Gunnar Knüpffer

BERLIN. Rund 400 000 technische Fachkräfte fehlen der deutschen Wirtschaft, hat DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann festgestellt: Ingenieure, Meister und gut ausgebildete Facharbeiter werden gesucht. 
Aus diesem Grund will die Industrie verstärkt Jugendliche ausländischer Herkunft sowie ausländische Fachkräfte einstellen. Immer mehr Arbeitgeber begegnen dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel mit der verstärkten Ausbildung und Beschäftigung von Migranten. Bundesweit sind mittlerweile etwa 870 Unternehmen und Institutionen mit insgesamt fünf Mio Beschäftigten der „Charta der Vielfalt“ beigetreten. Allein innerhalb der vergangenen zwölf Monate unterzeichneten rund 200 Arbeitgeber die Charta. Damit sei die Initiative eines der größten Netzwerke von Unternehmen und Institutionen in Deutschland, sagte die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Maria Böhmer in Berlin.
„Vielfalt ist für immer mehr Arbeitgeber ein handfester Gewinn“, sagte die Staatsministerin. Sie profitierten im internationalen Wettbewerb von den Sprachkompetenzen und den kulturellen Fähigkeiten vieler Zuwanderer. Zugleich sicherten sie sich angesichts der demografischen Entwicklung die Fachkräfte von morgen, ergänzte  Böhmer in Berlin auf dem Kongress „Charta der Vielfalt“.
Dabei wurde die neue Trägerstruktur der Charta-Initiative vorgestellt. Als Public-Private-Partnership wird der Verein „Charta der Vielfalt“ ab Januar 2011 die Geschäfte der Initiative führen und deren Aktivitäten finanzieren.
Der Verein setzt sich für die Verankerung von Vielfalt in Wirtschaft und Gesellschaft ein. Dabei möchte er insbesondere mehr Unternehmen und Organisationen für die Idee der Charta gewinnen, den Wissens- und Erfahrungsaustausch unter den Unterzeichnern fördern und sie so bei der Umsetzung von Diversity Management unterstützen.
Die elf Gründungsmitglieder des Vereins „Charta der Vielfalt“ sind: BASF SE, Bayer AG, BP Europa SE,  Daimler AG, Deutsche Bahn AG, Deutsche Bank AG, Deutsche Telekom AG, Eon AG, Ford-Werke GmbH,  Henkel AG  und  McDonald’s Deutschland.
Staatsministerin Böhmer begrüßte die Gründung des Vereins: „Ich verspreche mir von der neuen Gestaltung, dass der Grundgedanke der „Charta der Vielfalt“ noch nachhaltiger in die Unternehmen und damit in den Berufsalltag der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfließt“. Als festes Mitglied im Vorstand des Vereins wird sich die Staatsministerin auch zukünftig inhaltlich für die Charta engagieren.
Auf dem Kongress diskutierten die Teilnehmer in Workshops über die zunehmende Vielfalt des Arbeitsmarktes in Deutschland. Staatsministerin Böhmer gab einen Rück- und einen Ausblick auf die „Charta der Vielfalt“. „Die Charta ist ein positives Beispiel für die Kooperation von Politik und Wirtschaft. Sie wurde von Unternehmen initiiert und von der Bundesregierung unterstützt“, so Böhmer. Ausgerichtet wurde der Kongress von der Deutschen Telekom AG in Zusammenarbeit mit der BP Europa SE, der Daimler AG und der Deutschen Bank AG sowie mit der Unterstützung der Regiestelle der „Charta der Vielfalt“.
Die „Charta der Vielfalt“ wurde am 13. Dezember 2006 im Bundeskanzleramt auf Initiative der Deutschen BP, von Daimler, der Deutschen Bank und der Deutschen Telekom ins Leben gerufen.
Sie ist ein grundlegendes Bekenntnis zu Vielfalt, Toleranz, Fairness und Wertschätzung in der Arbeitswelt. Durch die Unterzeichnung der Charta verpflichten sich die Unternehmen oder Institutionen, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen gleichermaßen respektiert werden – unabhängig von Geschlecht, Rasse, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität.
Weitere Informationen zur „Charta der Vielfalt“ unter www.vielfalt-als-chance.de.