Die Fertigungsindustrie könnte mit Smart Products viel Geld verdienen - wenn sie es denn schaffen würde, umzustellen, sagt eine Capgemini-Studie.

Die Fertigungsindustrie könnte mit Smart Products viel Geld verdienen - wenn sie es denn schaffen würde, umzustellen, sagt eine Capgemini-Studie. - Bild: Pixabay

Die Fertigungsbranche setzt auf neue Technologien: 50 Prozent der befragten Unternehmen planen, in den nächsten zwei Jahren über 100 Millionen Euro in digitale Technologien zu investieren. Die 1.000 befragten Führungskräfte gehen davon aus, dass 50 Prozent ihrer Produkte 2020 smart, vernetzt und somit fähig sind, Daten zu erfassen und mit ihrer Umgebung auszutauschen.

Damit werden auf den Service ausgerichtete Geschäftsmodelle bedeutsamer, 18 Prozent der Anbieter wollen bis 2020 sogar ohne klassische Produktfertigung auskommen. Der Anteil des Betriebs bestehender Altsysteme am IT-Budget sinkt im Vergleich zu 2014 von 76 auf 55 Prozent. Dennoch fällt es vielen Unternehmen schwer, die Produktion smarter Produkte voranzutreiben.

"Unsere Studie zeigt, dass die erfolgreichsten Unternehmen einen definierten digitalen Strategieplan und eine für Experimente und agiles Handeln offene Unternehmenskultur haben und mit anderen Unternehmen bei der Produktinnovation kooperieren", betont Dr. Markus Rossmann, Leiter des internationalen Kernteams der Digital Manufacturing Services bei Capgemini. "Vor allem aber nutzen 93 Prozent der erfolgreichen Unternehmen aus smarten Produkten generierte Daten, um daraus umsetzbare Erkenntnisse abzuleiten. Branchenweit macht davon heute nur rund ein Viertel aller Unternehmen Gebrauch."

Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Aktuell profitieren Unternehmen nur bedingt von den seit 2014 zunehmend in die Digitalisierung investierten Beträge. Zwei Drittel der Befragten sehen einen Grund dafür in widersprüchlichen Zielen: Sie sollen Markteinführungen beschleunigen, indem bestehende Produkte weiterentwickelt werden, jedoch auch vermehrt in neue, vernetzte Produkte investieren. Zudem ist es 60 Prozent der Unternehmen noch nicht gelungen, den gesamten Lebenszyklus eines Produkts von der Entwicklung bis zur Fertigung vollständig zu digitalisieren. In die Forbes-Liste der innovativsten Unternehmen schafft es aktuell nur jedes fünfte Unternehmen der Branche, trotz einem Anteil von 58 Prozent an den weltweiten Forschungs- und Entwicklungsausgaben.

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    Bei Zeitler Robotics, beziehungsweise ZS Anlagenbau, wird mit viel Charme für das Unternehmen aus Neuburg geworben. - Bild: Nördinger

  • Sollte die Menschheit jemals auf den Mars gelangen, hat Igus hat schon mal eine Lösung, um die kleinen grünen Männchen aus dem Weg zu bugsieren. So zeigen die Kölner, was sie inzwischen im Bereich Robotics draufhaben

    Sollte die Menschheit jemals auf den Mars gelangen, hat Igus hat schon mal eine Lösung, um die kleinen grünen Männchen aus dem Weg zu bugsieren. So zeigen die Kölner, was sie inzwischen im Bereich Robotics draufhaben. - Bild: Weinzierl

  • Eine gelungene Kombination aus hochwertigen Montagearbeitsplätzen und intelligenter Montageunterstützung liefern Bott und Armbruster, wie Tobias Strube, Vertriebs- und Projektingenieur bei Armbruster Engineering darstellt: „Ein Beamer projiziert sämtliche Monitorinfos auf die Tischoberfläche, so dass der Mitarbeiter jeden Arbeitsschritt direkt vor Augen hat. Dieses Pilotprojekt ist bei einem Kunden bereits in Anwendung.“

    Eine gelungene Kombination aus hochwertigen Montagearbeitsplätzen und intelligenter Montageunterstützung liefern Bott und Armbruster, wie Tobias Strube, Vertriebs- und Projektingenieur bei Armbruster Engineering darstellt: „Ein Beamer projiziert sämtliche Monitorinfos auf die Tischoberfläche, so dass der Mitarbeiter jeden Arbeitsschritt direkt vor Augen hat. Dieses Pilotprojekt ist bei einem Kunden bereits in Anwendung.“ - Bild: Poll

  • Nur im Zusammenspiel funktioniert moderne Automation: Kabelschutz von Reiku, Roboter von Universal und Greifer von Piab

    Nur im Zusammenspiel funktioniert moderne Automation: Kabelschutz von Reiku, Roboter von Universal und Greifer von Piab. - Bild: Weinzierl

  • Bei Kuka lädt Carla Sedric auf: Der Aufladeassistent der Augsburger lädt das autonome E-Fahrzeug von Volkswagen - auch wenn ihm hier ein Kollege noch kurz zu Hand beziehungsweise zum Greifer gehen muss

    Bei Kuka lädt Carla Sedric auf: Der Aufladeassistent der Augsburger lädt das autonome E-Fahrzeug von Volkswagen - auch wenn ihm hier ein Kollege noch kurz zu Hand beziehungsweise zum Greifer gehen muss. - Bild: Nördinger.

  • Auch cts bietet ein autonomous intelligent vehicle, wie Prokurist Alfred Pammer erklärt: „Unser aiv ist eine Weiterentwicklung der Omron-Plattform für spezielle Transporte wie beispielsweise Leiterplatten für die Intralogistik in der Produktion – und das bei hoher Flexibilität.“

    Auch cts bietet ein autonomous intelligent vehicle, wie Prokurist Alfred Pammer erklärt: „Unser aiv ist eine Weiterentwicklung der Omron-Plattform für spezielle Transporte wie beispielsweise Leiterplatten für die Intralogistik in der Produktion – und das bei hoher Flexibilität.“ - Bild: Poll

  • Das aiv (autonomous intelligent vehicle) von Omron wird vom Flottenmanager zum Transport gerufen. Der nächstgelegene Transportroboter fährt dann autonom zum Zielpunkt. Unterm Strich erhält „der Anwender einen Nutzensprung durch Integration“, sagt Lucian Dold, Manager Industrial Solution Sales bei Omron.

    Das aiv (autonomous intelligent vehicle) von Omron wird vom Flottenmanager zum Transport gerufen. Der nächstgelegene Transportroboter fährt dann autonom zum Zielpunkt. Unterm Strich erhält „der Anwender einen Nutzensprung durch Integration“, sagt Lucian Dold, Manager Industrial Solution Sales bei Omron. - Bild: Poll

  • Mobile Roboter des Fraunhofer IPA, die über die Cloud vernetzt sind, kartieren ihre Umgebung und planen ihre Route.

    Mobile Roboter des Fraunhofer IPA, die über die Cloud vernetzt sind, kartieren ihre Umgebung und planen ihre Route. - Bild: Knüpffer

  • Intelligente 3D-Kameras liefert IDS. Die neue, adaptive Robotersteuerung ‚Mikado‘ ist für die einfache Robotereinrichtung gemacht. „Deshalb ist es eher ein Konfigurieren des Roboters anstatt eines Programmierens“, beschreibt Marketingleiter Oliver Senghaas die Vorzüge. Bei ‚Mikado‘ handelt es sich um ein Bundle aus Software, Controller und Kamera.

    Intelligente 3D-Kameras liefert IDS. Die neue, adaptive Robotersteuerung ‚Mikado‘ ist für die einfache Robotereinrichtung gemacht. „Deshalb ist es eher ein Konfigurieren des Roboters anstatt eines Programmierens“, beschreibt Marketingleiter Oliver Senghaas die Vorzüge. Bei ‚Mikado‘ handelt es sich um ein Bundle aus Software, Controller und Kamera. - Bild: Poll

  • Vitronic baut bei der Schweißnahtüberprüfung vor allem auf die Softwarekomponente, um die Prozesse weiter zu optimieren. So können Fehler direkt ausgewertet, klassifiziert und direkt an die Schweißroboter in der Linie geschickt werden

    Vitronic baut bei der Schweißnahtüberprüfung vor allem auf die Softwarekomponente, um die Prozesse weiter zu optimieren. So können Fehler direkt ausgewertet, klassifiziert und direkt an die Schweißroboter in der Linie geschickt werden. - Bild: Poll

Jean-Pierre Petit, Head of Digital Manufacturing bei Capgemini dazu: "Das für die nächsten zwei Jahren prognostizierte Potenzial intelligenter, vernetzter Produkte und digitaler Kontinuität ist zu groß, um den Investitionsbedarf zu ignorieren. Doch der Weg zum Erfolg ist anspruchsvoll. Die Branche muss eine Balance zwischen dem Erhalt ihres Kerngeschäfts und Investitionen in neue digitale Technologien finden. Sie sollten in digitale Fähigkeiten, Ökosysteme, Werkzeuge, Roadmaps und neue Arbeitsweisen investieren. Wer dies richtig angeht, wird nachhaltig davon profitieren."

"Unser Ziel ist es, das Geschäftsmodell so weiterzuentwickeln, dass es servicebasiert ist und Cloud-Architekturen beinhaltet. Dies ist der entscheidende Weg, um sich in einem Markt reiner Hardware-Anbieter über unser Leistungsversprechen zu unterscheiden", sagt Antoine Destribats, Vice President - Industrial Operations bei Schneider Electric.

Smarte Produktentwicklung benötigt Dateneinsatz und Software-Skills

Die Studie verdeutlicht, dass moderne Konzepte wie Digital Twins, eine auf dem Internet der Dinge aufbauende Technologie, selten genutzt werden. Die virtuellen Abbilder physischer Objekte werden nur von 16 Prozent umfassend genutzt, 45 Prozent sind noch nicht über die Pilotphase hinaus. Insgesamt fließen zu wenig der generierten Daten in den Design- und Entwicklungsprozess: Nur ein Viertel der Hersteller nutzen Daten aus vernetzten Produkten zur Produktinnovation.

Künstliche Intelligenz zur Analyse von Kundendaten kommen bei zwei von fünf Unternehmen zum Einsatz. 54 Prozent der Unternehmen haben Programme zur Kooperation mit Start-Ups, Drittanbietern und Zulieferern aufgesetzt, doch weniger als ein Drittel nutzen die Ökosysteme zur gemeinschaftlichen Produktentwicklung. Software-Kenntnisse für Digital Engineering fehlen vor allem der Hälfte der Unternehmen, die bis dato am wenigsten den Wechsel zur Produktion smarter Produkte vollzogen haben. Dort fehlt es an Kenntnissen über Datenmanagement (bei 86 Prozent), App-Design (95 Prozent) und Künstlicher Intelligenz (94 Prozent).

Unternehmen müssen sich wappnen

"Da die Konnektivität von Produkten zunimmt, werden vermehrt Software-Kenntnisse für den Herstellungsprozess benötigt. In der Fertigungsindustrie werden die Produktzyklen kürzer, wie wir das aus der Digitalbranche bereits kennen. Die Studie belegt, dass Hersteller Software-Kenntnisse, eine durchgehend digitale Produktion und den Übergang zu servicebasierten Geschäftsmodellen als wichtigste Faktoren einer sich wandelnden Branche betrachten", so Rossmann. "Unternehmen müssen sich mit Trainings, Tools und neuen Wegen kollaborativen Arbeitens dafür wappnen. Nur mit Neueinstellungen wird es nicht getan sein."

Capgemini

Für die Studie "Digital Engineering: Wachstumsmotor für die Fertigungsbranche" des Digital Transformation Institute (DTI) von Capgemini wurden 1.000 Führungskräfte globaler Fertigungsunternehmen in neun Ländern befragt: Deutschland, Italien, Indien, China, Schweden, Niederlande, Frankreich, Großbritannien und die USA. Die Führungskräfte üben verschiedene Funktionen aus und haben eine Director-Position oder höher inne. Jeder der Befragten ist in die Digital Engineering Initiativen seines Unternehmens involviert. Die Stichprobe umfasst eine Reihe von Branchensegmenten, darunter Automobil- und Transportwesen, Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung, industrielle Fertigung, industrielle und landwirtschaftliche Geräte, Hochtechnologie und medizinische Geräte. 62 Prozent der befragten Unternehmen erzielen einen jährlichen Umsatz von mindestens zwei Milliarden US-Dollar.

Die Studie steht hier zum Download bereit.