Unternehmen antizipieren gesellschaftliche Entwicklungen früher und besser.

Unternehmen antizipieren gesellschaftliche Entwicklungen früher und besser.

FRANKFURT (ilk). Zu diesen Ergebnissen kommt das IBE in der vierten Phase seiner Langzeitstudie ‘Personalpolitik in der Krise’. An der Studie beteiligten sich über 400 deutsche Unternehmen. In Online-Befragungen wurde im März, Mai und Dezember 2009 der personalpolitische Umgang mit der Wirtschaftskrise analysiert. Der Studie kommt eine besondere Aussagekraft zu, weil die befragten Entscheider ihre Aussagen in den drei Phasen bestätigen oder korrigieren konnten. Die Folgeuntersuchung von Mai 2010 rückt insbesondere die Veränderungen zu den Ergebnissen aus dem Jahr 2009 in den Fokus: Welche Trends erkennen die Unternehmen? Welche Maßnahmen werden heute für wichtig erachtet und durchgeführt?

Was die Entwicklungen betrifft, die bereits heute in der Personalpolitik Berücksichtigung finden, zeigt sich, dass die demografische Entwicklung von der Mehrzahl der befragten Unternehmen als relevantes Thema erkannt wird. Derzeit vieldiskutiert in Wissenschaft und Öffentlichkeit, sehen 60% der Befragten insbesondere die Alterung, den Führungskräfteengpass sowie fehlende Nachwuchskräfte als Herausforderung an. Annähernd 70% der befragten Unternehmen halten nachhaltige Personalpolitik für ein wichtiges Thema, mit dem sie sich bereits befassen. Dabei sind es – im Vergleich zum Dienstleistungssektor – besonders die großen und produzierenden Unternehmen, die Maßnahmen zur Bewältigung der demografiebedingten Auswirkungen durchführen.

Ebenso wie der demografische Wandel ist die Besetzung von Fach- und Führungspositionen mit Frauen in den letzten Monaten auch durch die öffentlichen Debatten zunehmend in den Fokus gerückt. Während im Dezember 2009 „nur“ 36,7% der befragten Unternehmen sich mit dieser Entwicklung auseinandersetzten, sind es heute schon 45% der befragten Betriebe. Dabei ist dies eher ein Thema der Dienstleistungsbetriebe als der produzierenden Unternehmen.

Für die meisten Studienteilnehmer ist die Zweiteilung der Arbeitswelt in Wissens- und Innovationsgesellschaft einerseits und standardisierte Arbeitswelt andererseits die relevanteste Entwicklung der nächsten Jahre. Mehr als 70% der befragten Unternehmen beobachten den Trend zur Wissens- und Innovationsgesellschaft und die damit verbundene steigende Wissensintensität am Arbeitsplatz. Dazu gehören auch der Bedeutungszuwachs von Wissen und Kompetenz als Wettbewerbsfaktor, die erhöhte Komplexität und die Notwendigkeit von innovativen Lösungen, um den steigenden Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden. Ebenso bestätigen 70% der Unternehmen den Trend zur standardisierten Arbeitswelt. Dieser liegt im Zwang zur kontinuierlichen Kostenreduktion, der Verdichtung von Arbeit, der Standardisierung und Rationalisierung von Prozessen sowie der Zunahme von Routinetätigkeiten begründet. Beide Formen der Arbeitswelt scheinen von den Unternehmen gleichermaßen beobachtet zu werden.

Das Bewusstsein der Unternehmen um die Trends und Entwicklungen geht mit verstärkten strukturellen Maßnahmen der Personalpolitik einher. Auch wenn dieses Bewusstsein nicht immer gleich in Maßnahmen umgesetzt werden kann. Dort wo Veränderungen für Betriebe nicht so leicht „zu fassen“ und dann mittels operativer Maßnahmen zu bewältigen sind, zeigt sich ein so genannter „Talking-Action-Gap“: zwar realisieren 60% der befragten Unternehmen insgesamt technisch-ökonomische Entwicklungen, aber nur 40% der Befragten ergreifen auch konkrete Maßnahmen, um diesen zu begegnen.

In den Unternehmen, die (noch) von der Krise betroffen sind, stehen mittlerweile strukturelle und strategische Maßnahmen einer krisenbedingten Personalpolitik im Vordergrund. Dazu gehören flexible Arbeitsmodelle, die Überprüfung von Prozessen, Führung, übergreifende Kommunikation und Kooperation. Operative Maßnahmen zur Kostenreduktion wie beispielsweise Einschränkungen bei Bezahlung und Arbeitszeit, werden zwar weiterhin praktiziert, verlieren aber an Bedeutung. Die befragten Unternehmen planen keine weiteren derartigen Maßnahmen. Was möglich ist, wird bereits umgesetzt. Mit den strukturellen Maßnahmen, die nun strategisch und in aller Ruhe aufgesetzt werden, machen diese Unternehmen den initialen Schritt aus dem akuten Krisenmanagement heraus in eine nachhaltige Personalpolitik.

Fazit: Die strategischen, langfristigen Planungen im Mai 2010 zeigen, dass die Unternehmen Trends und Entwicklungen im Auge haben und sich der Herausforderungen der Zukunft bewusst sind. In Mitten dieser Entwicklungen bewältigen die Unternehmen einen Spagat zwischen perspektivischem Denken und akutem Handeln.