexperten auszubilden, bieten die Lehrfabrik und das Lehrbüro des Centre of Excellence for TPM (CETPM) der Hochschule Ansbach.

Sabine Leikep

ANSBACH (gk). Das CETPM wurde vor fünf Jahren als organisatorische Einheit der Hochschule Ansbach gegründet. Geleitet wird es von Professor Constantin May, der sich zum Ziel gesetzt hat, Unternehmen so fit zu machen, dass sie im internationalen Wettbewerb bestehen können. Seine Erkenntnis: „Man kann betriebliche Verbesserung nicht kaufen sondern man muss selber lernen, wie das geht.“ Unter diesem Blickwinkel entstand 2008 die Lehrfabrik. Das Angebot umfasst verschiedene Seminare zur Ausbildung von Wertschöpfungs- beziehungsweise Leanexperten. Um das erlernte Wissen nachhaltig zu verankern, beschränken die Trainer den Theorieteil auf das Notwendigste. „Lernen durch Tun“, heißt die Devise.

Die Lehrfabrik möchte ein realitätsnahes Umfeld mit realen Abläufen eines Produktionsprozesses anbieten. Für echte Kunden produziert die „Klemmfest GmbH“ Klemmbretter aus Metall in mehreren Varianten, auf Wunsch mit individuellem Aufdruck. Zu Beginn eines Seminars herrschen dort chaotische Zustände. Die Teilnehmer sind in den Produktionsprozess integriert und setzen ihr neu erworbenes Lean-Wissen eins zu eins um. Sie transformieren die Lehrfabrik in 11 Seminartagen in eine verschwendungsarme Produktionsstätte. Neben den Methoden vermitteln die Trainer Aspekte von Motivation und Teambildung. „Es ist spannend zu beobachten, welche gruppendynamischen Prozesse in den Teams der Lehrfabrik entstehen und wie die Teilnehmer damit umgehen“, meint Professor May.

Die Ausbildung besteht aus mehreren Modulen. Die angehenden Lean Master müssen begleitend Verbesserungsprojekte im eigenen Unternehmen umsetzen, damit sie das Hochschulzertifikat erhalten. Dabei amortisierten sich bereits durch die dabei erzielten Einsparungen die Kosten für die Weiterbildungsmaßnahme, teilt das CETPM mit.

Laut Professor May liegt das größte Potenzial zur Effizienzsteigerung heute nicht mehr in der Produktion sondern in den Büros. Anknüpfend an den Erfolg der Lehrfabrik entstand 2010 das Lehrbüro. Es bildet die administrativen Prozesse der „Klemmfest GmbH“ ab, wie zum Beispiel die Kundenauftragsbearbeitung. Analog zur Lehrfabrik werden im Lehrbüro die wichtigsten Ansätze und Methoden geschult, um Operational Excellence im administrativen Bereich (Office Excellence) zu erzielen. Die Lernenden finden ein reales Büroumfeld vor. Mittels Methoden wie 5S und Makigami üben die Teilnehmer, wie man Arbeitsplätze und Prozesse optimiert. Die Frage „Wie motiviere ich mein Team/meine Kollegen?“ wird auch berücksichtigt. Zwischen den Ausbildungsblöcken setzen die Teilnehmer ebenfalls Projekte im eigenen Unternehmen um und stellen diese in einer Abschlusspräsentation vor. Erfahrungsgemäß könnten Produktivitätsteigerungen von 30 % und mehr erzielt werden, warb das CETPM.

Weitere Infos:
www.lehrfabrik.de
www.lehrbuero.de