Die Zentrale von PTC in Needham, Massachusetts: Nach dem Kauf von MKS wird MKS Integrity in das

Die Zentrale von PTC in Needham, Massachusetts: Nach dem Kauf von MKS wird MKS Integrity in das Portfolio des PLM-Anbieters integriert (Bild: PTC).

Mit welchen Lösungen PTC neue Kunden gewinnen will und wie die Geschäftsaussichten des Anbieters für Product Lifecycle Management sind, erfuhr Produktion-Redakteur Gunnar Knüpffer auf der Anwenderkonferenz Planet PTC live in Las Vegas.

Gunnar Knüpffer

LAS VEGAS. Der Anbieter für Product Lifecycle Management, Parametric Technology Corporation (PTC), steigt ins Management von Embedded Software ein. Zu einem Kaufpreis von rund 300 Mio US-Dollar hat PTC die MKS Inc. unter Leitung von President und CEO Michael Harris übernommen, die die Software MKS Integrity für das Applikations-Lebenszyklus-Management (ALM) von industrieller Software anbietet. Das berichtete der President und CEO von PTC, James E. Heppelmann, vor 2000 Gästen auf der Anwenderkonferenz Planet PTC live in Las Vegas. PTC nimmt die ALM-Lösung von MKS in sein Portfolio auf, um Fertigungsunternehmen Synergien bei dem Management von Software- und Hardware-Entwicklung zu ermöglichen.
„Die Software-Entwicklung ist zu einem fundamentalen Bestandteil im heutigen Produktentwicklungsprozess geworden“, sagte Heppelmann. „Aus diesem Grund suchen Unternehmen nach einem deutlich umfassenderen Ansatz für das Management ihres Produkt-Lebenszyklusses.“ Durch die Kombination der MKS-Integrity-Lösung mit dem PLM-Portfolio setze PTC einen neuen Standard für ein einheitliches Produkt-Lebenszyklus-Management, das industrieweit eine wirklich integrale Lösung für die Produktkonfiguration, die Zusammenarbeit der Disziplinen und das Change-Management bereitstelle.
MKS Integrity koordiniert und verwaltet sämtliche Tätigkeiten und Ergebnisse, die bei der Entwicklung von Produkten mit einem hohen Software-Anteil entstehen. Dazu zählen das Management von Produktanforderungen, von Produktmodellen, von Software-Codes und Tests, wodurch die Entwicklung über den gesamten Lebenszyklus nachverfolgt werden können soll.
Durch die Kombination der MKS-Integrity-Lösung mit dem Lösungsportfolio von PTC für das Produkt-Lebenszyklus-Management soll die Entwicklung von Software und Hardware eines Produkts integriert werden. PTC wirbt damit, dass sich auf diese Weise die Produktqualität steigern lasse, Produkte schneller auf den Markt gebracht werden könnten und sich Risiko- und Wartungskosten senken ließen.
Auf der Planet PTC live stellte der PLM-Anbieter auch seine neuesten Versionen der PLM-Plattform Windchill und der MCAD-Plattform Creo vor. In Windchill 10.0 wurden die PTC-Suiten InSight für Produktanalytik und Relex für das Qualitätsmanagement integriert. Dabei erweiterten die Software-Entwickler die Produktanalytik um Funktionen wie die Analyse der Produktkosten und des CO2-Ausstoßes. Im Qualitätsmanagement wurde die Suite um CAPA Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen ergänzt.
Die Software erlaubt künftig Verknüpfungen über verschiedene Produktstrukturbereiche und -ansichten hinweg, so dass der gesamte Lebenszyklus eines  Produkts erfasst wird. Eine einfachere Bedienbarkeit und Verwaltung soll dazu beitragen, dass Anwender das Programm schneller erlernen und auch Gelegenheitsanwender die Software leichter nutzen können.
Zugleich erhielten die Anwender auf der Konferenz einen Einblick in die neuen rollenbasierten Anwendungen für die MCAD-Plattform Creo 1.0. Auch Nutzer außerhalb des zentralen Produktenwicklungsteams können auf diese interoperablen, integrierten Applikationen zugreifen.  Neben den Entwicklungsingenieuren sowie Servicemitarbeitern, technischen Illustratoren und Industriedesignern, die traditionell die Produkte entwickeln, können jetzt auch Gelegenheitsnutzer Kapital aus der neue MCAD-Lösung schlagen.
PTC profitierte zuletzt von dem Boom in der Automobilindustrie. So wuchs im Jahr 2010 das PLM-Geschäft um 73 %. Zudem wurde Hyundai Kia Motors als Kunde gewonnen.
Im zweiten Quartal dieses Jahres sicherte sich der PLM-Anbieter 24 Großaufträge von jeweils über einer Mio US-Dollar. Diese kamen von Auftraggebern wie Volkswagen, der Toyota Corporation, Bandai Co. Ltd., ITT Corporation, Target Corporation, TJX Companies, Tata Motors Limited und Liebherr. Auch das Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen weitete PTC das fünfte Quartal in Folge aus: Der Umsatz mit Lizenzen wuchs um 17 %.
Am stärksten stieg der Umsatz von PTC im zweiten Quartal in Europa (14 %), wo mit 39 % auch der größte Umsatzanteil des US-Unternehmens generiert wird. In den USA erhöhte sich der Umsatz um 12 % auf einen Anteil von 35 %.  Und auch im asiatisch-pazifischen Raum (+12%) und in Japan (+10 %) wurden Wachstumsraten im zweistelligen Bereich erzielt. Insgesamt schraubte der PLM-Anbieter in diesem Zeitraum seinen Umsatz um 12 % auf 269 Mio Dollar hoch, der Gewinn je Aktie betrug 0,26 Dollar. Die Umsatzrendite beläuft sich somit auf 15,7 %.
Für das dritte Quartal 2011 erwartet PTC einen Umsatz zwischen 275 Mio und 285 Mio US-Dollar. In diesem Zeitraum soll erneut ein Gewinn je Aktie von 0,28 bis 0,32 US-Dollar erwirtschaftet werden.
„Wir gehen davon aus, dass wir bis Ende des Geschäftsjahres insgesamt 30 Großkonzerne mit mindestens zehn Mrd US-Dollar Umsatz für PTC gewonnen haben werden“, sagte Heppelmann. Er beobachte mit einem Plus von 40 % ein deutliches Lizenzwachstum im CAD-Bereich und im Markt für kleine und mittelständische Unternehmen. Deshalb setzt Heppelmann für das vollständige Geschäftsjahr die Ziele hoch. Der Umsatz soll zwischen 11 % und 12 % auf einen Wert zwischen 1,12 und 1,13 Mrd US-Dollar anwachsen. Dabei liegt das Wachstumsziel für den Lizenzumsatz zwischen 15 und 20 %. PTC plant, einen Gewinn zwischen 1,2 und 1,25 US-Dollar je Aktie zu erzielen, so dass eine Umsatzrendite zwischen 17 % und 18 % erreicht wird.